«Die Rückführung nach Italien funktioniert schon heute nicht mehr richtig»

Gemäss dem Dublin-Abkommen, kann die Schweiz Asylsuchende in das Land zurückschaffen, in dem diese das erste Gesuch gestellt hatten. Italien verhalte sich dabei nicht kooperativ, kritisiert Karin Keller-Sutter.

Befürchtet eine Belastungsprobe für das Dublin-System: Karin Keller-Sutter.

Befürchtet eine Belastungsprobe für das Dublin-System: Karin Keller-Sutter. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gebe Probleme mit der Rückführung von Asylsuchenden nach Italien, räumte Karin Keller-Sutter, Präsidentin der kantonalen Justizdirektoren, in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» ein. «Das funktioniert schon heute nicht mehr richtig», sagte sie.

Gemäss dem Dublin-Abkommen, dem auch die Schweiz beigetreten ist, dürfen Asylsuchende nur noch in einem einzigen Dublin-Staat ein Aufnahmegesuch stellen. Weitere Gesuche in anderen Ländern werden nicht behandelt und die Asylsuchenden in das Land zurückgeschafft, in dem sie das erste Gesuch gestellt hatten.

«Italien akzeptiert nur noch einmal täglich einen ordentlichen Flug mit einer begrenzten Zahl an Dublin-Fällen: mit fünf Personen, wenn der Flug aus Zürich stammt, und mit vier, falls der Flug aus Genf kommt», sagte die St. Galler Regierungsrätin weiter. «Sonderflüge akzeptiert Italien nicht mehr.»

Wenn die Flüchtlingszahlen tatsächlich ansteigen würden, werde das zur Belastungsprobe für das Dublin-System, sagte Keller-Sutter weiter. Schon heute gebe es Wartezeiten von mehr als einem Monat. «Ich gehe davon aus, dass der Bund mit Italien das Gespräch sucht.»

(jak/sda)

Erstellt: 27.02.2011, 22:10 Uhr

Artikel zum Thema

«Eine schwierige Situation für die Schweiz»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga warnt davor, aus Sorge vor einem Flüchtlingsstrom aus Nordafrika in Panik zu verfallen. Sie fordert die Parteien auf, kein Wahlkampfthema daraus zu machen. Mehr...

«Wir sind bereit, Unterstützung zu leisten»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat sich mit den EU-Innenministern zum Gedankenaustausch über den befürchteten Flüchtlingsstrom aus Nordafrika getroffen. Dabei kritisierte Deutschland Italiens Forderungen. Mehr...

Flüchtlingswelle kommt in einigen Wochen

Das Bundesamt für Migration diskutierte heute mögliche Massnahmen zur Bewältigung eines erhöhten Flüchtlingsstroms aus Nordafrika. Einig ist man sich vor allem darüber, wem kein Asyl gewährt werden soll. Mehr...

Bildstrecke

Flüchtlingsstrom auf Lampedusa

Flüchtlingsstrom auf Lampedusa Nach den Unruhen in Nordafrika suchen Tausende junge Männer ihr Glück in Europa.

Blogs

Geldblog Erbe für Altersvorsorge verwenden?

Mamablog Mein Kind verreist ohne mich!

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Die Welt in Bildern

Ganz im Element: Die junge Eisbärin Quintana erkundet das Wasser in ihrem Gehege im münchner Zoo Hellabrunn. (23. März 2017)
(Bild: Christian Bruna (EPA, Keystone)) Mehr...