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Das grosse Geschäft der internationalen Schulen

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 02.09.2011 25 Kommentare

In Genf und in der Waadt haben Privatschulen ihre Schülerzahl innert zehn Jahren um die Hälfte gesteigert. Immer mehr Einheimische besuchen diese Institute. Nun versucht das Wallis in diesen lukrativen Markt vorzustossen.

Auch Crans-Montana will sich ein Stück vom lukrativen Schulmarkt sichern: Das Crans-Montana College «Le Regent» im Wallis.

Auch Crans-Montana will sich ein Stück vom lukrativen Schulmarkt sichern: Das Crans-Montana College «Le Regent» im Wallis.
Bild: PD

Stürmisches Wachstum

Auch im Kanton Zürich boomen die internationalen Schulen. Seit der Jahrtausendwende haben sich deren Schülerzahlen fast verdoppelt. Die neun internationalen Schulen unterrichten insgesamt rund 3500 Lernende. Die grösste, die Zurich International School (ZIS), ist stürmisch gewachsen. Sie überschritt vor fünf Jahren die Tausendergrenze und zählt nun bereits 1500 Schülerinnen und Schüler an fünf Standorten (inkl. Baden). ZIS-Sprecherin Urte Sabelus führt diese Entwicklung auf den Zuzug von Hauptsitzen internationaler Firmen zurück. Infolgedessen übersteigt die Nachfrage derzeit das Angebot: «Wir haben für jede Schulstufe Wartelisten», sagt Sabelus.


Auch das Lycée Français in Gockhausen expandiert stark. Im Schuljahr 2000/01 zählte die Schule, die Kinder von französischsprachigen Familien unterrichtet, 229?Schülerinnen und Schüler; inzwischen sind es laut Direktorin Brigitte Renn 730. (di)

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Rund 12'500 Schülerinnen und Schüler sind heute bei den 44 Mitgliedern des Genfer Vereins der Privatschulen (AGEP) eingeschrieben. Das sind rund 50 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Ähnlich stark expandierten die Privatschulen im Waadtland. Dort kletterte die Zahl der Schüler vom Kindergarten bis zum Abschluss der Mittelschulen um 40 Prozent: auf 11'000. AGEP-Präsident Norbert Foerster sagt, dass die internationalen Schulen zu «zwei Dritteln bis drei Vierteln» für das starke Wachstum verantwortlich sind. Am Institut international de Lancy, das Foerster leitet, explodierten die Schülerzahlen geradezu: «1998 zählten wir 285 Schülerinnen und Schüler, heute sind es 1460.»

Die grösste Institution dieser Art ist die Ecole internationale de Genève (Ecolint), die 4260 Schülerinnen und Schüler in drei Gebäudekomplexen unterrichtet. Gestern startete dort das neue Schuljahr – mit einer neuen, 360 Plätze umfassenden Primarschule. Am stärksten wächst die Nachfrage bei Kindern aus Familien von Angestellten multinationaler Firmen und internationaler Organisationen, sagt die Leiterin der Abteilung Entwicklung, Michaelene Stack. «Aber seit zehn Jahren schickt auch eine wachsende Zahl von in Genf ansässigen Familien ihre Kinder zu uns, weil sie eine Alternative zur öffentlichen Schule suchen.»

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Weitere Beweggründe einheimischer Familien, ihr Kind an eine der internationalen Schulen zu schicken, sind das betont multikulturelle Milieu, der häufig zweisprachige Unterricht oder der Abschluss der Mittelschule mit dem International Baccalaureate. Weltweit anerkennen Hochschulen dieses Reifezeugnis. Die Schweizer Matura dagegen kann man an der Ecolint nur in einem der drei Schulkomplexe erlangen. «Eine Ausbildung in der Schweiz hat international weiterhin einen guten Ruf. Aber die Matura wirkt gegenüber dem International Baccalaureate verstaubt», sagt Alain Boss, der den Verein der Waadtländer Privatschulen präsidiert.

Seine Genfer Kollegen streichen auch den volkswirtschaftlichen Nutzen ihrer Schulen heraus. Gemäss einer 2010 publizierten Studie fliessen von den Privatschulen jährlich 350 Millionen Franken in die Genfer Wirtschaft; zudem entlasten sie den Staat von 200 Millionen Franken Bildungskosten. Die Schulen beschäftigen 1500 Personen und tragen laut der Studie zum Erhalt von weiteren 1500 Arbeitsplätzen bei.

In Genf und in der Waadt haben Privatschulen, die sich auf eine ausländische Kundschaft ausrichten, eine lange Tradition. Nun will auch das Wallis ein Stück von diesem wachsenden Kuchen. Die Gemeinde Lens hat letzte Woche das Projekt einer englischsprachigen internationalen Schule vorgestellt: Den Quartierplan für das Crans-Montana-College «Le Regent» hat der Walliser Staatsrat bereits genehmigt.

Im Herbst wollen die Investoren mit dem Bau des 50 Millionen teuren Komplexes beginnen, der 150 Knaben und Mädchen im Internat und 100 externen Schülern Platz bieten soll. Die Genfer Ecolint stellt der im Nobelferienort geplanten Schule ihre Erfahrung zur Verfügung. Unbekannte ausländische Investoren bringen ein Fünftel der Investitionssumme auf.

Russische Investoren

In einer anderen Walliser Tourismus-Station, Thyon-Les Collons, entsteht mit Unterstützung der Kantonsbehörden die Valais International School. Dort sollen 130 Knaben und Mädchen auf den späteren Besuch einer Mittelschule, die mit dem International Baccalaureat abschliesst, vorbereitet werden. Die Initiative zu dieser Schule ergriffen russische Investoren und die Internationale Schule von Genua.

Vor allem die «modernen Nomaden» der globalisierten Wirtschaft haben im Genferseeraum die Nachfrage nach Plätzen an internationalen Schulen nach oben getrieben. In den letzten Jahren eröffneten mehrere multinationale Firmen in Genf und in der Waadt Hauptsitze oder Forschungszentren. Ein Teil der ausländischen Kaderleute und Angestellten absolviert in der Schweiz nur eine Etappe ihrer Laufbahn und zieht danach mit ihren Kindern in ein anderes Land weiter.Beim Tabakkonzern Philip Morris trifft dies auf 150 der 1500 Angestellten am Hauptsitz in Lausanne zu. «Für Kinder unserer Angestellten wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, einen Platz an der internationalen Schule ihrer Wahl zu finden», sagt Firmensprecher Julian Pidoux. Manchmal seien die Eltern gezwungen, eine Schule mit einem anderen Curriculum zu akzeptieren.

«Widersprüchliche Politik

Der Präsident der Waadtländer Privatschulen, Alain Boss, führt die Engpässe auf eine «widersprüchliche Politik» der Behörden zurück: «Einerseits lockt die kantonale Wirtschaftsförderung neue multinationale Firmen an. Anderseits verzögern schleppende Bewilligungsverfahren und Einsprachen der Anwohner Erweiterungsprojekte von Internationalen Schulen in Nyon und Morges.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2011, 20:00 Uhr

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25 Kommentare

Alfred Schuster

02.09.2011, 10:11 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Volkswirtschafltichen Nutzen? Die multinationalen Firmen zahlen den modernen Nomaden oft auch die Mieten und Krankenkassen. Das führt zu steigenden Wohnkosten und höheren Gesundheitskosten, da solche Unternehmen jeden Mietpreis zahlen und diese Angestellten wegen jedem Wehwehchen in die Notaufnahme rennen. Die Nomaden ziehen eines Tages weiter, die Sesshaften zahlen die Zeche. Antworten


Eron Thiersen

02.09.2011, 07:49 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Privatschulen sollten massiv restriktiv behandelt werden. Sie machen aus Bildung / Ausbildung ein Renditeobjekt mit zweifelhaften Ergebnissen. Sie verdrängen die Volksschule, die aus meiner Sicht überhaupt erst verantwortlich ist für diese erfolgreiche Schweiz, weil sie sicherstellt dass alle Gesellschaftsschichten eine hervorragende allgemeine Grundbildung erhalten. Antworten



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