«Die Islamisierung rückt näher»
Von Verena Vonarburg, Gretzenbach. Aktualisiert am 21.10.2009 14 Kommentare
In ein Dorf, wo der Metzger noch Schneider heisst und die Wirtschaft Eintracht, da verirrt sich nie ein islamistischer Bomber hin. Keine Gefahr also. Sollte man denken. Doch Walter Wobmann schaut aus dem Wintergarten seines Gretzenbacher Einfamilienhauses und sagt: «Die Islamisierung rückt immer näher. Ich beobachte das. Land für Land kommt dran.»
Der 52-Jährige gelernte Automechaniker, Verkaufsleiter in der Werkzeugbranche, Ex-Töffrennfahrer, Präsident des Schweizer Motorradverbandes und seit 2003 Nationalrat der SVP, hat mit seiner Anti-Minarett-Initiative das Kampffeld gefunden, das ihn schweizweit bekannt macht. Und noch weiter hinaus, hatte er doch bereits einen Auftritt im arabischen Sender al-Jazeera.
Er sagt: «Ich will ein Zeichen setzen für die Freiheit.» Dass der Abstimmungskampf schon jetzt, anderthalb Monate vor der Abstimmung so viel zu reden gibt, ist dem Plakatverbot in gewissen Städten zu verdanken: So viel Werbung gratis, so viel Publizität umsonst! «Ich hätte nicht gedacht, dass gewisse Kreise so blöd sind», sagt Wobmann. Dabei hatte er selbst sich ein weniger provokatives Plakat vorgestellt, war aber unterlegen. Noch heute beteuert er, «einen möglichst sachlichen Abstimmungskampf» führen zu wollen. Mit diesem Plakat? Er zuckt die Schultern. Räumt ein, seine Initiative könne «unangenehme, fanatische Leute» anziehen. Mit denen wolle er nichts zu tun haben. Auch wenn man ihnen die Argumente liefert.
Folgt auf Minarett Steinigung?
Im eidgenössischen Parlament ist Walter Wobmann ein Hinterbänkler, einer, der sich kaum je zu Wort meldet und kaum durch ein politisches Anliegen auffällt. Sehr SVP-linientreu, sehr rechts. Sehr nett, zuvorkommend ist er, kein Schreier oder Selbstinszenierer, sieht jünger aus, als er ist, hat etwas Bubenhaftes.
So sitzt er da und referiert über den Nahen Osten und die Gefahren der islamischen Kultur. Er sei schon immer, schon in der Schule, einer gewesen, «der die Geschichte gut beobachtet» habe. Im islamischen Raum selber sei er noch nie gewesen. So eine Reise habe sich nie ergeben und nie aufgedrängt. Kenya habe man aber einmal besucht, in den Ferien, auf Safari und so. «Und in Buchs war ich in einer Moschee.» Unverdrossen und Stammtisch-gerecht jongliert er im Gespräch mit seinen Wissensbrocken über andere Länder und Kulturen, wirbelt Scharia mit Zwangsheiraten, Ehrenmorden, Beschneidungen und Christenverfolgungen durcheinander. Der Islam sei «extrem fanatisch. Für die Muslime gibt es nur Gläubige und Ungläubige.» Erlaube man Minarette, folge bald einmal der Muezzin, der Gebetsrufer, und am Ende das islamische Recht. «Wer zum Minarett Ja sagt, muss am Ende auch zur Steinigung Ja sagen», meint er.
Motiv sei nicht die Religion
Ja, der Glauben. Dass man ihn recht verstehe: Sein Motiv sei nicht die Religion. Dass die Kirchen gegen die Minarett-Initiative kämpfen, versteht der Bauernsohn aus dem Entlebuch nicht. Er ist auch Christ, aber «Katholik mit einem grossen Fragezeichen». Er zahlt Kirchensteuer, hat nicht im Sinn auszutreten, «doch das Ganze mit Rom und dem Papst hat etwas Lebensfremdes».
Wobmann will niemanden religiös bekehren. «Ich verbiete auch niemandem, den Glauben auszuüben – auch keinem Muslim, der hier lebt und arbeitet.» Solange er sich an unsere Rechte halte. Gegen die Moscheen habe er nichts. Auch nichts gegen das Einzige, was in seinem Dorf Aufsehen erregt: den grossen buddhistischen Tempel. Der Buddhismus sei schliesslich nicht auf Expansion aus. «Ob der Tempel allerdings bei uns so prunkvoll daherkommen muss, das kann man sich schon fragen». Doch gegen diesen Bau habe er sich seinerzeit nicht gewehrt.
Minarette aber, die will er nirgends hier, und seien sie noch so klein. Ob die Initiative eine Mehrheit finde? Wobmann ist skeptisch. «Mal schauen, ich bin nicht euphorisch, aber noch ist nichts verloren.» Wie es auch herauskommt, er hat nicht vor, einmal in ein islamisches Land zu reisen. Denn Buddha-Tempel allerdings, den wolle er schon einmal von innen sehen.
Ein Verbot für die Freiheit
Das Telefon klingelt. Die «Arena» des Schweizer Fernsehens ist dran mit einer Einladung. Der Kampf gegen Minarette habe sich einfach so ergeben, sagt Wobmann später. Er sei «ein extrem freiheitsliebender Mensch» und als solcher für möglichst wenige Verbote. «So bin ich nun halt für das Verbot von Minaretten, um die Freiheit des Westens zu retten.» Dass jeder Mensch frei leben könne, auch die Frauen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.10.2009, 12:01 Uhr
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14 Kommentare
Kann Hr Wobmann nur unterstützen.Die Frage ist nicht, ob wir tolerant sind, sondern stammen Minarette aus unsern Kulturkreis: JA oder NEIN ! Die Nicht-Mohamedaner haben in jenen Ländern nicht die Rechte, die Mohamedaner bei uns beanspruchen. Wir können dort keine Kirchen bauen ( die Frage ist nicht ob es viele Christen gibt dort...) sondern ob es erlaubt ist: JA oder NEIN ! Antworten
"Dass jeder Mensch frei leben könne, auch die Frauen." - Einmal mehr bestätigt sich die Tatsache, dass mit dem Wort "Mensch" in erster Linie Männer gemeint sind. Frauen fallen offensichtlich nicht in diese Kategorie und müssen separat erwähnt werden. Wie grosszügig von Herrn Wobmann, sich auch für die Frauen einzusetzen. Daran erkennt man den Tenor der SVP. Antworten
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