Schweiz

Der gute Offroader

Von Simone Rau. Aktualisiert am 26.03.2010 66 Kommentare

Geländewagen haben einen schlechten Ruf. Das könnte sich ändern: In Crashtests schneiden fünf neue Modelle im Fussgängerschutz gut ab.

1/6 Der Crashtest
Die runderen Formen bringen eine deutlich geringere Verletzungsgefahr, das zeigten Crashtests.
Bild: ÖAMTC

   

2008 wurden 697 Fussgänger im Strassenverkehr schwer verletzt oder getötet. In zwei von drei Fällen (454) waren sie von einem Personenwagen angefahren worden. Einen besonders schlechten Ruf haben dabei Offroader. Mit ihrer Masse, den hohen, steilen Fronten und den eckigen Kanten sind sie vor allem für Kinder gefährlich. Ein Aufprall erwischt die Kleinen am Kopf, und endet oft tödlich.

Doch jetzt zeigt sich: Die neue Generation von Offroadern ist besser, sicherer – und fussgängerfreundlicher. So erzielt der Geländewagen Suzuki SX4 im EuroNCAP-Crashtest 22 von 36 Punkten. Das entspricht 3 von 4 Sternen. Ebenfalls 3 Sterne verteilt das europäische Neuwagen-Bewertungsprogramm an die Modelle Toyota RAV4, Ford Kuga, Daihatsu Terios und Suzuki Grand Vitara. Damit schneiden die fünf Geländewagen im Fussgängerschutz gleich gut oder sogar besser ab als normale Personenwagen.

Eckige Kanten fehlen

Gemäss Michael Rytz, der beim Verkehrsclub Schweiz (VCS) für die Verkehrssicherheit verantwortlich ist, sind Geländewagen im Vergleich zu früher tatsächlich verkehrstauglicher geworden: «Die neueren Modelle sind mit den krassen Offroadern nicht mehr vergleichbar. Die Fronten sind abgerundet, die eckigen Kanten fehlen, und zwischen Blech und Motorblock gibt es Knautschzonen.» Das «Feindbild des grossen Offroaders» müsse mittlerweile differenziert betrachtet werden, sagt Rytz: «In vielen Fällen sind die Geländewagen gar nicht mehr geländetauglich. Sie gleichen sich den Stadtautos immer mehr an, auch wenn sie des Lifestyles wegen noch immer wie Offroader aussehen.»

Gestern hat Rytz zusammen mit VCS-Präsidentin Franziska Teuscher das Rating «Sicheres Auto» präsentiert. Der Grundgedanke dabei: Ein Auto soll bei einem Unfall nicht nur den Insassen, sondern auch den anderen Verkehrsteilnehmern grösstmöglichen Schutz bieten. Der VCS hat die 107 meistverkauften Autos der Schweiz punkto Sicherheit unter die Lupe genommen.

Ziehen andere Hersteller nach?

Der grösste Nachholbedarf für eine «Rundumsicherheit», so das Ergebnis der Analyse, besteht im Fussgängerschutz. Von 107 getesteten Autos haben 54 ein Sicherheitsdefizit, weitere 27 schneiden gar ungenügend ab.

Umso erfreuter ist Teuscher über das gute Abschneiden der fünf Offroader-Modelle: «Das ist vorbildlich. Es ist zu hoffen, dass andere Hersteller nachziehen.» Macht es angesichts dieser Testresultate überhaupt noch Sinn, mit einer Initiative gegen Offroader zu kampfen? Ja, meint die grüne Nationalrätin und Mitinitiantin. Denn so löblich die neuen Geländewagen auch seien, sie stellten Ausnahmen dar. Die meisten Offroader seien für Fussgänger nach wie vor gefährlich. In der Tat erhalten die restlichen 15 getesteten Geländewagen von EuroNCAP zwei, einen oder gar keinen Stern im Fussgängerschutz.

Die Initiative sei moderat formuliert und verbiete nur Fahrzeuge mit übermässiger Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer, sagt Teuscher. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2010, 13:51 Uhr

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66 Kommentare

Stefan Meier

26.03.2010, 11:58 Uhr
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Die Offroader in der Stadt sind zuerst einmal ein Vorzeigeobiekt, die Geländetauglichkeit kommt wohl erst weit hinten. Es gibt genügend (normale) Autos die am Fussgänger vorbeifahren obwohl eine Mutter mit Kinderwagen dort wartet ! Und das ist der Gipfel der Frechheit, dort hört nämlich die Gemütlichkeit auf. Aber die Fussgänger die bei ROT darüberlatschen sind in Gottesnamen selber Schuld. Antworten


Thomas Frei

26.03.2010, 11:53 Uhr
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@schmid Bezüglich der Ressourcen bin ich gleicher Meinung. Mein Fz ist 100% Co2-neutral hergestellt, verbraucht 9 Liter Diesel und hat eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 3 Kleinwagen. Was das Recht auf Autofahren betrifft sind sie aber realitätsfremd. Nur grosse Städte und Agglomerationen sind sinnvoll (Nutzen/$) erschliessbar. Sie werden sich in einer autofreien Stadt einschliessen müssen. Antworten



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