Schweiz

Der weisse Tod holte 703 Menschen

Aktualisiert am 28.12.2009

Skitouren, Schneeschuhtouren und Free-Riden boomen und die Lawinenunfälle nehmen zu. Trotzdem ist die Zahl der Lawinentoten in den Schweizer Alpen seit Jahren rückläufig.

Mehr Lawinenunfälle, weniger Tote: Lawine im Vallée de la Sionne (1999).

Mehr Lawinenunfälle, weniger Tote: Lawine im Vallée de la Sionne (1999). (Bild: Schnee- und Lawinenforschungsinsitut in Davos)

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Christine Pielmeier, Lawinenprognostikerin am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos, hofft, dass dieser Trend auch in dieser Saison anhält. In der ersten Hälfte der letzten 30 Jahre wurden bei Lawinenniedergängen mit Touristen pro Jahr 27 Tote registriert. In der zweiten Hälfte hingegen waren es statistisch gesehen noch 20 Tote, sagt die Lawinenprognostikerin zu den Erkenntnissen der Unfallforschung des Instituts. Das SLF untersuchte 1619 Lawinen, die zwischen 1977 und 2006 in den Schweizer Alpen niedergingen. Dabei wurden 3434 Personen erfasst, von denen 703 ums Leben kamen.

Die sinkende Zahl von Todesopfern trotz steigender Begehungszahlen führt Pielmeier einerseits auf die bessere Ausrüstung der Variantensporttreibenden und auf deren fundierteres Wissen über die Einschätzung der lokalen Lawinengefahr zurück. Dazu kommt auch das richtige Verhalten bei Lawinenereignissen.

Es droht ein rascher Erstickungstod

Noch Ende der 1970er-Jahre seien rund 60 Prozent der Ganzverschütteten ums Leben gekommen. Heute seien es noch etwa 40 Prozent. Dies habe vor allem auch mit der effizienteren Rettung von Lawinenopfern zu tun. Beide Formen, die organisierte Rettung und die Kameradenrettung, hätten in den letzten 30 Jahren zu einem signifikanten Rückgang der Lawinentoten geführt.

Die Zahl der Ganzverschütteten - jährlich sind dies zwischen 35 und 40 Menschen - hat sich in dem vom SLF untersuchten Zeitraum jedoch nicht wesentlich verändert. Ganzverschütteten droht ein rascher Erstickungstod. In solchen Fällen ist die Kameradenrettung laut der SLF-Untersuchung erfolgreicher als die organisierte Rettung, bei der durch die Anreise mehr Zeit verstreicht.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Lawinenverschüttungen kann innerhalb der ersten 15 Minuten bis 80 Prozent betragen. Deshalb ist es auch wichtig, dass Free-Rider und Tourengänger im lawinengefährdeten Gelände eine komplette Notfallausrüstung mit sich führen und deren Handhabung sowie auch Suchstrategien beherrschen. Die Lawinenprognostikerin aus Davos geht zudem davon aus, dass viele Wintersportler ihr Verhalten den Gefahrenstufen angepasst haben. Die vom SLF herausgegebenen Lawinenbulletins fänden bei der Planung von Touren ausserhalb der gesicherten Pisten entsprechend Beachtung. (bru/ap)

Erstellt: 28.12.2009, 09:33 Uhr

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