Schweiz
«Das Rauchen nicht verbieten»
Interview: Ralph Pöhner. Aktualisiert am 19.05.2009 114 Kommentare
Corinne Zosso ist Geschäftsführerin der Lungenliga Schweiz sowie Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesundheitsligen-Konferenz.
Artikel zum Thema
Nationale Initiative
Am Wochenende stimmten drei Kantone über Rauchverbote ab, jetzt geht es weiter: Nächste Woche lancieren rund 40 Organisationen die Volks-Initiative «Schutz vor Passivrauchen». Mit dabei ist die Lungenliga. Neben Lungenliga-Präsident Otto Piller gehören Herzchirurg Thierry Carrel und Ständerätin Erika Forster (FDP/SG) zu den prominenten Vertretern im Initiativkomitee.
Die Initiative geht weiter als das vom Parlament beschlossene Bundesgesetz: Danach soll künftig auch in kleinen Wirtschaften ein umfassendes Rauchverbot herrschen - wie in allen öffentlichen Räumen, in denen gearbeitet wird. Tabakrauch soll höchstens in unbedienten Fumoirs mit eigener Ablüftung möglich sein.
Frau Zosso, am Wochenende befanden die Thurgauer, die Rauchverbotsinitiative der Lungenliga gehe zu weit; hingegen stimmten die Baselbieter Ihrem Anliegen zu. Jetzt wollen Sie mit einer Bundesinitiative Einheitlichkeit schaffen. Wieso lassen Sie den Thurgauern nicht ihre eigene Lösung?
Die Thurgauer haben dem geplanten Bundesgesetz zugestimmt, und das bietet den Arbeitnehmern ungenügenden Schutz. Denn es erlaubt weiterhin, dass kleine Beizen als Raucherlokale geführt werden und in Fumoirs bedient wird. Diese Ausnahmen bieten keinen umfassenden Schutz für das Servicepersonal.
Doch weshalb braucht es eine Einheitslösung, die den Thurgau und das Baselbiet, Uri oder Nidwalden unter dasselbe Dach zwingt?
Eine nationale Lösung, wie sie unsere Initiative will, ist klarer. Ist ein Gesetz verständlich und einfach umzusetzen, so bringt es am Ende allen am meisten. Auch den Betreibern von Gastronomiebetrieben: Mit einer umfassenden nationalen Lösung fallen die wettbewerbsverzerrenden Unterschiede zwischen den Kantonen weg.
Im Kern geht es doch nur noch um ein Detail – nämlich ob Kleinbeizen mit einer Fläche bis 80 Quadratmeter weiterhin als Raucherlokale geführt werden dürfen. Benötigen wir dafür wirklich einen neuen Verfassungsartikel?
Ja, denn dazu kommen die bedienten Fumoirs: In unserer eidgenössischen Initiative sind die ebenfalls nicht vorgesehen. Aber letztlich ist die Volksinitiative ein demokratisches Recht, und nun hat es sich gezeigt, dass der parlamentarische Weg dauert und nicht weit genug führt. Wir sind zur Einsicht gekommen, dass so in vernünftiger Zeit keine gute Lösung erreicht wird. Also bleibt nur noch der Weg der Initiative.
Geht es also auch ums Tempo? Mehr als die Hälfte der Kantone haben Passivrauch-Regelungen, die anderen arbeiten daran - soll nun die Luft einfach in einem Durchzug verbessert werden?
In vielen Kantonen gibt es bereits wieder Gegendruck. Uri stimmte ja am Wochenende bereits zum zweiten Mal ab, und da wies das Volk einen Versuch zurück, das Rauchverbot wieder aufzuweichen. Wir sind überzeugt, dass die Auseinandersetzungen in den Kantonen heftiger werden, und auch deshalb ist es sinnvoll, eine einheitliche nationale Lösung durchzubringen.
Tatsächlich wittern die Wirte nach dem Abstimmungswochenende Morgenluft. Mit kantonalen Vorstössen wollen sie eventuell die Idee fördern, dass in Kleinbeizen weiterhin geraucht werden darf. Was erwarten Sie: Wohin schwingt das Pendel?
Uri hat jetzt zweimal darüber abgestimmt, und die Bevölkerung hat am Wochenende nochmals klar gesagt: Wir wollen keine Auflockerung des Passivrauchschutzes. Ich denke, darum wird es schwierig, die einmal gefassten Regelungen wieder aufzuweichen.
Gemessen an den Reaktionen in den Onlineforen nach dem Abstimmungswochenende gewinnt eine Furcht an Bedeutung: nämlich, dass dies erst ein Anfang sei. Übergewichtige oder Unsportliche, Pommes-Frites- oder Weinliebhaber – die Gesundheitsbevormundung könnte bald neue Gruppen treffen. Was antworten Sie?
Eine Botschaft ist uns sehr wichtig: Wir wollen mit unserer Initiative nicht das Rauchen verbieten. Uns geht es um die Menschen, die nicht unfreiwillig mitrauchen wollen – insbesondere am Arbeitsplatz. Sie sollen vor dem gesundheitsschädlichen Passivrauchen geschützt werden. Die Situation in privaten Räumen wollen wir nicht gesetzlich regeln.
Wie sehr dient das Thema Passivrauchen der Lungenliga zur Profilierung? Misst man es an der gesundheitlichen Bedeutung, so müssten Sie doch eher eine Feinstaub- oder eine Abgasinitiative statt einer Passivrauchinitiative starten.
73 Prozent der Bevölkerung rauchen nicht. Wir arbeiten täglich mit Menschen, die unter Atemwegserkrankungen und Lungenbeschwerden leiden, und wir sehen, zu welchen Problemen das Rauchen und auch das Passivrauchen führen können. Andererseits ist die Lungenliga im so genannten Aussenluft-Bereich ebenfalls sehr aktiv. Wir stellen ebenfalls politische Forderungen nach Partikelfiltern oder nach sauberen Holzheizungen. Es geht nicht darum, Innen- gegen Aussenluft auszuspielen, aber der Tabakrauch ist nun einmal das schlimmste Innenraumgift - und er ist zugleich das Gift, das am einfachsten vermieden werden kann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.05.2009, 10:03 Uhr
Kommentar schreiben
114 Kommentare
Wir sind halt noch Thurgauer und lassen uns von der restlichen Schweiz nicht dazu hinreissen was dort gestimmt wird und erst recht nicht beeinflussen was die Lungenliga denkt. So kann ich weiter meine Stange mit einer Zigarette geniessen im Restaurant wo ich erwünscht bin auch wenn ich Rauche !!! Antworten
Interessant wäre doch zu sehen, ob sich die Wirte bereit erklären, die Gesundheitskosten ihrer Angestellten in diesen bedienten Fumoires vollständig zu übernehmen. Auch wenn sie dann an einer teuren Krebsbehandlung teilnehmen müssen. Es geht hier nicht um die Kunden, die können sich auswählen, wo sie essen, sondern um die Angestellten. Antworten
Schweiz
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





