Schweiz

Die FDP geht in der Ausländerpolitik über die Bücher

Die Freisinnigen geben sich nach dem Minarettvotum in Religionsfragen weniger tolerant als davor.

Auch Fulvio Pelli hat keine Antworten: Die Unsicherheit in Fragen der Ausländerpolitik ist gross.

Auch Fulvio Pelli hat keine Antworten: Die Unsicherheit in Fragen der Ausländerpolitik ist gross.
Bild: Keystone

Wenn es um Religionen geht, präsentiert sich die FDP in der Regel tolerant, bisweilen gar toleranter, als sie es selber weiss. Gut drei Jahre ist es her, da bezeugte sie dies in einem Integrationspapier, in dem auch das Verhältnis zwischen Kirche, Staat und Schule behandelt wurde. «Die FDP ist der Meinung, dass religiöse Feiertage unabhängig ihrer Provenienz zu respektieren und die Schülerinnen und Schüler vom Unterricht an öffentlichen Schulen zu dispensieren sind», steht darin. Muslimische oder jüdische Kinder dürften also an ihren jeweiligen Feiertagen fehlen – zumindest, solange dies das gute Funktionieren der Schule nicht tangiert.

Nach dem letzten Sonntag scheint diese Toleranz infrage gestellt. Jedenfalls konnten oder wollten sich gestern weder Fraktionschefin Gabi Huber noch Parteipräsident Fulvio Pelli an die genannte FDP-Forderung erinnern. Die Frage der Feiertage an den Schulen sei eine heikle, sagte Pelli. «Ich habe keine Antwort darauf.» Das Zögern passt zur allgemeinen Ratlosigkeit, die nach der Abstimmung bei den Initiativgegnern herrscht – und aus der die FDP nun am nächsten Montag herausfinden will.

Forderung nach Integrationsgesetz

Der Vorstand der Partei wird sich dann treffen, um infolge der Abstimmung über ein politisches Massnahmenpaket zu diskutieren. Im Vordergrund steht dabei die alte freisinnige Forderung nach einem Integrationsgesetz. «Wer in die Schweiz kommt, muss Integrationsbereitschaft zeigen», sagt Pelli. Er sieht darin auch einen Hebel, um Burkas zu verbannen, ohne diese explizit zu verbieten und damit arabische Touristinnen zu vergraulen. Eine Frau, die sich verhülle, zeige nicht genug Integrationsbereitschaft, so Pelli. Auf diesem Weg könne man ihr heute schon die Aufenthaltsbewilligung verweigern.

Die Aussage passt zur Absicht, den Kurs etwas zu verschärfen und die Balance im Integrationsmotto «fördern und fordern» in Richtung des Letzteren zu verschieben. «Wir wollen den Akzent auf die Pflichten verlagern», sagt Nationalrat Philipp Müller, der die Sitzung vorbereitet. Dazu möchte Müller etwa den Integrationsvereinbarungen mehr Gewicht verschaffen, mit denen die Aufenthaltsbewilligung an Sprach- oder Integrationskurse geknüpft werden kann. Leider nutzten die Kantone dieses Instrument noch kaum, moniert er.

Nachzug woll erschwert werden

Daneben soll die FDP auch ihre Position in anderen Dossiers klären, die nach Müllers Ansicht zum Ja vom Abstimmungssonntag beigetragen haben: die Einwanderung und Personenfreizügigkeit. Er will sicherstellen, dass man EU-Bürgern, die in der Schweiz arbeitslos waren, nicht unbesehen eine neue 5-Jahres-Bewilligung ausstellt. Und er macht sich dafür stark, dass sie Familienangehörige aus Drittstaaten nicht einfach nachziehen können.

Klar ist für Müller, dass Postulate wie jenes für die schulfreien Feiertage da keinen Platz mehr haben: «Das ist eine alte Ära.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.12.2009, 04:00 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

16 Kommentare

Bruno Probst

28.12.2009, 14:17 Uhr
Melden

wenn nun die schweizerpolitiker versuchen, dass abstimmungsresultat schön zu reden, haben sie nichts gelernt. die zeit ist nun endlich da, klar text zu reden. in wirklichkeit ging es doch nicht um das minarett. die schweizer haben genug von ausländern, die zu uns kommen und fordern. es liegt nun nicht an uns, dass abstimmungsresultat zu erklären. nein, es liegt an den muslimen. Antworten


Markus Guggisberg

23.12.2009, 10:56 Uhr
Melden

Die Personenfreizügigkeit ... ist nichts weiter als die Kapitulationserklärung unter den Bundesbrief der Schweiz. -Die schweizer Unterhändler, -Die Linken (SP,Grüne,EVP), -Die Manager der Exportwirtschaft (FdP,CVP,(SVP)) haben das schweizer Volk massiv betrogen, als Sie die durch die europäische Union geforderte Verknüpfung der Personenfreizügigkeit mit den anderen Vertragspunkten akzeptiert haben und Sie haben das Schweizer Volk massiv erpresst, indem sie mit den negativen Folgen einer Ablehnung drohten. Antworten


Rudi Buchmann

03.12.2009, 14:40 Uhr
Melden

Ich denke nicht, dass das wirklich nur ein Sieg der SVP war. Es wurde anonym eine bestimmte Frage gestellt, und das Volk hat gemäss seinem Empfinden abgestimmt. Bei andern Fragen wird die SVP dann wieder die Verliererin sein. Antworten


Lucien Michel

03.12.2009, 14:08 Uhr
Melden

Es wäre die Schuldigkeit der Partei, die ein 'Frei-' oder 'Liberal' im Wappen führt, gewesen, alles daran zu setzen, dass es am Sonntag zu einem Nein kommt. Jetzt hechelt der traurige Rest der einst für die Freiheit kämpfenden Partei (Schweizergeschichte!) dem rechten Haufen nach. Vom Freiheitskampf bleibt nur noch der Kampf um Steuerfreiheit für Hedgefunds. Antworten


Ronald Lack

03.12.2009, 11:19 Uhr
Melden

Es ist schon erstaunlich wie plötzlich alle Parteien auf den SVP -Zug aufspringen. Wo vorher alles dagegen war, will man nun Kapital drausschlagen. Typisch Classe-Politique. Antworten


rene klingler

03.12.2009, 10:43 Uhr
Melden

Es wäre doch jetzt schön, wenn sich die SVP und die FDP näher kommen würden und gewisse politische Entscheide zusammen in Einigkeit entscheiden. Würden sich die beiden Parteien sogar zusammenschliessen könnten anvisierte Ziele schneller, effizienter und erst noch kostengünstiger in Angriff genommen werden. Antworten


Elsa Lüthi

03.12.2009, 10:32 Uhr
Melden

Pelli sollte sich mal fragen, weshalb das Asylwesen seit vielen vielen Jahren zu einer verkappten Einwanderung verkommen ist. Man schaut dem Unwesen, das sich, seit WS, wieder enorm gesteigert hat, noch heute zu und akzeptiert alles. Die FDP sollte sich endlich darauf besinnen, dass sie eine bürgerliche Partei ist. Am Volk und Gewerbe vorbei oder immer gegen die SVP, statt mit, zeigt nur Ignoranz. Antworten


Peter Berger

03.12.2009, 10:27 Uhr
Melden

Wie lange hat das gedauert, bis die Politiker endlich gemerkt haben, dass Sie nicht den Volkswillen, sondern die persönlichen Interessen in Bern vertreten. Zusätzlich zeigt sich vermehrt, wie teilweise Volksfremd (Ignoranz des Volkswillen, der Demokratie) ständig mit Füssen getreten wird. Diese Arroganz der Politiker ist nun zum tragen gekommen. BR M. Leuenberger ist ein beso Muster dafür. Antworten


Max Mayer

03.12.2009, 10:17 Uhr
Melden

Warum hat sich die FDP so gegen dieses Minarettverbot gewehrt? Jetzt will man rasch das Pferd wechseln. Leider werden es wieder nur Worthülsen der FDP sein. Was interessiert diese Partei das Geschwätz von gestern. Antworten


Stefan Studer

03.12.2009, 10:00 Uhr
Melden

Ich glaube an das Dogma des nie endenden Wachstums in der Migration schon seit längerem nicht mehr. Auch die Behauptung, dass Einwanderung die Sozialleistungen retten kann ist absurd. Will man die Sozialleistungen für die Eingewanderten dann mit noch mehr Einwanderern retten? Das ist ein Schneeballsystem und solche brechen bekanntlich irgendwann einmal zusammen. Nachhaltige Migration ist nötig. Antworten


Kurt Naef

03.12.2009, 09:34 Uhr
Melden

warum soll man jetzt weniger tolerant sein. das volk will ja NUR KEINE TÜRME. die religion bleibt die gleiche und kann weiter im bisherigen rahmen gelebt werden. die politik und die medien wollen jetzt einfach nur von der schlechten innenpolitik abwenden. erst wenn muslime das land in scharen verlassen, wissen wir dass etwas falsch lief. wie mit der pers.freiz. . aber es wird nicht geschehen. Antworten


Werner Maurer

03.12.2009, 09:04 Uhr
Melden

Schon erstaunlich, was plötzlich hüben und drüben für neue Worte angeschlagen werden. Ich hätte mir solche Stellungnahmen aller Parteien schon lange gewünscht. Offenbar war dieses Abstimmungsresultat als Weckruf bitter nötig. Antworten


Fred Freudiger

03.12.2009, 08:00 Uhr
Melden

Es wird langsam aber sicher Zeit dass sich unsere Politiker ernsthaft gedanken machen über die Zuwanderung und den Leuten die in die Schweiz kommen klar macht was man von ihnen erwartet und verlangt. Ich hoffe das " unsere" Volksvertreter endlich begriffen haben was in unserem Land alles schief läuft. All die Leute, denen es nicht passt, können ja gehen es hält sie niemand zurück! Antworten


Charles Dupond

03.12.2009, 07:56 Uhr
Melden

Der liberale und auch die Rechte der Vermoegenslosen schuetzende Lack blaettert nach der S"V"P nun auch bei der F"D"P ab. Anstatt die Kernfamilienrechte der Nurschweizer auf EU-Buergernivo zu heben, sollen letztere nun auch Opfer der buerokratischen Geheimapartheid werden. Reiche Burkaturistinnen werden mit offenen Armen willkommen geheissen; Einwohnerinnen werden mit Tenuevorschriften entmuendigt Antworten


Walter Krauer

03.12.2009, 07:50 Uhr
Melden

Ich habe viel Ausland Erfahrung und weiss was in muslimischen Ländern alles von Europär und auch Christen erwartet wird. Da ist die Schweiz sehr grosszügig. Warum suchen gerade aus diesen Länder in der Schweiz Asyl und Integration? Lassen wir uns doch nicht immer kritisieren. Kein Land ist so demokratisch kein Land hat ein so gutes soziales Verständnis auch die Bildung in Berufen ist vorbildlich. Antworten


Emil Roduner

03.12.2009, 05:34 Uhr
Melden

Das mit dem Nachzug von Familienangehörigen ist ein wichtiger Punkt. Hier wird einer kaum kontrollierbaren Einwanderung Tür und Tor geöffnet. Ich denke, dass die Zusammenführung von Familien in der Regel im Herkunftsland erfolgen soll. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate