Schweiz

Die Krise an der Post-Spitze im Zeitraffer

Aktualisiert am 19.01.2010

Innerhalb von weniger als einem Jahr sind bei der Post der Konzernchef und der Verwaltungsratspräsident mit sofortiger Wirkung ausgeschieden.

Nachfolgend die wichtigsten Etappen des Streits an der Post-Spitze:

- 25. Juni 2008: Der Bundesrat wählt den Waadtländer Claude Begle zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Post und damit zum Nachfolger von Anton Menth.

- 1. Oktober 2008: Begle tritt zunächst als einfaches Mitglied in den Post-Verwaltungsrat ein.

- 15. Dezember 2008: Michel Kunz wird zum neuen Post-Chef ernannt. Er übernimmt die Nachfolge von Ulrich Gygi.

- 1. April 2009: Post-Verwaltungsratspräsident Begle und Post-Chef Kunz treten ihre neuen Funktionen an.

- 13. April 2009: Begle verknüpft Erhalt der Poststellen mit einer Banklizenz für Postfinance.

- 13. Juni: Die Gewerkschaft Kommunikation beschliesst Volksinitiative zum Erhalt des Poststellennetzes.

- 9. August: Begle spricht über grosse Expansionsmöglichkeiten im Ausland.

- 5. Dezember 2009: Postchef Kunz bring Möglichkeit einer Briefkastengebühr ins Spiel. Post-Minister Leuenberger und Post-Präsident Begle pfeifen ihn umgehend zurück.

- 14. Dezember 2009: Kunz wird nach knapp neun Monaten mit sofortiger Wirkung durch Postfinance-Chef Jürg Bucher abgelöst.

- 19. Dezember 2009: Das langjährige Verwaltungsratsmitglied Rudolf W. Hug tritt wegen Differenzen mit Präsident Begle zurück. Die Parteien erwarten insbesondere vom Bundesrat eine Klärung der Situation. Postminister Moritz Leuenberger kritisierte den Abgang von Hug als unnötige Inszenierung und stellt sich hinter Begle.

- 5. Januar 2010: Mit Wolfgang Werle verlässt ein weiterer Verwaltungsrat das Gremium. Das Departement Leuenberger kündigt an, die Zusammensetzung des Gremiums grundsätzlich zu überdenken.

- 6. Januar 2010: Der Druck der Parteien auf den Bundesrat wächst. Er soll die Situation klären.

- 7. Januar 2010: Leuenberger setzt eine Arbeitsgruppe mit seinem Generalsekretär Werder und Finanzverwaltungschef Siegenthaler ein. Sie sollen die Funktionsfähigkeit des Post-Verwaltungsrates im Hinblick auf die Neuwahl überprüfen und die personellen Neubesetzungen vorbereiten. Zudem will der Postminister die Neuwahl des Verwaltungsrats vorziehen.

- 10. Januar 2010: Bundesrat Leuenberger wird im Zusammenhang mit der Wahl Begles ein unprofessionelles Vorgehen und Schlamperei vorgeworfen. Der UVEK-Vorsteher verteidigt das Vorgehen als korrekt.

- 11. Januar 2010: Die ständerätliche Fernmeldekommission zeigt sich nach einer Anhörung von Leuenberger mit dessen Reaktion auf die Querelen bei der Post befriedigt und bewertet das damalige Verfahren für die Besetzung des Post-Präsidiums als vollständig.

- 12. Januar 2010: Begle räumt Fehler in der Kommunikation ein und präzisiert seine Pläne für die Auslandsexpansion.

- 16. Januar 2010: Verschiedene Medien werfen Begle vor, Verwaltungsratsmandate in ausländischen Unternehmen bei seiner Wahl nicht klar deklariert zu haben.

- 19. Januar 2010: Begle tritt mit sofortiger Wirkung zurück. (bru/ddp)

Erstellt: 19.01.2010, 19:47 Uhr

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