Schweiz
«Der Christoph Marthaler der Schweizer Innenpolitik»
Aktualisiert am 22.12.2008 47 Kommentare
"Ich gehe nach Bern als einer von Euch": Ueli Maurer bei der Feier zu seiner Wahl ihn Hinwil. (Bild: Keystone)
Ein Subaru Legacy, ausgerechnet ein Subaru! Ueli Maurer, der neue Verteidigungsminister, verzichtet auf den Dienstwagen, den er sich dank seines Amtes bestellen könnte, er will keinen Mercedes und keinen Audi: Sein altes Gefährt reicht ihm. Dieser Entscheid reiht sich perfekt in Maurers Auftritte seit seiner Wahl am 10. Dezember; nicht nur mit seiner Vorliebe für eher landgängige Fahrzeuge betont der neue Bundesrat eine erhebliche Bodenständigkeit. An der Feier zu seiner Wahl in den Bundesrat gab es Ghacktes mit Hörnli, und Maurer selber kündigte dabei an, er wolle auch künftig nach stressigen Tagen seinen Schlafsack packen, um mitten im Wald zu übernachten (eine Idee, die wohl noch manchem Sicherheitsbeamten eine schlaflose Nacht bereiten wird).
«Ich gehe nach Bern», sagte Maurer an der Rede in seiner Wohngemeinde Hinwil, «als einer von euch». Der Mann könnte so in eine direkte Linie geraten mit den populärsten Bundesräten der Schweizer Geschichte: Ruedi Minger, Willy Ritschard, Adolf Ogi. Denn auch mit seinen Kernaussagen stellte er sich bislang in die beste Ur-Schweiz-Tradition. «Ich habe das Land wirklich gern», sagte er nach seiner Wahl, und weiter: «Der Patriotismus wird in gewissen intellektuellen Sphären gern lächerlich gemacht. Aber die, die diese Liebe teilen, brauchen eine Stimme». Er wolle, so Maurer, der Bundesrat dieser Menschen sein.
Blocher? Welcher Blocher?
Der Unterschied zu Mercedes-Fahrer Blocher wird in solchen Details sehr greifbar: Während der eine als grosser Aufräumer antrat, gab sich Maurer zuerst einmal als eine Art Anwalt der Verschupften. Und er redete dabei konkordant: Es brauche, sagte er zum Beispiel, «eine gewisse Dosierung und Rücksichtnahme auf die Kollegen», wenn das Bundesratsgremium funktionieren solle. Auffällig ist denn auch, wie rasch die Debatte, ob Maurer und inwieweit dieser jetzt Blochers Marionette sei, nach der Wahl versandete. Die Frage war vor dem 10. Dezember fast omnipräsent, nach dem 10. Dezember stellt sie kaum einer mehr. Dass Maurer nach seiner Wahl in der «Sonntagszeitung» sagte, ihm liege Willy Ritschard wohl näher als Christoph Blocher, signalisierte ebenfalls eine Distanz, die jetzt schon fast als selbstverständlich gilt.
Minger, Ritschard, Ogi, Maurer? «Das Volk hofft, dass er in dieser Tradition stehen wird», sagt Klaus Stöhlker, der Kommunikationsberater, der schon manch politisches Gefecht mit Maurer ausgetragen hat. Aber fachlich sei er denkbar schlecht gestartet, so Stöhlker weiter – womit er auf Maurers Satz anspielt, das Schweizer Militär solle zur «besten Armee der Welt» werden.
Kurz: Maurer habe das Potenzial, bei der herkömmlichen Schweiz Zutrauen zu schaffen – aber die international orientierte, weltoffene Schweiz der Lächerlichkeit preiszugeben. «Er wirkt wie ein Christoph Marthaler der Schweizer Innenpolitik», so Stöhlker zu den ersten Auftritten von Maurer als Bundesrat: ein bisschen kurlig, ein bisschen komisch, ein bisschen verspielt, aber auch sehr liebenswürdig. (rap)
Erstellt: 22.12.2008, 20:18 Uhr
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47 Kommentare
Wie jeder andere verdient auch Ueli Mauerer durchaus ein paar Vorschuss Lorbeeren, und es ist durchaus möglich, dass er ein guter und beliebter Bundesrat werden kann. Immerhin hat er der Schweiz bereits einen unendlich wertvollen Dienst erwiesen: Er hat sie endgültig von einem Bundesrat Blocher befreit. Antworten
Unser neuer BR, BR Ueli Maurer, er hat ein Format und einen Leistungskatalog, dass er sein Eigen nennen kann. Dieser Weidmann und Landwirt, mit eigenem Bauernhof, ein Mensch unter Menschen, ein Politiker unter Politikern, ein Bundesrat unter Bundesräten. Möge es Ihm gelingen, diesem unserem Land, einen Schutz zu gewähren, dessen es dringend bedarf. Gott segne Ihn und seine Familie, allezeit. Antworten
Stöhlker muss es ja wissen, wie es mit Ausrutschern ist (Trotzdem guter PR-Berater und Kommunikator, habe es immer genossen). Aber lassen wir doch Maurer die Chance und Möglichkeit. Es ist doch viel zu früh um irgend eine Beurteilung abzugeben und zu bewerten. Übrigens war Clinton auch nur am Anfang joggen. Antworten
Ich bin mit diesem Text (besonders der 2. Abschnitt) sehr einverstanden! man wird ob Maurer noch staunen. Er wird seine Sache gut machen und geerdet sein. Ein Nicht-Akademiker im Bundesrat vertreten zu haben, ist wieder einmal höchste Zeit. Noch drängender sind nur die Abgänge von König Couchepin und Sesselkleber Leuenberger. Antworten
Anmerkung für Jürg Wermuth: der Ausspruch stammt nicht von Stölker sondern vom , damaligen, Werbeguru "Farner" und wurde in den 50iger Jahre geprägt (für eine Kiste mache ich aus einem Kohlensack einen Bundesrat). Stölker übernahm diesen Spruch und vergass, wie so vieles in seinem Leben, die Quelle zu nennen. Antworten
Ueli Maurer könnte ein origineller Bundesrat werden, steht im Text. Er ist nicht nur originell und volksverbunden, er ist bereits jetzt schon mit Abstand der Beste. Allerdings wurde Christoph Blocher genau diese Eigenschaft und Tatsache zum Verhängnis. Vielleicht müsste das Volk in Bern einmal zum Rechten sehen. Antworten
Ich bin Hr. Wöllner einig: Lasst doch BR Maurer erst mal sein Amt antreten und gebt im ausreichend Zeit, bevor allerlei (Vor-)Urteile gefällt werden. @Thomas Pfluger: Bloss weil jemand linke Weichspüler-Gutmenschen-Politik betreibt, ist er noch lange nicht menschenverachtend! Antworten
Der Schweizer Michael Reiterer Was dieser Stölker nun alles weiss, hoffentlich ereilen den nicht die gleichen Ferndiagnosen der Lieben und Guten, die über Blocher urteilten und ihn bereits abschrieben. Man könnte auch sagen wie die Bündner Lügnerin die SVP benützte, benützt der Stölker den Schwiizerpass. Einmal mehr ein Grossdeutscher Wichtigtuer- gell Antworten
"Braucht der Provakateur Stöhlker neue Kunden? Die Überheblichkeit von Stöhlker scheint grenzenlos zu sein.", schreibt Edi Widmer. Das erinnert mich doch an Stöhler's lustige Aussage, er mache "jeden Härdöpfelsack zum Bundesrat." Das war vor 20 Jahren auf Radio 24. Sehr lustig, nicht?. Da kann man nur sagen: "Wer war Klaus Stöhlker?" Antworten
das finde ich sehr gut das herr maurer kein profiteur ist. er kann den mercedes mir geben, er kann dafür einen kleinen opel vom kollegen haben geschenkt, mit mfk. des weiteren würde ich ihm noch den militärschlafsack schencken, ich würde auch für ihn noch kochen, ich bin schliesslich gelernter koch und würde meine dienste für sein wohlergehen zum besten geben. kisses from phil with love Antworten
kann mir jemand die quellen zu diesen aussagen nennen: «Er wirkt wie ein Christoph Marthaler der Schweizer Innenpolitik», so Stöhlker zu den ersten Auftritten von Maurer als Bundesrat: ein bisschen kurlig, ein bisschen komisch, ein bisschen verspielt, aber auch sehr liebenswürdig. Antworten
Dieser Stöhlker wiurde schon immer überschätzt und ich kann nicht verstehen, dass seine Meinung überhaupt noch gefragt ist, denn er ist doch ein total Ahnungsloser! Ebenso sicher bin ich, dass Ueli Maurer total unterschätzt wird und auch sicher, dass wir noch sehr viel Freude an ihm haben werden. Er hat andere Qualtitäten als Blocher, aber genauso wertvolle und die CH wird profitieren davon ! Antworten
Es ist zu hoffen, dass Maurer die Linie Minger, Ritschard, Ogi, aber auch Schmid, Widmer-Schlumpf als Heim-Patritismus fortsetzt, um so gesamtschweizerisch Zutrauen zu schaffen. Aber, er soll zuerst im Amt sein, dann seheen wir weiter. Nach (frueheren Ausdruecken der SVP) ist er erst auf der ersten Stufe eine Halb-Bundesrates. Antworten
Werte JournalistInnen, ich werde nicht müde, meinen copains und copines ständig in Erinnerung zu rufen, dass die Schweizer Presse und die Medien noch längst nicht so peoplesüchtig seien wie die französischen Gazetten, News und Le Monde-Libé-le Nouvel Observateur et Télérama. Doch langsam muss ich mich eines Besseren belehren. Zuerst der Blocher Endlos- Strom, und jetzt die Maurer Saga... Antworten
Das grosse Vorbild von Ueli Maurer wurde im Beitrag nicht erwähnt. Es ist Ernst Brugger, der von 1969 bis 1978 das Volkswirtschaftsdepartement erfolgreich führte. Als Sekundarlehrer im zürcherischen Gossau erarbeitete er sich eine Karriere über alle Stufen bis zum Bundespräsidenten. Der Sohn eines Lokomotivführers war sich nie zu schade, um mit Freunden an Modelleisenbahnen zu basteln. Antworten
@Anselm Egger: Ganz genau so sehe ich das auch! Und was Stöhlker sagt, braucht ja wirklich niemanden zu interessieren.. Soll der schauen, dass sein eigener Vetterliwirtschaftsladen überlebt.... Auch typisch, wie solche Gummihälse (wie auch Roger de Weck) sich anmassen, uns Schweizern sagen zu müssen, was gut und recht ist! In ihrem eigenen Land gäbe es mehr zu tun für sie! Antworten
Maurer ist aufgabenorientiert, er redet mit Jedem, folglich hat er ein anderes Weltbild. Die Unterschiede sind frapant. Die Helikopter- BR Metzler, statt Zug zu fahren und mit den Bürger zu reden, von den unötigen Kosten nicht zureden; dann C-Rey redet in Basel in der Kirche und verweigert die Diskussion, was hat das mit CH-Gewohnheiten zu tun? Wo sind diese BR in die Schule, ist es ev. Einbildung Antworten
Wenn Maurer sagt : "ich will die beste Armee der Welt" dann meint er ganz einfach, dass sich wie früher alle Schweizer (die es nicht nur dem CH-Pass nach sind!) nach den militärischen Zielen Schweiz mit Überzeugung einsetzen! (jedenfals keine Angriffshandlungen von der Schweiz aus und auch nicht in fremden "Seichtgebieten!) Antworten
Stöhlker ist vorbei! Nachdem er nicht einmal mehr zu Talkshows eingeladen wird und dort in krampfhaft angelernten Schweizerdeutsch mit Steinbrückschem Slang, seinen Senf dazu zu geben versucht, macht er ein ganz übles Witzchen über unseren neuen BR Ueli Maurer, indem er ihn mit dem "Weinfachmann" C.M. vergleicht. Kann man eigentlich Stöhlker auch den Schweizer Pass entziehen? Antworten
@Andy Wöllner: Die Liste liesse sich noch verlängern um weitere selbsternannte Experten in allen möglichen Sachgebieten. Der Trend zu wenigen gut positionierten Auskunftgebern der Medien dürfte sich eher noch verstärken - "dank" Inserate-Schwund bei den Zeitungen und Ausdünnung der Redaktionen. Antworten
@ Thomas Pfluger. Sobald man einen Ausländer nicht bedingungslos ins Land lassen will und ihm nicht pro Monat 10'000 geben will, dann ist man menschenverachtend. Ausser diesen starken Worten gibt es wohl kein Argument. Und wo hat die SVP Frauenanliegen verhöhnt? Die Linken verhöhnen die traditionelle Familie und die Hausfrau, oder nicht? Die SVP sollte noch viel mehr für eine Frau im Haus tun.. Antworten
Bundesrat Maurer soll seinen Job antreten, die ersten 100 Tage regieren --- und dann wird der eine und andere Kritiker sein Votum abgeben dürfen. Es wäre dann allerdings wünschenswert, dass Herr Stöhlker freiwillig auf die Präsentation seiner Inkompetenz verzichten oder zumindest von den Medien geächtet wird. Männiglich ist seiner längst überdrüssig !!! Gilt gleichermassen für Roger de Weck !!! Antworten
Braucht der Provakateur Stöhlker neue Kunden? Die Überheblichkeit von Stöhlker scheint grenzenlos zu sein. Viel lieber lasse ich die traditionelle Schweiz durch BR Maurer vertreten, als durch einen ewigen Besserwisser. als durch den einen Menschen, der bereit ist selbst einen Kartoffelsack zum Bundesrat zu wählen. Antworten
man wird ob Maurer noch staunen. Er wird seine Sache gut machen und geerdet sein. Ein Nicht-Akademiker im Bundesrat vertreten zu haben, ist wieder einmal höchste Zeit. Noch drängender sind nur die Abgänge von König Couchepin und Sesselkleber Leuenberger. Antworten
BR Maurers Hauptproblem (neben seinen mehr als nur merkwürdigen Bundesratskollegen) ist die mangelnde Finanzierung der Armee, übrigens dasselbe Problem das Minger auch wegen seinen "Hitler in den A... kriechenden" Bundesratskollegen hatte. Insofern ist ein Vergleich nicht so abwegig, aber bedeutet auch die EU mit Nazideutschland gleichzusetzen, was in der Richtung richtig aber übertrieben ist. Antworten
Bitte lasst doch Herrn Maurer seinen neuen Job zuerst mal antreten. Vielleicht überrascht er uns alle. Wirklich alle, die aus der SP genauso wie die aus seiner SVP. Es ist schon mancher(e) im Amt gewachsen. Ich wünsche ihm und seinen BundesratskollegenInnen viel Glück und än guetä Rutsch is nöii Jahr. Sie können es sicher brauchen. Antworten
Fragt sich nur, ob die vielen Menschen, die es mit Maurers menschenverachtender Politik zu tun bekommen haben, ihn auch so sauglatt und originell finden. Ich sehe halt einfach irgendwie nichts Lustiges daran, Stimmung gegen AusländerInnen zu machen, Frauen-Anliegen zu verhöhnen und Andersdenkende auszugrenzen. SVP nein danke, egal wie "nett" sie daher kommt. Antworten
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Peter Hausammann
Hat das Fernsehen der Schweiz wirklich nur diesen Herrn Stölker als Polit-PR-Fachmann. Zu allem und jedem ist die Meinung dieses Herrn wichtig. Ob gefragt oder ungefragt. Aber eben: Wer zu allem seinen Senf dazu gibt, setzt sich dem Verdacht aus ein Würstchen zu sein. Eine Qualifikation die nicht selten auch die Auftraggeber trifft. Antworten