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Den Kindern geht es ja gut

Von Simone Rau. Aktualisiert am 28.04.2011 39 Kommentare

Es gibt keinen triftigen Grund, homosexuellen Paaren die Adoption zu verweigern.

Auch Schwule können gute Eltern sein: Homosexuelles Paar mit Kind.

Auch Schwule können gute Eltern sein: Homosexuelles Paar mit Kind.
Bild: Keystone

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Zwei lesbische Frauen erfüllen sich ihren Kinderwunsch durch Samenspende. Leibliche Mutter ist natürlich nur eine. Das Schweizer Gesetz sieht die Familie nicht als vollwertig an: Es verbietet der Stiefmutter die Adoption. Stösst der leiblichen Mutter etwas zu, erhält ihre Partnerin nicht automatisch das Sorgerecht. Sie muss vielmehr darauf hoffen, dass sie der Prüfung durch die Behörden standhält und das Kind nicht verliert. Das ist stossend.

Unverständliches Verbot

Kann es im Interesse des Kindes liegen, ihm die andere Mutter wegzunehmen, wenn es bereits die eine verloren hat? Ob es die leibliche ist oder nicht, spielt keine Rolle: Für das Kind zählt einzig die Beziehung, die es zur Partnerin der biologischen Mutter hat – im erwähnten Fall seit der Geburt. Sie ist eben auch ein Elternteil. Es ist unverständlich, dass Lesben und Schwulen die Adoption ihrer Stiefkinder verwehrt bleibt, während zum Beispiel ein heterosexueller Mann ohne genauere Prüfung die Kinder seiner neuen Ehefrau adoptieren darf. Was, wenn er Alkoholiker ist? Seine Frau schlägt? Das müsste die Vormundschaftsbehörde, wenn sie es denn wüsste, mehr beunruhigen als zwei gleichgeschlechtlich orientierte Eltern, die eine stabile Beziehung haben. Nur fragt bei Heterosexuellen keiner nach.

Überhaupt ist es so eine Sache mit dem Kindeswohl, diesem am häufigsten bemühten Argument der Gegner. Es gehe nicht an, behaupten sie, den Kindern den Vater oder die Mutter vorzuenthalten. Sie bräuchten für ihre Entwicklung männliche und weibliche Bezugspersonen und Rollenbilder, sonst würden sie noch selber schwul oder lesbisch. Von der absurden Vorstellung abgesehen, eine sexuelle Orientierung sei gleichsam ansteckend, haben mehrere Studien aus den USA, Grossbritannien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland nachgewiesen: Kindern aus gleichgeschlechtlichen Familien geht es gut. Sie unterscheiden sich in der Persönlichkeitsentwicklung nicht von den Kindern heterosexueller Eltern. Und auch hinsichtlich ihrer emotionalen und sozialen Kompetenz sind sie völlig normal.Eine 2009 veröffentlichte Studie der Universität Bamberg zeigt sogar, dass es Kindern aus gleichgeschlechtlichen Familien in gewissen Bereichen besser geht als Gleichaltrigen in traditionellen Familien. Sie verfügen über ein höheres Selbstwertgefühl und mehr Autonomie in der Beziehung zu ihren Eltern. Auch die Befürchtung, Buben aus gleichgeschlechtlichen Familien würden verweichlichter, die Mädchen jungenhafter als ihre Altersgenossen, entlarvt die Studie als heisse Luft.

Was heisst schon normal

Das Aufwachsen mit homosexuellen Eltern schliesst nicht aus, dass die Kinder in ihrem Umfeld Bezugspersonen mit anderem Geschlecht als ihre Eltern finden – ob in der Schule, bei Freunden oder ihren Grosseltern. Familien leben ja nicht in gesellschaftlicher Abschottung. Und mit Sicherheit sind homosexuelle Eltern sensibilisiert darauf, dass sie eine spezielle Familienform leben. Entsprechend offen dürften sie mit ihren Kindern darüber reden. Für diese ist es übrigens völlig normal, zwei Mütter oder Väter zu haben. Oder kennen Sie ein Kind, das – mal von der Pubertät abgesehen – seine Eltern hinterfragt?

Entscheidend für das Wohlergehen der Kinder ist weder das Geschlecht ihrer Eltern noch deren sexuelle Orientierung. Vielmehr welche Beziehung die Eltern und Kinder haben. Zuwendung, Fürsorge, Konstanz und viel Liebe ist, was die Kinder brauchen. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum ein homosexuelles Paar in einer eingetragenen Partnerschaft dies einem Kind weniger bieten könnte als ein heterosexuelles Ehepaar. Deshalb ist gleichgeschlechtlichen Paaren neben der Stiefkindadoption auch die Volladoption, also die gemeinschaftliche Adoption fremder Kinder, zu erlauben. Das gilt auch für Schwule. Denn sie kommen nicht so einfach zu leiblichen Kindern wie Lesben. Und sie werden von der Adoptionsbehörde sowieso fast bis auf die Unterhosen durchleuchtet, bevor sie – wenn überhaupt – ein Kind bei sich aufnehmen dürfen. Sollten sich, wie homophobe Kreise befürchten, Pädophile bewerben, würden sie mit Garantie ausgesiebt.

Keine Logik

Es kann und darf nicht sein, dass Einzelpersonen – also auch Schwule und Lesben – adoptieren dürfen, nicht aber Homosexuelle in eingetragenen Partnerschaften. Wo ist da die Logik? Man mag einwenden, dass gleichgeschlechtliche Paare von Natur aus keine Kinder haben und sich damit abfinden sollen. Dann aber müsste man heterosexuellen Paaren mit derselben Konsequenz verbieten, die Hilfe der Fortpflanzungsmedizin in Anspruch zu nehmen, wenn es mit dem Nachwuchs nicht klappt. Selbst wer behauptet, Lesben und Schwule mit Kinderwunsch seien egoistisch, wird zugeben müssen: Eltern zu werden, ist per se egoistisch. Niemand fragt die Kinder, ob sie zur Welt kommen wollen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2011, 21:51 Uhr

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39 Kommentare

Lars Neidel

28.04.2011, 10:45 Uhr
Melden 30 Empfehlung

Wow, endlich mal ein Artikel der die Absurdität der momentanen Gesetzgebung auf den Punkt bringt. Gegner_innen des Adoptionsrechts für Lesben und Schwule sollten mal ganz tief in sich hinein horchen und sich fragen, ob nicht einfach ihre eigenen Berührungsängste und ihre Unsicherheit gegenüber dem Thema Homosexualität der Grund für ihre ablehnende Haltung ist. Antworten


Alan David Sangines

28.04.2011, 09:15 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Hervorragender Artikel! Kinder brauchen Elternliebe und keine rückwärtsgewandte und konservative Familienbilder. Traurig, dass viele Menschen an ewiggestrigen und widerlegten Vorurteilen festklammern. Wenn ihnen das Kindswohl im Vordergrund stünde, würden auch sie die Öffnung der Adoption für homosexuelle Eltern ebenfalls befürworten. Antworten



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