Das Unbehagen in der Psychiatrie
Die Zahl der Psychiater in Ausbildung hat in den vergangenen Jahren abgenommen und an den Psychiatrischen Kliniken in der Schweiz ist der Anteil Schweizer Assistenzärzte drastisch gesunken. Die Versorgungsdienstleistungen sowie der Betrieb der Kliniken und Ambulatorien seien nur noch durch ausländische Ärzte aufrecht zu erhalten. Die Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie und die Schweizerische Vereinigung Psychiatrischer Chefärzte haben als Reaktion auf das Problem eine Taskforce eingesetzt.
Eine Umfrage dieser Taskforce bei Weiterbildungsstätten habe bestätigt, dass bereits jede zehnte Weiterbildungsstelle durch Psychologen besetzt wird. Alarmierend sei zudem, dass aktuell nur noch ein Drittel der Weiterbildungsstellen von Schweizern und Ärzten mit Medizinstudium an einer Schweizer Universität besetzt sind. Zusammen mit dem relativ hohen Durchschnittsalter der heute aktiven Psychiater würden die Versorgungssicherheit und entsprechende Qualitätsstandards sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich zusehends in Frage gestellt.
Qualität der Vorlesungen verbessern
Gefragt nach den Hauptgründen für die Nichtbesetzung der Stellen seien die relativ geringe Attraktivität, die Aussenseiterrolle des Faches bezüglich der Gesamtmedizin sowie das Image des Berufes genannt worden. Zudem seien die hohen Kosten und die Länge der Weiterbildung ein Thema gewesen und der nach wie vor geltende Numerus clausus als Problem angeführt worden. Gemäss der Taskforce soll deshalb die Zulassungsprüfung überarbeitet und die Zahl der Studienplätze dem Bedarf im Schweizerischen Gesundheitswesen angepasst werden.
Zudem sei es nötig, die Wahl des Faches Psychiaterie proaktiv zu steuern und die Qualität der Vorlesungen zu verbessern. Insgesamt müsse die Weiterbildung zum Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH verschlankt und effizienter gestaltet sowie das Berufsbild des Psychiaters geschärft werden. (sam/ddp)
Erstellt: 10.03.2010, 10:25 Uhr
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