«Das erfinden nur Leute, die sich nie im Arbeitsumfeld bewegten»

Die Wirtschaftsverbände schiessen scharf gegen die 1:12-Initiative. Die Initianten kontern mit dem Vorwurf der Arroganz.

«Gerechtigkeit ist subjektiv»: Economiesuisse-Chef Heinz Karrer auf der Grossbaustelle des Kraftwerks Linth-Limmern (KLL).

«Gerechtigkeit ist subjektiv»: Economiesuisse-Chef Heinz Karrer auf der Grossbaustelle des Kraftwerks Linth-Limmern (KLL). Bild: Keystone

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Heinz Karrer, seit wenigen Wochen Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, wirft sich in den Abstimmungskampf gegen die 1:12-Initiative der Jungsozialisten (Juso).

Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» unterstellt er ihnen implizit, nie gearbeitet zu haben. Mit Bezug auf die Initiative, die eine staatlich vorgegebene fixe Lohnbandbreite einführen will, sagt Karrer: «So etwas erfinden nur Leute, die sich nie in einem Arbeitsumfeld bewegt haben.»

«Arroganz eines Monopolisten»

Die Initianten reagieren scharf auf den Frontalangriff. «Das ist die Arroganz eines Funktionärs, der von einem staatlichen Monopolisten kommt», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth, einer der Väter der Initiative. Er sieht in Karrers Äusserung die «Hilflosigkeit der Initiativgegner».

Von Arroganz spricht auch der jetzige Juso-Chef David Roth: «Karrer hat keinen Respekt vor dem Stimmvolk», sagt er. «Unter den 120'000 Menschen, welche die Initiative unterschrieben haben, sind sicher viele, die härter arbeiten als der Economiesuisse-Präsident.» Roth weist zudem darauf hin, dass der Gewerkschaftsbund als Arbeitnehmervertretung par excellence Teil des Initiativ-Komitees sei.

Jean-François Rime: «Kommunisten!»

Harter Gegenwind fährt der Juso allerdings seitens des Gewerbeverbands entgegen: Präsident Jean-François Rime will die 1:12-Initiative mit allen Mitteln bekämpfen. «Die Juso sind die schlimmsten Linken. Sie sind Kommunisten. Aber die Initiative ist ein Teil aus dem sozialistischen Gesamtkonzept der SP und den Gewerkschaften.»

Wenn 1:12 vorbei sei, so Rime weiter, komme die Mindestlohn-Initiative und die Erbschaftssteuer-Initiative: «Dann werden wohl weitere Ideen Richtung Sozialismus folgen», sagt der SVP-Nationalrat. Das heutige Lohnsystem sei mit ein paar wenigen Ausnahmen gerecht.

Karrer: «Gerechtigkeit ist etwas extrem Subjektives»

Economiesuisse-Chef Karrer führt im Interview mit der «NZZ am Sonntag» weiter aus, welche Gefahren er in der Initiative erkennt: Diese stelle das ganze Lohnsystem der Schweiz auf den Kopf und gefährde die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Dabei schaffe sie nicht mehr Fairness. «Gerechtigkeit ist etwas extrem Subjektives», sagt Karrer, «man wird ihr deshalb nicht mit Lohndiktaten gerecht».

(mrs)

Erstellt: 29.09.2013, 10:04 Uhr

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