Schweiz

«Der hat das Boot im See versenkt»

Von Reto Hunziker, Tanja Kammermann. Aktualisiert am 14.07.2010

Während die Polizei den Bootsraser vom Bielersee intensiv sucht, wollen Bootsfahrer nicht glauben, dass es sich um einen Boesch- oder Pedrazzini-Fahrer handelt. Derweil hat die Polizei eine Sonderkommission eingesetzt.

1/6 Der Unfallfahrer soll ein Pedrazzini-Boot, wie auf dem Bild zu sehen ist, gefahren haben...

   

Michael Jungi von der Seepolizei Biel fährt am Dienstag an die Stelle, wo sich der tragische Unfall ereignet hat. (Bild: Jon Mettler)

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Bilder vom Unfallort am Bielersee

Bilder vom Unfallort am Bielersee
Nach ersten Erkenntnissen ist die Frau, die von einem Schnellboot auf dem Bielersee überfahren worden ist, noch am Unfallort verblutet.

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Die Polizei sucht weiterhin den Luxusbootsfahrer, der am Sonntag auf dem Bielersee in ein Gummiboot raste. Obwohl etliche Boote überprüft wurden, fehlt bisher eine heisse Spur. Jetzt hat die Kantonspolizei Bern ein Sonderkommando von 20 bis 30 Fahndern zusammenstellen, das unter anderem DNA-Spuren nachgehen soll.

In die Suche seien nicht erst seit Mittwoch auch Polizeikorps von Nachbarkantonen einbezogen worden, teilten die Berner Untersuchungsbehörden am Mittwoch mit. Sie haben auch drei Tage nach dem Unfall zahlreiche Hinweise erhalten und arbeiten nach eigenen Angaben «auf Hochtouren» am Fall.

Bootsfahrer vorverurteilt

Derweil wird in Erlach BE, vor der Bootswerft Faul, rege diskutiert. Fredy Faul ist verärgert über die mediale Ausschlachtung des tragischen Unfalls auf dem Bielersee. Er spricht von «Kannibalismus» und «Rundumschlag». Denn er sieht alle Boesch- und Pedrazzini-Fahrer vorverurteilt und die gehören zu den Kunden seiner Werft. «Es ist denkbar schwierig, ein Boot richtig zu erkennen. Vor allem bei einem Umfall, da passiert ja alles so schnell», sagt er. Wie solle man da den Holzrumpf eines Boesch-Bootes von jenem eines anderen unterscheiden können. Für Faul ist darum ganz und gar nicht sicher, dass es sich tatsächlich um einen Fahrer dieser zwei Bootstypen handelt.

Silvia Sager von der Werft Rohn ist ebenfalls überrascht, dass es sich beim Unfallfahrer ausgerechnet um einen Boesch- oder Pedrazzini-Lenker handeln soll. «Mit solchen Booten wird normalerweise nicht gerast, sondern gecruist», sagt sie. Sie habe «schwere Bedenken», dass ein solcher Cruiser für den Unfall verantwortlich sein soll. «Das ist einfach untypisch für diese Kundschaft.»

Könnte nicht anhand der wohl defekten Schiffsschraube festgestellt werden, wer der Täter ist? Fredy Faul glaubt nicht, dass der Unfall Spuren hinterlassen habe. Ein Mechaniker hält es hingegen für möglich, dass die Schiffsschraube verbogen worden sein könnte. In einem Punkt ist man sich einig: Sie alle hoffen, dass der Fall bald aufgeklärt wird. Denn, so Faul: «Bei dieser Nachricht fühlte sich jeder Böötler unwohl.» In den letzten 75 Jahren sei nur ein solcher Fall wie jener vom Sonntag passiert, gibt Sager zu bedenken.

Rund um den Bielersee wird spekuliert

Andernorts, im Bootsclub in Biel, gleich bei der Schiffländte, wird viel spekuliert, was am Sonntag auf dem Wasser passiert sein könnte. Etwa sechs Boote in der Währung des beschriebenen Luxusbootes gebe es auf dem See. Ein junger Bootsbesitzer hat am Freitag ein Boot der Marke Boesch mit Waadtländer Nummernschild in Biel anlegen sehen. «Die älteren Passagiere würden auf die Beschreibung des Freundes der jungen Frau passen», sagte er. Er hat gestern Dienstag die Polizei informiert. Auch hat er beobachtet, wie einige Bootsbesitzer am Dienstag ihre Schiffe im Hafen von Biel abdecken und von der Polizei untersuchen lassen mussten.

Raul Venetz, ein älterer Bootsbesitzer, ist sicher, dass das Schiff via Schleuse in Port das Weite gesucht hat. In Port jedoch schliesst der Schleusenwart Philip Bögli diese Möglichkeit aus. «In der Schleuse hätte das Boot 10 Minuten warten müssen und auf dem ganzen Nidau-Büren-Kanal wäre ein solches Schiff aufgefallen wie ein bunter Hund», sate er. Das habe seine Frau, die am Sonntag Schleusen-Dienst hatte, auch gegenüber der Polizei ausgesagt.

Die wildeste Vermutung an diesem Mittwoch stellte ein weiterer Bootsbesitzer aus Biel an: «Vermutlich hat er das Boot in der tiefen Mitte des Sees mit einem Beil traktiert und es dann versenkt», sagte er. «Und die Nummernschilder hat er 300 Meter weiter in den See geworfen.»

Das Boot wird auf den Seen vermutet

Die Vermutungen erhärten sich, dass sich das Boot noch irgendwo auf dem Bieler- Murten- oder Neuenburgersee befindet. Denn auch die Theorie, dass das Boot ausgewassert und mit einem Anhänger abtransportiert worden sei, wackelt. Insgesamt gibt es zwar neun Auswasserungsstellen rund um den See, die meisten jedoch sind bewacht oder mit einem Fahrverbot belegt. «Sofort nach dem Unfall machte die Meldung die Runde und alle Leute waren sensibilisiert», sagte Fredy Fey von der Barkenhafen AG in Nidau. «Da konnte keiner ein solches Boot unerkannt auswassern», ist er sich sicher. Da ein solches Boot bis 80 Km/h auf den Zähler bringt, ist es innert kurzer Zeit auf dem nächsten See.

Sascha Biedermann, Inhaber der Kite- und Wakeboarding Schule Tropical Sunset in Nidau, ist selber regelmässig mit Booten auf dem See unterwegs. Er ist sicher, dass der Kapitän den Unfall bemerkt haben muss: «Man spürt sogar, wenn man einen Holzstock in die Schraube bekommt, geschweige denn einen menschlichen Körper», sagte er. Er kann kaum glauben, dass sich bisher keiner der weiteren Passagiere, die sich während dem Unfall auf dem Boot befunden haben sollen, bei der Polizei gemeldet hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2010, 16:56 Uhr

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