Die GSoA ist ausgeschossen

Das Gripen-Grounding war ein historischer Sieg für die GSoA und ihre Bündnispartner. Einziges Problem: Die GSoA ist nun pleite.

Die Kampagne gegen die Kampfjets kam die GSoA teuer zu stehen: Ein Gripen C der schwedischen Luftwaffe auf dem Luftstützpunkt in Payerne. (7. Oktober 2013)

Die Kampagne gegen die Kampfjets kam die GSoA teuer zu stehen: Ein Gripen C der schwedischen Luftwaffe auf dem Luftstützpunkt in Payerne. (7. Oktober 2013) Bild: Armasuisse/Keystone

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Im Mai verhinderte das Schweizer Stimmvolk mit einem Nein zur Gripen-Vorlage die Anschaffung von milliardenteuren Kampfjets. Ein grosser Erfolg für die armeekritische GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) und ihre Bündnispartner SP und Grüne. Doch dafür bezahlt die GSoA teuer. «Die Kassen sind leer. Bis auf einen Restbetrag von 90'000 Franken haben wir alles in die Kampagne gesteckt», sagt GSoA-Sekretär Nikolai Prawdzic gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Die GSoA kämpfte gemeinsam mit SP und den Grünen gegen die Rüstungsvorlage – und griff dafür ordentlich in die Vereinskasse: Rund 200'000 Franken des 300'000-Franken-Budgets für die Stopp-Gripen-Kampagne stammten von der GSoA, die als Verein funktioniert und sich ausschliesslich über Spendengelder finanziert. «Eine solche Abstimmung gibt es einmal pro Jahrzehnt», begründet Prawdzic. «Wir sahen die Chance auf einen historischen Sieg und setzten alles auf eine Karte.»

Reserven angezapft

Heisst konkret: Die GSoA leerte für die Stopp-Gripen-Kampagne praktisch ihre gesamten finanziellen Reserven. Nur noch ein Grundstock für die Löhne sei übrig, sagt Prawdzic. Doch weshalb engagierte sich die wesentlich finanzkräftigere SP nicht stärker im Abstimmungskampf? SP-Sprecher Michael Sorg sagt: «Die Abstimmung war auch für uns zentral, doch im Gegensatz zur GSoA haben wir nicht nur Friedens- und Sicherheitspolitik auf der Agenda.»

Er verweist auf die von der SP lancierte Abstimmung zur Einheitskasse von vergangener Woche sowie künftige Ausgabeposten wie die Ecopop-Initiative oder das Wahljahr 2015. «Wir hatten schlicht und einfach nicht mehr Geld für den Gripen.» Rund 100'000 Franken für die Stopp-Gripen-Kampagne teilten sich SP und Grüne auf, wobei die SP nach Angaben von Michael Sorg einen «deutlich grösseren Betrag» beisteuerte.

Bis im Februar reicht das Geld

Dass sich die GSoA mit den 200'000 Franken für den Abstimmungskampf übernommen hat, verneint Sekretär Nikolai Prawdzic. Die GSoA sei in den Jahren zuvor sehr sparsam mit ihren Mitteln umgegangen und habe sich ein finanzielles Polster angelegt, das sie nun habe nutzen können.

Seit seiner Gründung 1982 hat der Verein für sieben Volksinitiativen und drei Referenden gesammelt. Dass dafür neben den – vor Abstimmungen üppiger fliessenden – Spendengeldern auch die Reserven angezapft werden, ist gemäss Nikolai Prawdzic nicht ungewöhnlich. «Wir sind keine Bank, die Gelder hortet.» Doch noch nie hat die GSoA ihre Kassen bis aufs Äusserste geleert und einen derart hohen Betrag in eine Abstimmungskampagne gepumpt. «Das war risikoreich, hat sich aber ausbezahlt», findet Prawdzic.

Wie geht es nun weiter? Bis im Februar reicht das Geld, danach ist die GSoA endgültig pleite. Um die Kassen wieder zu füllen, hat der Verein in diesen Tagen einen Brief an Mitglieder und Sympathisanten geschickt, in dem er um Spenden bittet. Die GSoA hofft nun auf das Engagement ihrer Mitglieder, um finanziell wieder auf die Beine zu kommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.10.2014, 16:02 Uhr)

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