«Das Präsentieren der Waffen im Wohnraum ist daneben»

Politiker präsentieren ihre Armeewaffe – ein Auftritt, der auch bei Gegnern der Waffenschutzinitiative auf Kritik stösst.

Die Redaktion habe nicht gerade das beste Bild ausgewählt, sagt Jakob Büchler, der mit dem Sturmgewehr auf dem Sofa posiert.

Die Redaktion habe nicht gerade das beste Bild ausgewählt, sagt Jakob Büchler, der mit dem Sturmgewehr auf dem Sofa posiert.

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Das waren Bilder mit Seltenheitswert: Mehrere Politiker präsentierten in der Sonntagszeitung ihre Waffe und sagten, warum sie die Initiative zum Schutz vor Waffengewalt ablehnen. SVP-Nationalrätinnen Andrea Geissbühler und Yvette Estermann sowie CVP-Nationalrat Jakob Büchler posierten sogar mit Sturmgewehr und Pistole auf dem heimischen Sofa.

Der Auftritt stösst auf Kritik. Selbst im überparteilichen Komitee gegen die Initiative ist man nicht erfreut. FDP-Nationalrätin Martine Brunschwig-Graf will die Bilder nicht kommentieren. «Wir sollten Politik machen und Argumente bringen», ist alles, was sie dazu sagt. CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler, ebenfalls Komiteemitglied, spricht dagegen Klartext: «Ich finde das Präsentieren der Waffen im Wohnraum daneben.»

«Kein Kuschelgerät»

«Die Waffe ist ein Sport- und Kampfgerät, aber nichts zum Kuscheln», sagt Glanzmann-Hunkeler im Hinblick auf die Couchbilder. Sie habe viele Reaktionen von Leuten bekommen, welche die Initiative ablehnten, und die Bilderstrecke in der «Sonntagszeitung» total daneben fänden. Solche Bilder spielten den Initianten in die Hände, glaubt Glanzmann. Sie selber sei auch angefragt worden, würde sich aber «nicht so fotografieren lassen».

CVP-Sprecherin Marianne Binder, die bei der Kampagne gegen die Waffeninitiative mitwirkt, sagt: «Ob diesen Bildern eine solche Priorität eingeräumt werden sollte, bleibe dahingestellt. Aber dass man sich über Sportschützen und Jäger, welche ihre Waffen zeigen, dermassen aufregt, zeigt die hohe Emotionalität des Themas. Beim Knabenschiessen gibt es nie Reaktionen, wenn Kinder mit Waffen abgebildet werden.»

«Waffe ist sicher im Schuhschrank»

Ida Glanzmann hat ihre Bedenken den betreffenden Politikern, die sich fotografieren lassen haben, bereits gemailt. Doch diese geben sich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet beratungsresistent. «Ich sehe das Problem nicht», sagt Christian Wasserfallen. Sein Sturmgewehr lagere sicher im Schuhschrank, «der Verschluss ist weg, die Munition auch». Das Präsentieren der Waffe sei unproblematisch, schliesslich zeige er sich auch mit Waffe, wenn er ins Obligatorische gehe oder in den Dienst.

Es sei vielleicht «Geschmacksache», sagt Yvette Estermann. Sie habe aber schon mehrmals mit der Waffe posiert und immer nur positive Reaktionen erhalten. «Die Pistole ist für mich ein Sportgerät, keine Waffe.»

«Nicht das beste Bild genommen»

Einzig Jakob Büchler, dessen Bild die Titelseite ziert, ist nicht zufrieden. «Die Redaktion hat nicht gerade das beste Bild genommen», sagt Büchler. Zu Hause posieren sei an sich kein Problem, aber er hätte lieber ein Bild aus dem Treppenhaus gehabt, als jenes, auf dem er in Socken mit dem Sturmgewehr in der Hand auf der Sofalehne posiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2011, 12:53 Uhr

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Sie findet das zeigen der Armeewaffe in den privaten Räumen daneben: CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler. (Bild: Keystone )

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