Schweiz

Die Aargauer Schüler dürfen zur Hexe

Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 11.07.2009

Ein Politiker und Pfarrer will Schulen den Besuch des Hexenmuseums verbieten. Doch die Kantonsregierung macht nicht mit.

In Auenstein an der Aare steht ein Häuschen mit wildem Garten. Dort kann das interessierte Publikum seit April magische Wurzeln und Heilkräuter, Orakeltassen zum Kaffeesatzlesen oder Amulette zur Abwehr von bösen Blicken und Albträumen bestaunen. Das Hexenmuseum soll «Berührungsängste und Vorurteile über Hexen abbauen».

Geleitet wird es von Wicca, die sich gerne «als bekannteste lebende Hexe der Schweiz» darstellt. Als Kind habe sie nachts mit ihrem Hausgeist parliert, und ein eifersüchtiger Rabe habe sie in die Füsse gepickt. Als «Alleinhexe» und «Hohepriesterin von Avalon» habe sie heute «einen sehr guten Draht zu Tieren, vor allem zu den Rabenvögeln, Eulen und Wölfen», schreibt Wicca in ihrer Kurzbiografie.

Für die EDU ein Graus

Dem Spuck in seiner Nachbarschaft ein Ende setzen möchte Samuel Schmid. Nicht der Alt-Bundesrat und Ex-Verteidigungsminister, aber ein Namensvetter, der auch Politiker und immerhin «Dienstchef Armeeseelsorger» ist. Dem reformierten Pfarrer und Grossrat ist das Hexenhaus ein Graus. Schulen will er den Besuch verbieten. Dies hat der EDU-Vertreter in seiner allerersten Eingabe im Aargauer Parlament angeregt.

Die evangelische Informationsstelle Kirchen - Sekten - Religionen sieht im Hexentum eine Gefahr für labile Mädchen. Sie rät von Besuchen mit Klassen im «laienhaften» Auensteiner Museum ab, denn dort werde die gefährliche Seite der Thematik ausgeklammert. Zu Stichworten wie «schwarze Magie», «Satanismus» oder «magische Beeinflussung» finde sich im kleinen Haus kaum ein Wort, geschweige denn ein Warnung.

Die Aargauer Regierung sieht trotzdem kein Risiko - zumindest nicht für Besucher ab 13 Jahren (jüngere werden ohnehin nicht eingelassen). In ihrer Antwort an Grossrat Schmid schreibt sie, das Museum sei «in keiner Weise» anstössig oder jugendgefährdend». Einen Besuch von Schulklassen dort hält sie für vertretbar, wenn es zum Unterrichtsstoff passt und «eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung» stattfindet - im Geschichts- oder Deutschunterricht oder im Fach Ethik und Religion. Der Kanton übernimmt aber - anders als bei anderen Museen - den Eintritt für Schulklassen nicht. Gemäss unsicherer Quelle dreht Hexe und Museumsleiterin Wicca beim nächsten Vollmond auf ihrem Besen eine Ehrenrunde über dem Aargauer Regierungsgebäude. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2009, 17:10 Uhr

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