Schweiz

Der sympathische Peer Steinbrück

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 10.12.2010 40 Kommentare

Der ehemalige deutsche Finanzminister sprach auf Tele Züri über seine «Peitschen»-Rhetorik, unfähige Banker und Sucht nach Politik.

Bildhafte, blumige Sprache: Peer Steinbrück am Donnerstagabend im Interview auf Tele Züri.

Bildhafte, blumige Sprache: Peer Steinbrück am Donnerstagabend im Interview auf Tele Züri.

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Unterm Strich

Peer Steinbrück ist auf Promotionsreise für sein neues Buch «Unterm Strich», in dem er Wege aus der Wirtschaftskrise erläutert. Der 63-Jährige war 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister, zuvor war er drei Jahre lang Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Als die Schweiz während der Finanzkrise unter internationalem Druck um das Bankgeheimnis rang, war er der Sündenbock: Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, der nicht nur unverblümt sagte, was er vom Schweizer Bankgeheimnis hielt. Er gab sich in seinen Voten auch ungewohnt angriffig, drohte mit «Kavallerie» und «Peitsche».

Im gestrigen Interview auf Tele Züri mit Moderator Markus Gilli war davon nichts mehr zu spüren. Der Minister ausser Dienst und heutige Bundestagsabgeordnete gab sich gesprächig, entspannt und machte auch bei Seitenhieben auf seine damalige Wortwahl mit, der er den Übernahmen «Peitschen-Peer» verdankt.

Heute viel entspannter

Steinbrück ist zurzeit auf Lesetour, um sein neues Buch «Unterm Strich» zu bewerben. Doch ein besserer Gesprächspartner als damals ist er auch aus andern Gründen. «Ich bin heute sehr viel entspannter, wie Beobachter mir attestieren», sagte Steinbrück in der Sendung «Talk täglich». Das habe in erster Linie damit zu tun, dass der Druck weg sei.

Seine damaligen umstrittenen Aussagen begründete Steinbrück damit, dass er Freude an schönen Bildern habe, an Lautmalerei. Diese komme nicht bei allen gut an. Überdies wolle er darauf hinweisen, dass er zwar mit der Kavallerie gedroht habe, «die USA haben sie aber tatsächlich losgeschickt».

Harte Kritik an Banker

Eine der heftigsten Reaktionen auf Steinbrück aus der Schweiz wurde in der Sendung eingespielt: Der St. Galler CVP-Politiker Thomas Müller hatte im Nationalrat gesagt, Steinbrück definiere das Bild des «hässlichen Deutschen» neu, er verglich den Minister mit den Nazis vor der Machtübernahme in Deutschland. «Das ist ziemlich übel», kommentierte Steinbrück diese Aussagen in der gestrigen Sendung. Ein Teil seiner Familie sei von den Nazis ermordet worden. «Das kann der Nationalrat nicht wissen. Aber was er da tut, ist masslos». Sich aus einer Problematik herauszuwinden mit einem solchen Vergleich sei «dünn und substanzlos».

Seine unverblümte Sprache hat Steinbrück offenbar behalten. In seinem Buch geht er mit der Finanzbranche teilweise sehr hart ins Gericht, bezeichnete einen Verantwortlichen der Hypo Real Estate auch in der Sendung als absolut unfähig. Investmentbanker, Makler und Berater seien von «erschreckender Dünkelhaftigkeit, Selbstbezogenheit und Herablassung gegenüber dem Volk».

«Sie kitzeln meine Eitelkeit, Herr Gilli»

Vom Moderator gefragt, ob sein neues Buch ein Bewerbungsschreiben sei, winkte Steinbrück ab. Zwar habe er sich gefragt, ob er auch süchtig sei nach Amt und Würden wie viele Politiker. Aber heute geniesse er das Leben und seine Freiheiten. Gilli entgegnete, dass die SPD doch gerade jetzt auf charismatische Persönlichkeiten wie ihn angewiesen wäre. «Sie kitzeln meine Eitelkeit, Herr Gilli, aber das führt zu nichts», entgegnete Steinbrück. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2010, 11:40 Uhr

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40 Kommentare

Beat Urwyler

10.12.2010, 12:07 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Er mag zwar hart im Ton sein, aber Herr Steinbrück hat Rückgrat bewiessen und ist für die Interessen seines Landes eingetreten. In Bern würde dies vielen gut anstehen. Antworten


Thomas Zangerl

10.12.2010, 12:51 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Herbert Berger : So ist es! Wenn das "Geschäftsmodell" Illegales Geld endlich mal weg ist hat Herr Steinbrück seinen Anteil daran (im positiven Sinne). Das die Deutschen halt einen eher direkten Ton in der Kommunikation pflegen sollte nicht vom Kern der Sache ablenken. Antworten



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