Der Spagat der 1:12-Initianten

Der ehemalige Kampagnenleiter der 1:12-Initiative hat eine Studie zu den Auswirkungen der Volksinitiative verfasst. Dank eines Kniffes sollen auch Jahreslöhne im Verhältnis 1:20 möglich sein.

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Vor einer Woche sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät im «Tages-Anzeiger», das Verhältnis der 1:12-Initiative sei zu eng. «Eine 1:20-Initiative wäre mir lieber gewesen.» Ende August kam eine Studie zum Schluss, dass eine Lohnobergrenze von 1 Million in der Bevölkerung eine Mehrheit haben könnte. Der Politologe Michael Hermann schloss daraus: «Eine 1:20-Initiative hätte deutlich grössere Chancen als die 1:12-Initiative.»

Eine solche Lohnspanne und ein Gehalt von 1 Million Franken und mehr wäre auch möglich, wenn die 1:12-Initiative angenommen würde. Zu diesem Schluss kommt wenigstens eine Studie, die aus dem unmittelbaren Umfeld der Initianten stammt und heute Donnerstag veröffentlicht wurde. Dort wird von einem Mindestlohn von 55'600 Franken und einem Maximallohn von einer Million Franken ausgegangen – ein Verhältnis von 1:18 also.

«Am Inhalt der 1:12-Initiative ändert sich nichts»

Ist den Initianten nun also ein Jahreslohn von 1 Million recht, wenn der tiefste Lohn im Unternehmen ein Achtzehntel davon beträgt? Mitinitiant und SP-Nationalrat Cédric Wermuth hält eine solche Lohnspanne im Rahmen der Initiative für zulässig, denn die Studie nimmt nicht den Jahreslohn als Berechnungsgrundlage, sondern den Stundenlohn. «Am Inhalt der 1:12-Initiative ändert sich nichts. Eine Arbeitsstunde des Maximalverdieners darf nicht mehr wert sein als 12 Arbeitsstunden des Mitarbeiters mit dem tiefsten Lohn im selben Unternehmen.»

Urs Rohner darf auch 21-mal mehr verdienen

Laut Initiativtext ist der Lohn die «Summe aller Zuwendungen (Geld und Wert der Sach- und Dienstleistungen), welche im Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit entrichtet werden». Für Wermuth stellt das keinen Widerspruch zur Studie dar, die den Lohn einer einzelnen Stunde als Massstab nimmt. «Die einzige vergleichbare Berechnungsgrundlage ist der effektive Stundenlohn, das haben wir schon ihn unseren früheren Factsheets so dargestellt.»

Zudem geht die Studie von einer Annahme aus, die bisher nie öffentlich diskutiert wurde: Manager verbringen deutlich mehr Stunden im Büro als die Mitarbeiter in den unteren Chargen. CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner etwa schätzt seine persönliche Arbeitszeit auf 70 Stunden – damit dürfte er pro Jahr sogar 21-mal mehr verdienen als der Mitarbeiter, der in einer 40-Stunden-Woche den Mindestlohn im Unternehmen verdient.

«Effektive Arbeitsleistung vergleichen»

Wermuth sagt dazu: «Wir haben im Initiativtext berücksichtigt, dass man Teilzeitmitarbeiter pro rata temporis berücksichtigen muss. Wenn man die Initiative auf Teilzeitverhältnisse anwendet, dann muss man sie auch auf die Überstunden anwenden.» Es komme auf die effektive Arbeitsleistung innerhalb eines Unternehmens an. «Wie ein Unternehmen die Stunden erfasst und abrechnet, ist in diesem Zusammenhang nicht so wichtig, solange es für alle Mitarbeiter gleich geschieht.» (fxs)

Erstellt: 03.10.2013, 14:09 Uhr

Denknetz und Juso

Verfasser der Studie ist David Gallusser, ehemaliger Kampagnenleiter der 1:12-Intiative. Das Papier ist innerhalb des Denknetzes entstanden, eines Thinktanks, der mit den Juso eng verwoben ist. Gemeinsam haben Juso und Denknetz kürzlich auch das Buch «Lohnverteilung und 1:12-Initiative. Gerechtigkeit und Demokratie auf dem Prüfstand» herausgegeben, das die Argumente der Befürworter ausbreitet.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Löhne von 2500 bis 4700 Topverdienern in der Schweiz angepasst werden müssten. In verschiedenen Modellen werden Mindereinnahmen von 30 Millionen und Mehreinnahmen von 50 Millionen Franken pro Jahr vorhergesagt. Die Mindereinnahmen, die durch tiefere Gehälter bei den heutigen Topverdienern entstehen, werden – je nach Szenario – durch Mehreinnahmen bei den übrigen Arbeitnehmenden beziehungsweise bei den AktionärInnen und Unternehmen oftmals mehr als überkompensiert. Die Auswirkungen seien «vergleichsweise moderat – insbesondere wenn man sie mit anderen erfolgten oder geplanten Reformen vergleicht.» (fxs)

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