Die Provokateurin
Von Nina Merli. Aktualisiert am 07.09.2011 11 Kommentare
Micheline Calmy-Rey gibt Ediht Piafs «Les trois cloches» zum Besten.
«Dene wo's guet geit»: Calmy-Rey lässt im «Donnschtig-Jass» ihr Berndeutsch bewerten.
1.Mai Rede 2011: Calmy-Reys Rede wird von linken Autonomen unterbrochen. Die Bundesrätin nervt sich. (Tele Top)
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Ihre Hartnäckigkeit war ihr Markenzeichen. Ein dickes Fell, das hatte sie ebenfalls, das musste Micheline Calmy-Rey mit ihrer eigenwilligen Art auch haben. Denn die abgetretene Bundesrätin musste während ihrer neunjähriger Amtszeit nicht selten mit harscher Kritik klarkommen.
Empörung und Unverständnis
So war die Empörung gross, als sie 2008 an der Botschafterkonferenz in Bern in ihrer Eröffnungsrede einen hypothetischen Dialog mit Osama Bin Laden in Erwägung zog. Oder als sie sich in einem Interview mit Radio DRS negativ über Israels Innenpolitik äusserte, sie fände «die Situation im Gaza-Streifen unerträglich», und der Meinung war, es dürfe keine kollektive Bestrafung geben. Dies stiess dem israelischen Botschafter in der Schweiz wie auch dem Dachverband der Schweizer Juden sauer auf. Sie warfen Calmy-Rey und ihrem Departement vor, einseitig Partei für die Palästinenser zu ergreifen. Doch auf eine Entschuldigung wartete man bei Micheline Calmy-Rey in den meisten Fällen vergeblich, denn Einsicht war keine Stärke der Politikerin.
Auch als man ihr einen diplomatischen Kniefall vor Mahmoud Ahmadinejad vorwarf, weil sie bei einem Staatsbesuch im Iran – ohnehin ein heikles und im Ausland heftig umstrittenes Treffen – ein Kopftuch trug, liess sich Calmy-Rey nicht beirren. «Ich würde es wieder tun», konterte sie, als die Negativstimmen immer lauter wurden.
Als Schlagerstar auf Sympathiekurs
Um Sympathien zu gewinnen, ging Calmy-Rey andere Wege: Schon fast legendär ist ihr Auftritt im Frühling 2007 im Westschweizer Fernsehen. In der Sendung «Coups de coeur» griff sie zum Mikrofon, um Edith Piafs Klassiker «Les trois cloches» zu singen. Das Publikum war begeistert – die konnte ja singen! Drei Jahre später wurde von einem weiteren Auftritt als Sängerin gemunkelt, doch Calmy-Rey beliess es in einer «Donnschtig-Jass»-Ausgabe bei einer Rezitation von Mani Matters Lied «Dene woss guet geit» und liess dafür von einem Experten, ETH-Professor Roland Ris, ihr Berndeutsch bewerten. Eine Rechnung, die aufging: Der Sprachen-Experte fand nur löbliche Worte: «Das war absolut perfekt», und das Publikum in Visp lobte die Tatsache, dass Calmy-Rey trotz strömendem Regen im «Donnschtig-Jass» ausharrte.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.09.2011, 13:55 Uhr
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11 Kommentare
Gott sei Dank haben wir noch eine "aussergewöhnliche Aussenministerin"! Nach alle den Weichspülern in diesem Amt hat die CH wieder an Profil gewonnen. Ob es der SVP oder dem Rat der Schweizer Juden oder dem Botschafter Israels passt oder nicht. Dieser seichten Schweizer "Schleichpolitik", zu allem keine klare Meinung haben und vertreten, hat Frau Calmy-Rey eine klare Absage erteilt. Danke! Antworten
Danke, Frau Calmy-Rey, für Ihren jahrelangen Einsatz für die Schweiz, unsere Heimat. Und wegen dem Schleier tragen: Ihre Kritiker verlangen ja immer, dass man sich in einem fremden Land anpassen soll. Genau das haben Sie vorbildlich gemacht. Interessant auch, dass niemand reklamierte, als SVP-BR Ueli Maurer in Israel eine Kippa trug. Wenn 2 das Gleiche machen, ist es halt nicht das Gleiche. Antworten


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