«Der Super Hornet ist für die Schweiz schlicht zu gross»
Interview: Anatol Heib. Aktualisiert am 18.02.2011 28 Kommentare
Roman Schürmann ist WOZ-Redaktor. Kürzlich erschien von ihm das Buch «Helvetische Jäger. Dramen und Skandale am Militärhimmel» im Rotpunktverlag, das die Geschichte rund um die Kampfjets der Schweizer Luftwaffe seit ihren Anfängen vor hundert Jahren erzählt.
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Weshalb bringt Luftwaffenchef Markus Gygax jetzt auch Kampfjet-Angebote von US-Herstellern ins Spiel?
Vielleicht befürchtet er, dass die Diskussion um neue Kampfjets einschläft. Für eine Beschaffung in zehn Jahren liegt es allerdings auf der Hand, die beiden Modelle mit einzubeziehen. Der Super Hornet war bereits bei der letzten Evaluation ein Thema. Hersteller Boeing stieg aber von sich aus aus, weil man sich wohl kaum Chancen ausrechnete – der Super Hornet ist für den Schweizer Luftraum schlicht zu gross.
Zu gross?
Der Super Hornet F/A-18 E/F ist zwar ein Mehrzweckkampfflugzeug, im Vordergrund steht aber die Fähigkeit, Ziele am Boden anzugreifen. Deshalb ist der Super Hornet nicht nur deutlich grösser als der F/A-18 C/D, den die Schweizer Luftwaffe gegenwärtig fliegt, sondern auch grösser als die evaluierten Modelle Rafale, Eurofighter und Gripen. Der sogenannte Erdkampf hat in der Schweiz aber keine Priorität; für den Luftpolizeidienst, nach Aussage der Luftwaffe ihre wichtigste Aufgabe, ist er überflüssig.
Weshalb wird der Kampfjet dann trotzdem wieder ins Spiel gebracht?
Ich vermute, dass sich der Luftwaffenchef mit dem Super Hornet einen niedrigeren Wartungsaufwand erhofft, da er aus der F/A-18-Familie stammt. Ein Vorteil ist auch, dass die Maschine bereits im Einsatz ist und man entsprechend viele Erfahrungswerte kennt. Da sind die Kosten auch besser kalkulierbar. Trotzdem: Für die Schweiz ist der Super Hornet nicht geeignet.
Als zweiter Kandidat wird auch der Joint Strike Fighter (F-35) genannt.
Dieses Gemeinschaftsprojekt der Nato-Staaten ist noch eine Wundertüte, bisher existieren nur Testflugzeuge. Die Entwicklung hat sich immer wieder verzögert, die Kosten sind ständig gestiegen; im Januar 2011 hat sich der US-amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates in dieser Hinsicht sehr besorgt gezeigt. Die fertige F-35 wird wohl auf dem neusten Stand der Technik, aber auch entsprechend teuer sein.
Wer profitiert letztlich davon, dass die Schweizer Luftwaffe jetzt neue Kampfjets nennt? Ist das auch Verhandlungstaktik?
Nachdem der Bundesrat den Kauf von Kampfjets um Jahre verschoben hat – worauf die GSoA ihre Initiative gegen neue Kampfflugzeuge zurückziehen konnte –, steht die Luftwaffe unter Druck. Nur wenn es ihr gelingt, die Diskussion am Laufen zu halten und gleichzeitig Politiker und Bevölkerung davon zu überzeugen, dass neue, milliardenteure Kampfjets wirklich nötig sind, kann sie ihren Traum, topmoderne Maschinen zu fliegen, realisieren.
Auf der anderen Seite ist der internationale Kampfjetmarkt heftig umkämpft, die Anbieter sind extrem erpicht auf Aufträge – obwohl die Kosten, um bei einer Evaluation mitzumachen, sehr hoch sind. Und niemand garantiert, dass ein Land dann auch tatsächlich etwas kauft.
Welcher Kampfjet hat aktuell die besten Chancen?
Aktuell keiner. Darum hat der Bundesrat ja auch die Beschaffung verschoben. Bei der Schweizer Bevölkerung noch die besten Chancen hat wohl der schwedische Gripen. Er ist relativ klein, am wenigsten teuer und kommt aus einem sympathischen Land.
Worauf muss die Schweiz bei der Anschaffung von Kampfjets generell achten?
Meiner Meinung nach braucht die Schweiz keine neuen Kampfjets. Die Luftwaffe soll sich vielmehr über eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Staaten im Bereich der Luftraumüberwachung Gedanken machen. Entsprechende Ideen werden in der Schweiz, aber etwa auch in Österreich vermehrt geäussert. Im Endeffekt wäre das für alle beteiligten Länder effizienter und günstiger.
Warum waren nie Kampfjets von östlichen Herstellern wie Russland ein Thema?
Sowjetische, später russische Maschinen sind seit fünfzig Jahren immer wieder mal ein Thema, aber letztlich nicht mehr als eine Randnotiz. Die Schweiz hat aus militärtechnischen, aber wohl auch aus politischen Gründen immer auf westliche Produkte gesetzt.
Wie geht es nun Ihrer Meinung nach weiter?
Die Luftwaffe, aber auch einige bürgerliche Sicherheitspolitiker werden in den nächsten Monaten weiterhin auf den baldigen Kauf neuer Kampfjets drängen. Aber in der grossen Mehrheit scheint die Politik froh zu sein, das Thema für die nächsten Jahre schubladisieren zu können. Weitaus mehr Diskussionsbedarf scheinen der mangelhafte Zustand der Schweizer Armee sowie die von der GSoA per Volksinitiative geforderte Abschaffung der Wehrpflicht zu bieten.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.02.2011, 17:54 Uhr
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28 Kommentare
@Tanner... Es gibt Fehler bei der Armee. Das will ich nicht abstreiten! Aber wen sich ein GSoA Mensch versucht aufzuspielen als Aviatik- und Militär - Experte, dann kann ich nur lachen! Sie sind sicher ein Basler! Da verstehe ich ihre Haltung! Sie wollen ja nur Ihre Basler Traditionen aufrechterhalten! Auf die man gut und gerne verzichten könnte! Antworten
Herr Schürmann hat sein "Expertenwissen" offenbar von Wikipedia. Die Super-Hornet ist ein flexibles System das durchaus auch für die Luftraumüberwachung eingesetzt werden kann. Synergien mit den vorhandenen Hornets sind möglich. Ob das reicht, um preislich gegen die Grippen zu bestehen ist aber sehr fraglich. Antworten


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