Das Weisse Haus wünscht sich Berufsleute nach Schweizer Art

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann ist am kommenden Dienstag im Weissen Haus in Washington zu Gast. Die Amerikaner streben mit der Schweiz ein Abkommen zur Berufsbildung an.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann (2. v. r.) mit Jill Biden (4. v. l.)  und Suzi LeVine (3. v. l.) in Winterthur. Foto: Moritz Hager

Bundesrat Johann Schneider-Ammann (2. v. r.) mit Jill Biden (4. v. l.) und Suzi LeVine (3. v. l.) in Winterthur. Foto: Moritz Hager

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Als Jill Biden, Bildungsexpertin und Ehefrau des US-Vizepräsidenten Joe Biden, im September Bundesrat Johann Schneider-Ammann in der Schweiz traf, kam sie wegen der Berufsbildung. Ihr Land habe begonnen, vom einzigartigen Schweizer Modell der dualen Berufsbildung zu lernen, sagte sie am Berufsbildungskongress in Winterthur. Was damals noch niemand wusste: Dieser Besuch war nur der Anfang. Die Fortsetzung findet nun in Washington D. C. statt.

Der Schweizer Wirtschafts- und Bildungsminister Johann Schneider-Ammann ist am nächsten Dienstag im Weissen Haus zu Gast. Das Treffen unterscheidet sich von den insgesamt rund 50 Treffen auf Ministerebene, die es in den vergangenen 15 Jahren zwischen der Schweiz und den USA gegeben hat. Schneider-Ammann ist zusammen mit acht Schweizer Unternehmen an einen runden Tisch mit US-Handelsministerin Penny Pritzker, Arbeitsminister Thomas Perez und dem höchsten Wirtschaftsberater von Präsident Obama, Jeffrey Zients, eingeladen. «Die Schweiz ist der sechstgrösste Investor in unserem Land», sagt Suzi LeVine, US-Botschafterin in der Schweiz, im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger». Schweizer Firmen ­beschäftigten in den USA mehr als 450'000 Angestellte. Im Bereich Innovation sei die Schweiz sogar der wichtigste Investor.

«Wählen Sie die USA»

Das Treffen mit den Schweizern im Weissen Haus – das erste dieser Art – soll die Unternehmen ermuntern, in den USA zu investieren. Es ist Teil von Präsident Obamas Wirtschaftsoffensive «Select USA». «Wir wollen von den Unternehmen wissen, was es braucht, damit die USA ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben», sagt LeVine. Eine der wichtigsten Bedingungen seien gut ausgebildete Berufsleute. Und da wollen die Amerikaner von der Schweiz lernen.

Es sei faszinierend, wie in der Schweiz die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und den staatlichen Berufsschulen funktioniere, sagt die US-Botschafterin: «Wir werden die Schweizer fragen: Welche Rolle spielen die Firmen für eine erfolgreiche Berufsbildung?» Die niedrige Jugendarbeitslosigkeitsquote der Schweiz von 3,3 Prozent beweise, wie gut dieses duale System funktioniere. Im vergangenen Jahr besuchten mehrere Delegationen aus den USA die Schweiz, um sich über das duale ­Berufsbildungssystem zu informieren.

«Die Schweiz und die USA streben ein Abkommen zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung an», sagt Bundesrat Schneider-Ammann. Die Unterzeichnung des Memorandum of Understanding sei für Mitte Jahr geplant. Zurzeit legten alle Beteiligten ihre Ideen auf den Tisch. Eine Möglichkeit sei zum Beispiel der Austausch von Lernenden. Vorgesehen sei zudem ein Besuch des amerikanischen Arbeitsministers Perez in der Schweiz. Das duale Berufsbildungssystem beein­drucke die Amerikaner auch deshalb, weil die Firmen freiwillig und nachfrageorientiert mitmachten. Für Schneider-Ammann ist die Berufsbildung ein riesiger Erfolg: «Das duale Bildungssystem trägt wesentlich dazu bei, dass bei uns fast alle Jugendlichen einen Job und damit eine Perspektive finden.» Die Berufsbildung sei auch ein wichtiger Faktor, um die Handelsbeziehungen zu den USA zu vertiefen. «Und vielleicht kann diese gute Zusammenarbeit und die Kontaktpflege mit den US-Ministern auch das Klima bei schwierigeren Verhandlungen zu anderen Themen positiv beeinflussen», sagt er.

Firmen bilden bereits aus

Zu den acht Firmen, die mit dem Bundesrat nach Washington reisen, gehören kleinere Unternehmen und Weltkonzerne. Es sind dies die Alevo Group, der Technologiekonzern Bühler, die auf ­Sicherheitssysteme spezialisierte Kudels­ki Group, Nestlé, Novartis, Pilatus Flugzeugwerke, Reha Technology und die Zurich-Versicherungsgruppe. Viele von ihnen bilden in den USA bereits auf die eine oder andere Art Berufsleute aus. Zum Beispiel das Ostschweizer Unternehmen Bühler. Es beschäftigt in den USA rund 700 Angestellte, davon 15 Lernende. Im nächsten Juli werden die ­ersten fünf ihre duale Ausbildung ab­schliessen. Für die drei- und vierjährigen Lehrgänge arbeitet Bühler mit Schulen vor Ort zusammen, zum Beispiel mit dem Dunwoody College of Technology in Minneapolis. Fürs laufende Jahr sei geplant, das Ausbildungsangebot in den USA auszubauen, teilt das Unternehmen mit. Jill Biden besuchte die Bühler-Gruppe im September in Uzwil. «Für uns ist das eine Bestätigung, dass wir in der Schweiz generell und mit Bühler im Speziellen etwas Vorbildhaftes punkto Ausbildung geschaffen haben», sagt Firmensprecher Burkhard Böndel. Das Engagement in der Berufsbildung komme den Partnerländern zugute, aber natürlich auch dem Unternehmen selbst.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.01.2015, 22:32 Uhr)

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