Schweiz

Die Pensionskassen werden auf dem Buckel der Lohnempfänger saniert

Von René Staubli. Aktualisiert am 06.09.2011 97 Kommentare

Zu Boomzeiten streicht die Finanzbranche Millionen ein, in der Rezession wird die Verzinsung der Altersguthaben gekürzt. Eine Analyse von Tages-Anzeiger-Redaktor René Staubli.

Die Renditen auf dem Finanzmarkt sind seit längerem tief: Logo des Versicherungs- und Rentenkonzerns Swisslife.

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Bild: Keystone

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Die paritätische Kommission für berufliche Vorsorge (BVG) hat dem Bundesrat kürzlich empfohlen, die Verzinsung der Pensionskassenguthaben von minimal 2 auf 1,5 Prozent zu senken. In den Medien blieb es daraufhin merkwürdig still. Es wurden nur wenige Kommentare geschrieben, und die waren positiv: Der Entscheid sei gerechtfertigt, hiess es, denn der Anlagemarkt gebe im Moment nicht genügend Rendite her. Die Pensionskassen könnten sich die Verzinsung der Altersguthaben mit 2 Prozent schlicht nicht mehr leisten. Wer auf Dauer mehr ausgebe, als er einnehme, der ende zwangsläufig in der Pleite.

Damit wir wissen, wovon wir reden: Wer als 30-Jähriger 100'000 Franken auf seinem Pensionskassenkonto hat und monatlich 1200 Franken dazuspart (Total von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag), besitzt mit 65 ein Rentenkapital von 926'508 Franken. Bei einer Verzinsung von 1,5 Prozent sind es nur 829'428 Franken, fast 100'000 Franken weniger als mit 2 Prozent – eine happige Einbusse. Dabei haben wir sogar noch Glück im Unglück: Eine Minderheit in der Kommission wollte den Satz gar auf 1 Prozent reduzieren. Dann hätte sich der 30-Jährige 182'000 Franken ans Bein streichen müssen.

Die Dunkelkammer Pensionskasse

Ärgerlich ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Lohnempfänger einseitig zur Sanierung herangezogen werden, und das nicht zum ersten Mal. Zur Erinnerung: Von 1985 bis 2002 lag der Mindestzinssatz noch bei 4 Prozent (unser 30-Jähriger hätte bei der Pensionierung 1,5 Millionen besessen). Dann platzte die Internetblase, und es begann das Zeitalter, in dem die globale Finanzindustrie Schäden anrichtete, welche mittlerweile die gesamte Weltwirtschaft bedrohen.

Im Kleinen, bei den Pensionskassen, kassieren allerlei Berater Honorare, Kickbacks, Gebühren und Courtagen. Die Kassenverwaltungs-, Vermögensverwaltungs-, Transaktions-, Beratungs- und versteckten Fondskosten sind eine weitläufige Dunkelkammer, die bis heute noch niemand ausgeleuchtet hat. Insgesamt versickern laut Studien jedes Jahr 4 Milliarden Franken zum Nachteil der Versicherten. Man könnte das Loch bei den Pensionskassen auch einmal von dieser Seite her stopfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2011, 07:24 Uhr

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97 Kommentare

Fred Büchi

07.09.2011, 08:22 Uhr
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Das Volk hat sich bei der Abstimmung belügen lassen und, damit nicht genug, lässt es sich nun von denselben Parteivertretern auch noch über den Tisch ziehen. Das nennt sich dann Demokratie, wenn die vielen für die wenigen Geld ansparen. Aber wer denkt wie ich, ist halt links = für die über den Tisch Gezogenen falsch. Komisch. Antworten


Marc Peer

07.09.2011, 09:17 Uhr
Melden 61 Empfehlung

Ich kenne in Zürich diverseste Wohnungen im Besitz von Pensionskassen, in denen die MIete um 100% nach oben geschraubt wurde, ohne was an der Wohnung zu ändern (Pinselrenovation). In Tat und Wahrheit werden die Anleger gleich mehrfach gemolken. Und am Schluss schaut eine mikrige Verzinsung von 1.5% raus. Obligatorisch notabene. Antworten



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