Schweiz

«Das Ende der Schweiz»

Aktualisiert am 23.02.2010 326 Kommentare

Die Welle negativer Zeitungsartikel über die Schweiz in der ausländischen Presse flacht nicht ab. So hart wie das amerikanische Magazin «Newsweek» hat aber noch niemand auf uns eingedroschen.

1/3 Nichts von heiler Alpen-Idylle
Von der Vorzeigenation zum egoistischen Eigenbrötler («Newsweek»). Der Artikel von Denis MacShane löste auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet viele Reaktionen aus.

«Das Ende der Schweiz»

   
«Newsweek»-Autor: Denis MacShane, Labour-Abgeordneter und von 2002 bis 2005 Minister für Europa-Angelegenheiten in der Regierung von Tony Blair.

«Newsweek»-Autor: Denis MacShane, Labour-Abgeordneter und von 2002 bis 2005 Minister für Europa-Angelegenheiten in der Regierung von Tony Blair.

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Artikel zum Thema

Vom Heidiland zum Herz der Finsternis: Die hämischen Berichte in ausländischen Medien über die Schweiz nahmen ihren Anfang am 7. September 2007. Damals titelte die renommierte britische Tageszeitung: «Schweiz: Das Herz der Finsternis in Europa?» Es war die Zeit, als das ganze Land mit Schäfchenplakaten der SVP zugepflastert war und der eidgenössische Wahlkampf seine heisse Phase erreichte. Der mediale Frontalangriff des Traditionsblattes fand damals auf der Titelseite mit einem doppelseitigen Bericht statt. Von der Heimat «eines neuen Extremismus» war da die Rede, die Schweiz laufe Gefahr, sich zu einer «rassistischen» Nation zu entwickeln. Viele europäische Zeitungen doppelten nach: Die Onlineausgabe des Spiegels bezeichnete die Schweiz gar als «Demokratie am Rande des Nervenzusammenbruchs».

Seit dieser journalistischen Schelte-Flut vor zwei Jahren können wir eins nicht mehr beklagen: vom Ausland ignoriert zu werden. In internationalen Nachrichten sind wir präsenter als jeder andere Kleinstaat dieser Welt. Minarett-Abstimmung, UBS-Krise, Libyenaffäre, Polanski-Verhaftung und der Streit ums Bankgeheimnis lassen die Kommentatoren rund um den Globus ihre Mahnfinger erheben.

«Skurrile Insel»

Die «Los Angeles Times» befand im Oktober vergangenen Jahres, Muammar Ghadhafis Idee, die Schweiz zu vernichten, sei vielleicht doch nicht so schlecht. Der zugegebenermassen satirische Artikel mit dem Titel «Wer eigentlich braucht die Schweiz?» wühlte trotzdem in der offenen Wunde, in welche so viele Leitartikler und Analysten bereits kiloweise Salz streuten. Die französische Zeitung «Le Figaro» kam Ende 2009 zum Schluss, dass die «Gastfreundschaft in der Schweiz nicht mehr das ist, was sie einmal war». Kurz darauf äusserte sich «USA Today», Amerikas grösste Zeitung, in einem Artikel über den Rohstoffhändler Marc Rich abfällig über die Schweiz.

Letzte Woche nun widmete uns auch die österreichische Tageszeitung «Kurier» eine Doppelseite mit dem martialischen Titel «Die Schweiz im Kreuzfeuer». Dort heisst es: «Schwere Zeiten: Minarett-Verbot, Ausländerfeindlichkeit, Schwarzgeldkonten - die Eidgenossen sorgen international für Unmut.» Das brutale Fazit: «Die Schweiz ist eine skurrile Insel, die mit einem grauslichen Bukett von Problemen kämpft und dessen Strahlemann-Image verblasst ist.» Der Autor wirft der Schweiz «Islamfeindlichkeit» vor. Im Artikel suchte man vergeblich nach etwas Positivem.

«The End of Switzerland»

Den absoluten Tiefpunkt dieser bösartigen Berichterstattung setzt nun allerdings das amerikanische Nachrichtenmagazin «Newsweek». Es ruft in seiner jüngsten Ausgabe das «Ende der Schweiz» aus – im Titel, versteht sich. Die Botschaft wird in einer Auflage von über vier Millionen Exemplaren verbreitet. Von der einstigen Vorzeigenation sei nicht mehr viel übrig: Die wachsenden wirtschaftlichen Probleme und die schwelende Fremdenfeindlichkeit hätten den Mythos Schweiz zerstört. Früher sei das Land ein Hort des Liberalismus inmitten eines totalitären Europas gewesen. «Während dem Zweiten Weltkrieg war die neutrale Nation eine Insel der Freiheit, wo in den 50er und 60er Jahren unzählige Friedensverträge unterzeichnet wurden. Die Welt reiste in die Schweiz, um Lösungen zu finden», schreibt Autor Denis MacShane in seiner Analyse.

Nach dem verklärenden Blick in die Vergangenheit setzt er dann zum vernichtenden Schlag an: «Heute jedoch sind die Städte schmutzig, die Züge haben Verspätung, die Strassen sind alles Baustellen und die Politiker wirken provinziell.» MacShane, ein ehemaliger britischer Europaminister und Mitglied der Labour-Partei, hat in der Schweiz gelebt und gearbeitet.

Der dreiseitige Artikel bedient sich ausschliesslich Schwarz-Weiss-Kategorien. Die Vorwürfe sind zum grössten Teil haarsträubend falsch. So schreibt MacShane, die nationalistische Stimmung in der Schweiz führe dazu, dass immer mehr TV-Sendungen auf «Schwizerdütsch» gesendet würden.

Die Schmähschrift endet mit dem Fazit, dass die Weltelite aus Politik und Wirtschaft zwar immer noch jährlich nach Davos ans WEF pilgere, doch würden sich die Teilnehmer nicht mehr für das Land Schweiz interessieren.

Schon seltsam, was für ein grosses Aufsehen die Presse im Ausland über ein so «unbedeutendes» Land macht. (bru)

Erstellt: 23.02.2010, 11:38 Uhr

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326 Kommentare

rainer raschle

22.02.2010, 16:08 Uhr
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Zeitungsartikel sind temporär. Schweizer Werte und Qualität sind beständig. Antworten


Peter Müller

22.02.2010, 16:11 Uhr
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...Und dann immer der gleiche beleidigte Unterton der kommentierenden Journalisten. Wer austeilt muss nunmal auch einstecken können. Die Schweizer Journalisten sollten lieber mal den Vorwürfen nachgehen, und ggf. auch einmal selbstkritisch mit dem eigenen Land umgehen. Sonst kommt der Vorwurf der Schwarz-Weiss-Denke wie ein Bummerang zurück. Es ist doch Fakt, dass der Mythos Schweiz tot ist Antworten




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