Schweiz

Der Hanfpionier mit Hungerstreik-Erfahrung

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 06.07.2010 13 Kommentare

Bernard Rappaz hungert seit 46 Tagen, um seine Haftstrafe zu umgehen. Es ist nicht das erste Mal. Seit Jahren liefert sich der Schweizer Hanf-Aktivist einen Schlagabtausch mit der Walliser Justiz.

1/16 Am 24. Dezember hat Bernard Rappaz seinen Hungerstreik abgebrochen. Er ist jetzt im Wallis inhaftiert. (Bild: Mai 2010)

Rappaz bleibt hinter Gittern

   

Spiel mit dem Tod

Rappaz, Vater zweier erwachsener Kinder, will nach eigenen Angaben in seinem Kampf gegen die Justiz bis zum Äussersten gehen. Zwar erklärte er einer Journalistin, er werde leben, auf Kompromisse wollen sich aber weder er noch die Walliser Justiz einlassen.

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Er will nicht essen. Bernhard Rappaz, 57 Jahre alt, sitzt in der Gefangenenabteilung des Genfer Uni-Spitals. Fünf Jahre und acht Monate müsste er verbüssen, weil er gegen das Betäubungsmittelgesetz und andere Paragraphen verstossen hat. Doch er wehrt sich, mit allen Mitteln.

Rappaz ist Hanfbauer aus Leidenschaft. Einer, der sich durch Gegendruck nur noch mehr angestachelt fühlt. Seit seiner Volljährigkeit beschäftigt Rappaz immer wieder die Walliser Justiz. Er wurde schon mehrfach verhaftet – und musste bereits zweimal wieder entlassen werden, weil er in Hungerstreik trat. 1996 kam er in Untersuchungshaft, weil er Hanfkissen verkauft hatte. 42 Tage lang weigerte sich Rappaz zu essen und erwirkte damit seine Haftentlassung. Fünf Jahre später wird er wieder verhaftet, tritt wieder in Hungerstreik, diesmal 56 Tage. Er wird ins Spital überwiesen und nach insgesamt 73 Tagen freigelassen.

Tod für «eine bessere Welt»?

Und nun also dasselbe Spiel noch einmal. Seit Mitte März befindet sich Rappaz wieder hinter Gittern, soll seine Strafe absitzen, die ihm mehrere Delikte über die Jahre eingebrockt haben. Einen Hafturlaub, in dem er sich von seinem Hungerstreik erholen sollte, nahm Rappaz zum Anlass, gleich wieder auf seinen Traktor zu steigen.

Wie lange die Affäre noch dauert, ist bei diesem Mann nicht abzusehen. So verkündete er 2002, «für den schweizerischen Hanf und für eine bessere Welt» nehme er einen langsamen und bewussten Tod in Kauf.

Unter Freunden und Geschäftspartnern gilt er als stur und unbelehrbar. Rappaz sei ein Egomane, der alles selbst lösen und alle Regeln allein bestimmen wolle. Wenn man seine Sicht der Dinge nicht teile, werde es schwierig mit ihm, sagte ein Geschäftspartner einst. Er sei es gewohnt, dass alle nach seiner Pfeife tanzen, gab eine Ex-Freundin an.

Geschichte eines Unbeugsamen

Auch Rappaz’ Biografie ist von einer unheimlichen Überzeugung und Unbeugsamkeit geprägt. Schon früh hatte er dem Alkohol abgeschworen und sich dafür dem Hanf versprochen. Seit 1970 baut er für sich Hanf an, sieht als Militärdienstverweigerer zum ersten Mal ein Gefängnis von innen. Nach einem Önologie-Studium etabliert er sich als Biobauer, gewinnt mit Solarzellen seinen eigenen Strom, versorgt sich selbst.

Doch schon immer ging von Rappaz ein gewisses kriminelles Potenzial aus: In den 80er-Jahren überfällt er mit einem Kollegen eine Bankfiliale, was er später als den grössten Fehler seines Lebens bezeichnet. Auch baut er immer wieder Hanf an, prahlte gar damit, obwohl ihm die Pflanzen ständig konfisziert werden. Seine Cannabis-Sorten wie «Walliser Queen» und «Alp King» erhielten aber auch Preise. Seit 1993 verdient er mit dem kommerziellen Hanf-Anbau sein Geld. Über sein Unternehmen Valchanvre (zu deutsch: Hanf-Tal) verkauft Rappaz legale Produkte wie Hanfwein, Samen und Hanf-Kosmetika.

Hanf geht ihm über alles

Rappaz ist ein Ideologe, dem seine Lieblingspflanze über die Legalität geht. Seit 1996 setzte er sich für die Legalisierung von Hanf ein, 2001 kandidierte er gar für den Grossrat in Martigny. Eine Obsession, die nicht nur Rappaz' Vater, ehemaliger Weinbauer, Mühe bereitete.

«Ich habe mich in diese Pflanze verliebt», sagt Bernard Rappaz in einem der vielen Video-Beiträge, die es über ihn gibt. Und: Er wolle das ganze Potenzial der Cannabis-Pflanze ausschöpfen. Dass er dabei mit dem Feuer spielt, nimmt er in Kauf. Über die Jahre hat die Polizei tonnenweise Hanf von Rappaz’ Feldern beschlagnahmt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2010, 11:35 Uhr

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13 Kommentare

Hans Ineichen

06.07.2010, 11:53 Uhr
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Es gibt keinen nennenswerten Grund, jemandem den Umgang mit Hanf, etwas was aus der Natur kommt, zu verbieten. Ausser der Tatsache, dass sie vor Jahren unter politischem Druck, von einem etwas beschränktem Menschen für illegal erklärt wurde. Der Pflanze ist das egal, sie wächst trotzdem weiter. Sie schert sich nicht um CH-Gesetze. Antworten


Daniel Münger

06.07.2010, 12:31 Uhr
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Nach all den Jahren, die zwischenzeitlich vergangen sind, sollte Jedem klar geworden sein, dass sich die Amerikaner, mit ihrer restriktiven Drogenpolitik auf dem Holzweg befinden. Zugegeben, sämtliche Drogen sind nichts für heranwachsende Kinder. Jedoch sollte eine Möglichkeit gesucht werden, dass Erwachsene, straffrei Drogen konsumieren dürfen. Antworten



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