Der Fall Seco weitet sich nach Zürich aus

Gleich vier Zürcher Staatsanwälte ermitteln wegen möglicher Bestechung und Vorteilsannahme. Es geht um das Offerieren von Fussballtickets als Gegenleistung für IT-Aufträge.

Gegen einen Ex-Angestellten der Zürcher Informatik wird ermittelt: Das Gebäude der Organisation Informatik Zürich (OIZ).

Gegen einen Ex-Angestellten der Zürcher Informatik wird ermittelt: Das Gebäude der Organisation Informatik Zürich (OIZ). Bild: Dominique Meienberg

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Die Korruptionsaffäre rund um die IT-Firma Fritz&Macziol (F&M) beschäftigt nun auch die Zürcher Strafverfolger. Gleich vier Staatsanwälte der spezialisierten Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte sind in das Verfahren eingestiegen, wie Sprecherin Corinne Bouvard bestätigt. Im Fokus stünden fünf Personen – ein Beamter von der Direktion für Justiz und Inneres, ein Ex-Angestellter der Organisation Informatik Zürich (OIZ) sowie drei frühere Kadermitglieder der IT-Firma. Es gehe dabei um das Offerieren von VIP-Fussballtickets als Gegenleistung für IT-Aufträge, sagt Bouvard.

F&M hatte sowohl mit der OIZ wie auch der Justizdirektion Verträge in Millionenhöhe abgeschlossen, vor allem über die Lieferung und Wartung von Grossrechnern. Bei der OIZ waren es seit 2007 rund 20 Millionen, bei der Justizdirektion rund 5 Millionen.

Zwei Ex-Kaderleute in Haft

Das Obergericht ermächtigte die Staatsanwälte bereits im Februar zum Start einer Untersuchung. Dies ist notwendig, wenn gegen Beamte ermittelt wird. Seither laufen die Verfahren, es gab laut Bouvard «mehrere Hausdurchsuchungen» und «Beweissicherungsmassnahmen» bei «mehreren Privatpersonen und Gesellschaften». Zwei der drei Ex-Kadermitglieder der IT-Firma befinden sich im Kanton Zürich in Untersuchungshaft. Bisher war lediglich bekannt, dass ein Direktor in Haft genommen wurde.

Wer sind die Beamten, gegen die ermittelt wird? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hatte bereits berichtet, dass sich der ehemalige Direktor der OIZ viermal von F&M-Mitarbeitern als VIP an Fussballspiele nach Basel einladen liess (Ausgabe vom 22. Februar). Ob es sich beim genannten ehemaligen Mitarbeiter der OIZ um den früheren Direktor handelt, wollte Sprecherin Bouvard nicht bestätigen; der Direktor selbst war für Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht erreichbar.

Als Gast ans EM-Spiel eingeladen

Im Fall der Justizdirektion handelt es sich gemäss TA-Recherchen um ein Kadermitglied jener Abteilung, die unter anderem für die IT verantwortlich ist – also jener sensible Bereich, auf dem unter anderem die Computer-Systeme der Zürcher Gefängnisse und der Staatsanwaltschaft laufen. Der Mitarbeiter liess sich als Gast der F&M an ein EM-2008-Spiel nach Basel einladen. Gemäss Angaben der Justizdirektion habe aber die F&M lediglich die Tickets organisiert, der Mitarbeiter habe den «vollen Rechnungsbetrag» aus eigener Tasche bezahlt. Der Mann war während der Ermittlungen eine Zeit lang nicht am Arbeitsplatz gewesen; inzwischen arbeitet er wieder in der Abteilung. Für ihn – wie für alle anderen Beteiligten auch – gilt die Unschuldsvermutung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 20.03.2014, 14:43 Uhr)

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