Schweiz

Der Mann ohne Rückwärtsgang

Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 17.07.2010

Als Wahlkampfleiter soll Hans Fehr die SVP siegen lassen. Dass er einen neuen Job brauchte, bestreitet er.

Dauernd in Bewegung: Hans Fehr. (Bild: Keystone )

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Kaum hat man sich bei ihm zum Gespräch gemeldet, hat er bereits zwei Mails verschickt mit seiner Sicht der Dinge. Am Ende der Unterredung fasst er das Gesagte nochmals erstens und zweitens zusammen. Und wiederholt drittens, wie falsch man läge mit der Behauptung, warum er wirklich Wahlkampfleiter der Schweizerischen SVP werde – und nicht mehr Geschäftsführer der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) bleibe.

«Eine glatte Lüge»

Verschiedentlich war nämlich zu hören, übrigens auch innerhalb der Partei, Hans Fehr könne es nicht mehr gut mit Pirmin Schwander, dem Auns-Präsidenten. Und Fehr sei auch deshalb zum Wahlkampfleiter ernannt worden, weil man ihm, dem unermüdlichen Parteiarbeiter, einen neuen Job habe geben müssen. «Das ist eine glatte Lüge, denn für mich muss niemand eine Stelle suchen», sagt er in seiner atemlosen Art, bei der man nie weiss, was daran Empörung ist und was Rhetorik. Mit Kollege Schwander habe er nur Detaildifferenzen ausgetragen. Und jetzt gehe es ausschliesslich darum, dass seine Partei ihre Kräfte konzentriere und bei den nächsten Wahlen markant zulege. «Sonst kommt es schlecht heraus mit der Schweiz.» Und zwar dann, wenn «die Illusionisten und Schönredner und Anpasser die Oberhand bekommen».

Da ist er wieder, der politrhetorische Dauerlauf des früheren Waffenläufers, das Fehr on the Rocks des passionierten Freizeitgeologen, die lärmige Fröhlichkeit eines Reaktionärs, der den Begriff «Hardliner» als Kompliment versteht, wobei er Kritik ebenso leicht einsteckt wie austeilt. Er geht auch nie persönlich auf seine Gegner los, er geht bloss sehr hart mit ihren Überzeugungen um. Hans Fehr redet immer laut, hat zu allem eine Meinung, er ist sich in allem absolut sicher, und seine Sätze enden immer mit einem Ausrufzeichen.

Leserbriefe gegen Antisemitismus und Neonazis

Seine Partei alleine bewahre die Schweiz vor dem Untergang, macht er klar, und man müsse das Land und seine Souveränität bewahren, dann bleibe es gut. Hans Fehr ist dauernd in Bewegung, ausser mit seinen Über-zeugungen – die bleiben unverrückbar. Zumindest seit er die Politik entdeckt hat: Zuallererst in der reformierten Kirchenpflege Berg, später bei der SVP und der Auns und als Gemeinderat von Eglisau, im Zürcher Kantonsrat und seit 15 Jahren im Nationalrat. Unermüdlich, unbeirrt, unverrückbar: ein Mann ohne Rückwärtsgang.

Engagiert hat er sich schon früher, wenn auch für anderes. Als Hans Fehr jünger war, schrieb er Leserbriefe gegen den Antisemitismus und die Neonazis, sein Vorbild war Graf von Stauffenberg, der Hitler-Attentäter. Fehr reiste viel, nach Israel etwa, und fast hätte sich der Bauernsohn aus Berg am Irchel in Finnland niedergelassen.

Eifer und Loyalität

Stattdessen meldete er sich bei der Zürcher SVP, die einen Kantonalsekretär suchte. Für die Partei machte sich der ehemalige Reallehrer, der gerne lange Gedichte rezitiert, als Kämpfer bald unersetzlich. Und profilierte sich, wie der «SonntagsBlick» titelte, als «Heizer der Lokomotive Blocher». Dass Fehr jetzt wieder im Führerstand der SVP Kohlen ins Feuer wirft, hat auch mit seinem Eifer und seiner Loyalität zu tun: Beide sind bedingungslos.

Hans Fehr und seine Frau, Bezirksrichterin Ursula Fehr, haben zwei Kinder. Ihr Sohn litt als Kind an psychischen Problemen, welche die Mutter in einem Buch mitfühlend beschrieb. Auch der Vater habe sich sehr um ihn gekümmert, sagen Leute, die ihn kennen. Heute gehe es dem Sohn wieder gut, sagt Fehr, bester Beweis: Er habe kürzlich den Hundertkilometerlauf von Biel durchgestanden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2010, 06:33 Uhr

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