Der Sinneswandel des Thomas Minder
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 22.06.2011 42 Kommentare
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«Sicher nicht», sagte Thomas Minder vor einem halben Jahr auf die Frage, ob er sich eine Kandidatur für den Ständerat vorstellen könne. Es folgte eine Schimpftirade auf den «ineffizienten, lähmenden Parlamentsbetrieb», in dem er als Unternehmer «durchdrehen» würde.
Es ging um die leidige Abzockerinitiative, die seit sechs Jahren ergebnislos zwischen National- und Ständerat hin- und hergeschoben wird. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Schaffhauser FDP-Ständerat Peter Briner im Herbst nicht mehr zu den Wahlen antritt. Es stellte sich die Frage, ob sich vielleicht der umtriebige Unternehmer Thomas Minder zur Verfügung stelle, ob er nicht versuchen wolle, die Politik von innen her mitzugestalten. «Ich würde mit meiner Art und Weise nicht in die Politik passen. Deshalb gibt es auch so wenig Unternehmer in Bern. Und die wenigen, die es in der Bundespolitik hat, bekommen nach kurzer Zeit Zustände. Die Politik hat auch etwas Verlogenes, das passt mir nicht», sagte Minder Mitte Dezember 2010 zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
Parteien buhlen um Minder
Wenige Monate später sieht alles anders aus. «Ja, ich überlege mir eine Kandidatur», gab Minder bekannt. Trotzdem bleibe er dabei, was er vor einem halben Jahr über den Berner Parlamentsbetrieb gesagt habe. Aber: Er sei «von links und rechts» angegangen worden, erklärt Minder. Keine Partei, die ihn nicht um einen Beitritt gebeten habe. Und er werde in Schaffhausen immer wieder von Bürgern ermuntert zu kandidieren. Das habe ihn dazu gebracht, sich eine Kandidatur zu überlegen, bis Ende August gebe er seinen Entscheid bekannt.
Zum Sinneswandel habe auch Fukushima beigetragen, sagt Minder. Es gehe jetzt darum, den Banken- und Atomlobbyist Christian Heydecker (FDP) zu verhindern, der neben dem Bisherigen Hannes Germann (SVP) seine Kandidatur angemeldet hat. Ein Parteibeitritt kommt für Minder nicht infrage, sagt er. Würde er kandidieren, dann als Parteiloser – ein Premiere in Schaffhausen. In Bern würde er sich voraussichtlich der Grünliberalen-Fraktion anschliessen. Grün ist ihm wichtig, ansonsten steht er der SVP nahe.
«Ich würde wahrscheinlich durchdrehen»
Doch wie stellt sich Minder die Arbeit im Parlament vor, die er noch vor wenigen Monaten als «unmöglich» bezeichnet hat, vergiftet von «Parteiengeplänkel» und «Profilierungsgehabe»? «Ich stehe immer noch zu dem, was ich gesagt habe – ich würde wahrscheinlich durchdrehen. Ein Unternehmer im Bundeshaus – der kriegt Vögel.»
Das spreche gegen eine Kandidatur, die er sich sehr gut überlegen werde. Ebenfalls dagegen spreche seine unternehmerische Tätigkeit. «Warum findet man im Parlament kaum Vertreter der Konsumgüterbranche? Weil sich unliebsame Entscheide sofort auf den Firmenumsatz auswirken.» Immerhin, fügt Minder selbstironisch hinzu: «Wenn ich Nein sage, dann ist es definitiv – für die nächsten vier Jahre.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.06.2011, 11:38 Uhr
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