Die Bündner fürchten um ihr Fleisch
Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 28.04.2009 24 Kommentare
Ausgerechnet die Bündnerin im Bundesrat, seufzen derzeit Trockenfleisch-Produzenten von Andeer bis Ilanz. Ausgerechnet Eveline Widmer-Schlumpf wolle die sogenannte «Swissness»-Vorlage nun so ändern, dass es ihnen ans Lebendige gehe. «Mit diesem Entscheid würde das Bündnerfleisch abgestraft», klagt Andrea Mani, der Geschäftsführer des Verbandes Bündner Fleischfabrikanten.
Der Grund für Manis Sorgen liegt bei den neuen Herkunftsregeln, mit denen die Marke «Schweiz» besser geschützt werden soll. Denn bei Lebensmitteln sieht der Bundesrat dafür Folgendes vor: Damit ein Produkt als «Swiss Made» verkauft werden darf, müssen künftig mindestens 80 Prozent des Gewichts der Rohstoffe effektiv aus der Schweiz stammen.
Fleisch auch aus Südamerika
Die Fleischwirtschaft befürchtet nun, dass dadurch das Bündnerfleisch diskriminiert wird. Denn anders als sein Name suggeriert, kommt das Fleisch für die Spezialität eben nicht nur aus Graubünden und auch nicht nur aus der Schweiz: Von den 2300 Tonnen Bündnerfleisch, die 2008 produziert wurden, stammten nur 1000 Tonnen aus dem Inland. Für die restlichen 1300 Tonnen bediente man sich vorwiegend in Argentinien und Brasilien.
Verboten ist dies nicht. Denn das Bündnerfleisch ist heute das einzige Produkt mit einer geschützten geografischen Angabe (GGA), für das Rohstoffe aus dem Ausland verwendet werden dürfen. Doch das Label «Swiss Made» soll dieser Produktion verwehrt bleiben.
Dagegen tritt nun Rolf Büttiker an. «Wir müssen das Bündnerfleisch retten», mahnt der Solothurner Ständerat und Präsident des Fleisch-Fachverbandes, der sich 2008 bereits als Retter des Cervelats feiern liess. Der Bundesrat stelle ohne Not das Zugpferd des Schweizer Fleischexportes infrage. «Die Existenz vieler Betriebe steht auf dem Spiel», sagt Büttiker. Denn ohne den «Swiss Made»-Stempel wäre das Bündnerfleisch beim Export etwa gegen die italienische Konkurrenz benachteiligt.
Bundesrat prüft Ausnahmen
Büttiker hat bereits bei Widmer-Schlumpf vorgesprochen und eine «Lex Bündnerfleisch» gefordert. Sie soll im Minimum darin bestehen, dass alle GGA-Produkte automatisch als «Swiss Made» verkauft werden dürfen. Beim federführenden Institut für Geistiges Eigentum hat man freilich wenig Verständnis für den Protest. Wie der stellvertretende Direktor Felix Addor erklärt, liegt der Sinn des Gesetzes darin, die Produktion aus Schweizer Rohstoffen besser zu schützen. Davon könnten auch die Bündnerfleisch-Produzenten profitieren: Verwenden sie Schweizer Fleisch, dürfen sie künftig offiziell mit dem Schweizerkreuz werben.
Auch was die Existenz der Branche betrifft, besteht laut Addor kein Grund zur Panik. Denn der Bundesrat ist bereit, Ausnahmen zu prüfen. Er erwägt etwa, für Branchen, die ihre Rohstoffe nicht ausreichend in der Schweiz vorfinden, spezielle Verordnungen zu erlassen. Und er denkt daran, auch die Erwartungshaltung der Konsumenten zu berücksichtigen: Wenn die Bündnerfleisch-Produzenten nachweisen könnten, dass ihre Kunden trotz des «Swiss Made»-Labels gar nicht zwingend Schweizer Fleisch in der Packung erwarten, könnten sie ebenfalls eine Ausnahme beantragen – wahrscheinlich erscheint dies jedoch nicht. (Der Bund)
Erstellt: 28.04.2009, 07:17 Uhr
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24 Kommentare
Ein Gesetz ist da um durgeführt zu werden und nicht umgangen. In der Schweiz gibt es gnügend Rinder um genügend CH-Bündnerfleisch zu produzieren, andernfalls müssen auch die Bündner auf das CH-Kreuz verzichten. Wieder so ein Unfug und ein Betrug:Bündnerfleisch aus Südamerikanischem Rind? Darf nicht als CH-Fleisch akzeptiert werden. Das Gesetz hat recht. Keine Ausnahme kreieren! aw Antworten
Es ist kaum zu glauben - wieder diese schwachen Politiker! Ich esse seit Jahren Bündnerfleisch (kein Trockenfleisch). Ich bezahle bis 110 Franken pro Kilo und erwarte, dass da drin Schweizer Fleisch ist das in der Schweiz verarbeitet wurde. Wenn das nicht klar kommuniziert werden kann, und das Volk wieder einmal mehr angelogen wird, so sollten die Politier allesamt zurücktreten. Antworten






