Schweiz

Die Luzerner SVP hat einen «Guttenberg»

Von Erwin Haas. Aktualisiert am 08.04.2011 88 Kommentare

SVP-Kantonsratskandidat Urs Wollenmann hat sich mit dem Titel lic. rer. pol. geschmückt. Den Beweis für ein Studium bleibt er jedoch schuldig.

Lic. rer. pol.: Urs Wollenmann auf seiner eigenen Homepage vor dem Fall «Guttenberg».

Lic. rer. pol.: Urs Wollenmann auf seiner eigenen Homepage vor dem Fall «Guttenberg».

Urs Wollenmann

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Urs Wollenmann (47) ist Sekretär der SVP der Stadt Luzern. Er sitzt seit 2006 im Grossen Stadtrat, dem Luzerner Parlament. Seine jüngste Aktion bestand in einer Strafanzeige gegen die ehemalige Exekutive der Gemeinde Littau, die sich kurz vor der Fusion mit der Stadt Luzern am Parlament vorbei unrechtmässige Abgangsentschädigungen ausgezahlt haben soll. Stadtrat und Parlament von Luzern verneinen dies jedoch. Mit der Lauterkeit hat Wollenmann aber selber ein Problem. Denn in seinem Curriculum vitae hat er sich eines Hochschulabschlusses gerühmt, der ihm nicht zusteht.

Wie bei Guttenberg

Am Sonntag kandidiert Wollenmann bei den Luzerner Wahlen für den Kantonsrat. Die SVP bezeichnet ihn als «Ökonomen» mit Berufserfahrung im Ausland, bei Economiesuisse und bei internationalen Firmen. Der Vermögensverwalter Lakeshore International, der den russisch sprechenden Wollenmann als Office Manager beschäftigt, schreibt über ihn: «Nach seinem Studium in Volks- und Betriebswirtschaft arbeitete er als Journalist und Redaktor und als PR-Berater.» Auf der Website seiner eigenen Textagentur nennt Urs Wollenmann als eine wichtige Wegmarke: «Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft». Bis zum Skandal um den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der seinen Doktortitel auf unlautere Art erworben hatte, führte Wollenmann den akademischen Titel lic. rer. pol. – die Abkürzung für das Lizenziat in der Volkswirtschaft.

Niemand kann sich erinnern

Nach Guttenbergs Rücktritt im vergangenen März war dieser Grad, der dem heutigen Master of Economics entspricht, auf Wollenmanns Website plötzlich verschwunden. An der Basler Universität, wo er gemäss zuverlässigen Quellen studiert haben will, weiss man von einem Studenten dieses Namens nichts. Dass er den Abschluss lic. rer. pol. in Basel erworben hat, schliesst die Universität aus.

Als weiteren «Wegpunkt» führt Wollenmann auf seiner Website eine berufliche Station als «Inlandredaktor beim ‹Badener Tagblatt› » an, das heute Teil der «Aargauer Zeitung» ist. Der dienstälteste Journalist auf der Badener Redaktion, der schon 30 Jahre dort arbeitet, kann sich allerdings nicht an Wollenmann erinnern, «und wenn er mal da war, dann war er eine Nullnummer». Auch dies erinnert an Guttenberg, der sich als «freier Journalist» der Zeitung «Die Welt» rühmte, obwohl er dort nur als Praktikant tätig war.Gegenüber dem TA wollte sich Urs Wollenmann nicht äussern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2011, 21:27 Uhr

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88 Kommentare

Janosch Lall

08.04.2011, 08:06 Uhr
Melden 97 Empfehlung

Wie heisst der Wahlspruch schon wieder? Schweizer wählen Hochstapler? Antworten


Victor Heldner

08.04.2011, 09:50 Uhr
Melden 45 Empfehlung

Das wundert wohl niemand. Gross auftreten, sich mit fremden Federn schmücken, erfolgreich ist wer Ofroader fährt und dann gibt man die Parole heraus: Schweizer wählen SVP. Das tun wir im Herbst 2011 auf keinen Fall. Antworten



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