Den Turmbauer von Vals plagen finanzielle Altlasten

Investor Remo Stoffel war immer wieder in Strafverfahren verwickelt und schuf sich viele Feinde. Hängig sind Ermittlungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung um allfällige happige Nachsteuerforderungen.

Umstrittene Person: Financier Remo Stoffel an der Präsentation des Hotelturmprojektes gestern in Kloten. Foto: Urs Jaudas

Umstrittene Person: Financier Remo Stoffel an der Präsentation des Hotelturmprojektes gestern in Kloten. Foto: Urs Jaudas

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300 Millionen Franken will Remo Stoffel in Hotelturm, Park und das renovationsbedüftige Thermenhotel stecken. «Ganz entspannt aus Eigenmitteln», respektive aus jenen des Priora-Konzerns, der ihm zu 100 Prozent gehöre, sagte der Besitzer der Therme Vals gestern vor den Medien. Nach eigenen Angaben will Stoffel dabei weder auf Dritte noch auf Banken zurückgreifen: «Wir haben die 300 Millionen gesprochen. Punkt. Und damit bauen wir das Projekt und betreiben es», sagte Stoffel zum TA. Der Verwaltungsrat stehe hinter ihm, seine Gruppe könne das Projekt stemmen.

Die Bilder zum Projekt:

Freunde wurden zu Feinden

Ob er auch künftig noch entspannt investieren kann, ist fraglich, denn Stoffel und sein Konzern müssen damit rechnen, Millionen-Nachsteuern zu bezahlen. Auf dem steilen Weg vom Bündner Nachwuchsbanker zum Investor wurden Geschäftspartner zu Feinden, und Stoffel verwickelte sich in mehrere Strafverfahren. Das schwerste ist eines wegen Verdachts auf schwere Steuerwiderhandlungen, das bereits im Jahr 2010 angelaufen war. Stoffel hatte zusammen mit Partnern die Immobilien- und Wartungs-Gesellschaft Avireal aus der Swiss­air-Konkursmasse gekauft, aus der er später die Priora formte.

Dabei half ihm Hannjörg Hereth, Investor und Ex-Manager der deutschen Metro-Gruppe, der in Lenzerheide seine Winterferien verbrachte. Stoffel umwarb ihn, reiste ihm nach Frankreich an ein Klassikkonzert nach und besuchte ihn im Spital in Deutschland. Erst mit Hereths Finanzkraft im Rücken konnte sich Stoffel den Zuschlag für Avireal sichern. Später trennte sich Hereth im Zorn von ihm – und wurde zu einem erbitterten Gegner, der rechtlich gegen ihn vorging.

Der Avireal-Deal war Stoffels Durchbruch als Investor – und gleichzeitig Anlass für ein Spezialteam der Eidgenössischen Steuerverwaltung, gegen ihn zu ermitteln. Im Juni 2010 fuhren die Fahnder vor den Avireal-Gebäuden vor und nahmen «Lastwagenladungen von Akten» mit, wie die «Bilanz» damals schrieb. Stoffel reichte Beschwerde ein – was dazu führte, dass die Öffentlichkeit aus dem schriftlichen Entscheid des Bundesstrafgerichts eine Vorstellung davon bekam, wie hoch die Eidgenössische Steuerverwaltung allfällige Nachsteuerforderungen an Stoffel und dessen Umfeld ein­schätzte: 151,35 Millionen Franken.

Stoffel sagte gestern gegenüber dem TA: «Wir kennen dieses Verfahren.» Die Priora habe deshalb Rückstellungen in ihren Büchern gebildet, und sowohl Verwaltungsrat wie auch Revisionsstelle gingen davon aus, dass damit eine angemessene Vorsorge getroffen worden sei. Wie hoch die getätigten Rückstellungen sind, wollte er nicht sagen.

Wie die Menschen in Vals auf die Turmpläne reagieren. (Video: Lea Blum)

Die Eidgenössische Steuerverwaltung gibt mit Hinweis auf das Steuergeheimnis keine Auskunft zum Stand des Verfahrens. Die Sache ist aber noch nicht erledigt: Bei der Zürcher Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis liegt ein Stoffel-Dossier, es geht um Verdacht auf Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung. Die Ermittlungen wurden eingefroren, bis Bern seine Untersuchung abgeschlossen hat. Man warte noch auf den Bericht, heisst es. Dann entscheide man, wie es weitergehe.

Es ist nicht die einzige Untersuchung gegen Stoffel. In der Vergangenheit war er in zwei weitere Verfahren verwickelt, in einem Fall wurde er rechtskräftig verurteilt: Er war in den Konkurs einer Backwarenfirma mit Café in Pontresina involviert, wodurch den Gläubigern 2 Millionen Franken entgingen. Das Bündner Kantonsgericht verurteilte ihn im letzten Sommer wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer bedingten Geldstrafe von 540'000 Franken und einer Busse von 10'000 Franken. Auch in Vals selber sieht sich Stoffel wegen seines Vorgehens in Finanzangelegenheiten mit Kritik konfrontiert. Bis heute hat er erst 1,77 der 9,77 Millionen Franken beglichen, die er der Gemeinde für den Kauf der Therme bezahlen muss: Vals führt in der Jahresrechnung 2013 ein Darlehen von 8 Millionen Franken an die Priora auf. Stoffel hat sich im Kaufvertrag ausbedungen, dass er nicht den ganzen Betrag bar bezahlen muss, sondern sich stattdessen an der geplanten Mehrzweckhalle beteiligt kann; diese Beteiligung war das schlagende Argument, weshalb er die Therme bekam und nicht sein Kontrahent Peter Zumthor.

Nach einer Anfrage aus der Gemeindeversammlung erkundigte sich der Gemeinderat letztes Jahr bei der Priora, ob diese Sicherheiten bieten könne. Die Antwort konnte sie nicht beruhigen: Wohl habe sie nach Auskunft der Revisionsstelle dafür Geld zurückgestellt, es ist aber nicht wie üblich durch ein Grundpfand oder ein Zahlungsversprechen einer Bank abgesichert. Stoffel sagt dazu, dass die Aktien der Therme zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde bleiben, bis er den Preis vollständig bezahlt hat. Marcel Meyer, früher Mitglied der Hoteba, der Kommission der Therme Vals, meint aber: «Die Aktien sind ein schwaches Pfand.» Denn wer wisse, was sie in einigen Jahren noch wert seien. Seiner Meinung nach sei es hochriskant, wenn die Gemeinde unter diesen Umständen Darlehen gewähre.

Die Gemeinde selber hat bisher nie überprüft, ob Stoffel genug Geld hat, um einen Hotelneubau zu realisieren, wie Gemeindepräsident Stefan Schmid sagt. Zwar hat dies Meyer 2011 vom damaligen Gemeinderat verlangt, der kam der Forderung aber nicht nach. Der heutige Gemeinderat ging bis gestern davon aus, dass Stoffel auf Banken angewiesen ist, will er den Turm bauen. Dann hätten die Banken Stoffels Bonität abgeklärt, und wenn diese ihm vertraut hätten, hätte es auch die Gemeinde getan. «Bisher ist Stoffel seinen Verpflichtungen jedenfalls immer nachgekommen. Ich habe nie gehört, dass er Rechnungen nicht bezahlt hätte», sagt Schmid.

Rauschende Hochzeit in Moskau

Remo Stoffel und sein Geschäftspartner Pius Truffer spannen erst seit wenigen Jahren zusammen. 2012 brachten sie die Valserinnen und Valser dazu, ihnen die vom Architekten Peter Zumthor gebaute Therme Vals und das sanierungsbedürftige Hotel zu verkaufen. Heute führen sie diese über die Firma 7132 AG, deren Verwaltungsräte sie sind. Truffer, 59, war über Jahre Verwaltungsratspräsident der Therme, wurde aber 2010 nicht wieder gewählt. Er ist mit seiner Frau und seinem Bruder Gründer der Truffer AG, welche Stein abbaut und damit nicht nur die Therme, sondern auch den Zürcher Sechseläutenplatz verkleidete. Stoffel, 38, machte nicht nur mit umstrittenen Finanzgeschäften von sich reden, sondern auch mit seinem Lebensstil. Er liebt den grossen Auftritt, liess sich in Chur eine Villa bauen. Die Heirat mit seiner Frau, der früheren Profi-Snowboarderin Manuela Pesko, feierte er mit ausschweifenden Partys in Moskau.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2015, 23:18 Uhr

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