Der PR-Profi für zweifelhafte Fälle
Von David Vonplon. Aktualisiert am 10.11.2009
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Der in eine Sexaffäre verwickelte Milliardärssohn Carl Hirschmann durfte am Freitag gegen Kaution das Gefängnis verlassen. Kaum auf freiem Fuss, machte er sich zusammen mit Vater und Bruder auf den Weg ins Seefeld zur Agentur Contract Media von Sacha Wigdorovits. Das erstaunt nicht: Wer so richtig tief in der Patsche sitzt, vertraut sich am besten «Katastrophen»-Sacha («Facts») an. Es gibt kaum einen Fall von Krisenkommunikation in den letzten Jahren, in der er nicht eine Rolle gespielt hat.
Das mag auch daran liegen, dass Wigdorovits weiss, wie es ist, wenn einem der Boden unter den Füssen weggezogen wird – und wie man sich wieder aufrappelt. Als «Blick»-Chefredaktor musste er im Februar 1997 nach knapp einem Jahr den Hut nehmen, obwohl er damals den Leserrückgang stoppen konnte. Und als «.ch»-Verleger setzte er viel Geld und Herzblut für die Gratiszeitung aufs Spiel – und erlitt mit seinem Zeitungsprojekt auf ganzer Linie Schiffbruch. Doch nur wenige Monate nach seinem Rücktritt als «.ch»-Verleger, war er als PR-Berater wieder im Geschäft.
«Andere Firmen hätten das Mandat Hirschmann abgelehnt»
Und seit er bei seiner Agentur Contract Media wieder das Zepter führt, kommen auch die Aufträge wieder rein: Die Firma floriert. «Ich hatte bei meinem Wiedereinstieg Glück: Wegen der Wirtschaftskrise ist der Kommunikationsbedarf in der Wirtschaft stark gestiegen», stapelt Wigdorovits tief. Einer seiner neuen Kunden ist der zurückgetretene UBS-Präsident Peter Kurer. Ihm empfiehlt der PR-Profi derzeit eine zurückhaltende Kommunikationsstrategie, die keine Interviews zulässt.
Wigdorovits wird in der Branche Einsatzbereitschaft, Überzeugungskraft und Intelligenz, aber auch Rücksichtslosigkeit nachgesagt. Er selber bescheinigt sich, nicht so schnell locker zu lassen. Schliesslich scheint dem begnadeten Bridge-Spieler und Lebenspartner der ehemaligen SF-Direktorin Ingrid Deltenre kein Auftrag zu heikel, wenn es darum geht, die Fassaden eines Unternehmens zu putzen oder einen ramponierten Ruf aufzupolieren: «Andere PR-Firmen wie Farner oder Burson-Marsteller hätten das Mandat von Hirschmann nie angenommen», erklärt ein Konkurrent. Wigdorovits sei sich dagegen nicht zu schade, sich für einen Kunden auch die Hände schmutzig zu machen, wenn es denn sein muss.
Erfolgreich in Übernahmeschlachten
In seiner Laufbahn beriet er die Fastfood-Kette McDonald’s, als sie am Pranger stand, weil der Chef Mitarbeiterinnen sexuell belästigt hatte. Und er stand auch der Redsafe Bank von Finanzjongleur Dieter Behring zur Seite, obwohl diese schon damals höchst umstritten war. Redsafe-Verwaltungsrat und Management seien integer, antwortete Wigdorovits damals kritischen Medienvertretern, schlug aber ein Angebot Behrings aus, ihn persönlich zu vertreten.
Seine Stärken zeigt Wigdorovits in erbitterten Übernahmekämpfen: Im Poker um den Kunststoffhersteller Quadrant zog er im Hintergrund die Fäden in der Kommunikation – der Deal kam trotz erheblicher Misstöne zu Stande. Als Sprecher des ungeliebten Hedgefunds Laxey, der den Baukonzern Implenia übernehmen wollte, fuhr Wigdorovits hemdsärmlige Kampagnen und scheute - so behauptet es zumindest die Konkurrenz - nicht davor zurück, Schläge unter der Gürtellinie zu platzieren. «Ich setze mich stets voll für meine Kunden ein», sagt er selbst dazu und stellt diese Vorwürfe in Abrede.
«Den Schaden in Grenzen halten»
Doch wie will Wigdorovits Carl Hirschmann nun aus der Patsche helfen? Er sieht es als Teil seiner Aufgabe, seinem Mandanten klar zu machen, dass er sich keinen Illusionen hingibt. «Es geht im Krisenfall in aller Regel darum, den Schaden in Grenzen zu halten». Man müsse nun vor allem darauf hinarbeiten, dass die Medien ihr Augenmerk möglichst rasch wieder anderen Themen zuwenden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.11.2009, 11:32 Uhr






