Der Weg ist frei für künstliche Lebewesen
Aktualisiert am 10.05.2010 5 Kommentare
Grenzen verschwimmen: Die Synthetische Biologie will aus biologischem Material eigene Systeme kreieren.
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Die Eidgenössische Ethikkommission für Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) bewege sich mit dem Bericht über die Synthetische Biologie auf Neuland, sagte EKAH-Präsident Klaus Peter Rippe vor den Medien in Bern. Bisher gibt es nämlich erst wenige Anwendungen dieses jungen Forschungsgebiets, das Lebewesen oder Teile von ihnen gezielt umbauen oder gar von Grund auf neu konstruieren will.
Das bekannteste Projekt stammt aus der Küche des Genom-Pioniers Craig Venter. Vor zwei Jahren kündigte Venter an, das komplette Erbgut eines Bakteriums aus künstlich produzierten DNA-Schnipseln zusammengesetzt zu haben. Allerdings gelang es ihm noch nicht, das Erbgut in eine Bakterienhülle einzusetzen und damit ein wirkliches Lebewesen zu schaffen.
Der Eigenwert des Bakteriums
Laut der Ethikkommission gibt es momentan noch keine Bestrebungen, höhere Organismen synthetisch herzustellen. Ziele sind ausschliesslich Mikroorganismen oder aber einzelne Zellen oder Eiweisse des Körpers. Die Kommission diskutierte deshalb vor allem, ob die Herstellung von Bakterien und Mikroben ethisch vertretbar ist oder nicht.
Laut der Kommissionsmehrheit besitzen diese winzigen Lebewesen zwar einen Eigenwert, weil sie leben. In einer Güterabwägung sei dieser Wert aber vernachlässigbar. Die Minderheit vertritt die Auffassung, dass Mikroorganismen über keinen Eigenwert verfügen. Ein Veto gegen die derzeitige Forschung der Synthetischen Biologie lasse sich deshalb nicht begründen.
Dabei ist sich die Kommission einig, dass die Art und Weise, wie ein Lebewesen entsteht, keinen Einfluss auf seinen moralischen Status hat. Würde ein Mensch künstlich hergestellt, hätte er genau die gleiche Würde und Rechte wie ein natürlich gezeugter Mensch, sagte Kommissionsmitglied Bernard Baertschi.
Risiken abschätzen
Die Kommission befasste sich auch mit dem Risiko, das eventuell von künstlich hergestellten Organismen ausgeht. Dazu gebe es diverse Szenarien, sagte Klaus Peter Rippe. Es werde befürchtet, dass ein solches Lebewesen ausser Kontrolle geraten könnte. Oder Terroristen könnten dank Synthetischer Biologie einfacher an gefährliche Organismen gelangen.
Um eine wirkliche Risikobeurteilung vorzunehmen, fehlen laut der Kommission aber schlicht empirische Daten. Die EKAH empfiehlt deshalb, die Entwicklungen aufmerksam zu beobachten. Forscher sollten die Synthetische Biologie vorderhand nur im geschlossenen Labor anwenden, sagte Rippe
Vor neuen Schritten - also Freisetzungen - müsse aber eine genau Abschätzung der Risiken vorgenommen werden, ähnlich wie es bei der Gentechnik geschehe. Aufgrund der bisher kaum fundierten Bedenken wollte die EKAH keinen grundsätzlicher Einwand gegen die Synthetische Biologie formulieren.
Probleme lösen
Sven Panke, der an der ETH Zürich in der Synthetischen Biologie forscht, zeigte sich einverstanden mit der Beurteilung der Ethikkommission. Die Synthetische Biologie sei momentan keine reife Technologie, sondern eher mit einer Art Forschungsprojekt zu vergleichen, sagte er.
Die Risiken müssten gut angeschaut werden, doch es brauche auch eine gewisse Nüchternheit. Wirklich künstliches Leben erschaffen sei nämlich nicht das Ziel der Forscher. Vielmehr sollten Probleme im Labor gelöst werden: Künstliche Gewebezellen zum Beispiel könnten in Zukunft als Reservoir für beschädigtes Gewebe dienen. (bru/sda)
Erstellt: 10.05.2010, 14:20 Uhr
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5 Kommentare
Wie kann man Reserveteile von etwas herstellen, dass man als Ganzes nicht herstellen kann? Wenn die Medizin ein Mensch herstellen kann, ist es gesichert brauchbare Teile herzustellen. Vorher nicht. Kann man/ frau sich nicht wieder abfinden mit dem Gedanken - irgendwann einfach zu sterben? Ich habe keine Lust Krankenkassenprämien zu bezahlen; nur weil Menschen nicht sterben wollen. Antworten
"Um eine wirkliche Risikobeurteilung vorzunehmen, fehlen laut der Kommission aber schlicht empirische Daten." Das ist in diesem Zusammenhang eine wahrl intelligente Begründung. Aber beobachten wir also und sammeln Daten bis es für empirische Studien reicht und wenn wir dann wissen, dass das Risiko so gross ist, dass wir reagieren sollten, fällt uns sicher rechtzeitig das Richtige dazu ein.... Antworten






