Schweiz

Die Schweizer in Libyen hoffen und bangen

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 16.07.2009 14 Kommentare

Seit einem Jahr lässt Libyen zwei Schweizer nicht ausreisen. Alle Versuche, die unschuldigen Opfer der Affäre Qadhafi freizubekommen, schlugen bisher fehl.

Will die Schweiz auflösen und an die Nachbarländer verteilen: Libyens Revolutionsführer Moammar al-Qadhafi.

Will die Schweiz auflösen und an die Nachbarländer verteilen: Libyens Revolutionsführer Moammar al-Qadhafi.
Bild: Keystone

Der Genfer SVP-Politiker Stéphane Valente hat regelmässig Kontakt mit Max Göldi, einem der beiden Schweizer Geschäftsleute, die seit einem Jahr in Libyen festsitzen. «Es geht Max den Umständen entsprechend gut. Im Alltag ist er relativ frei, was er unternehmen will», sagt Valente, der das Stadtparlament von Vernier präsidiert. Er lernte den Geschäftsträger von ABB (Schweiz) in Libyen via Internet kennen, als er sich in einem Blog der «Tribune de Genève» über den libyschen Staatschef Moammar Qadhafi ärgerte.

Der Revolutionsführer hatte Göldi und einen weiteren Schweizer Geschäftsmann am 19. Juli 2008 verhaften lassen, weil sie angeblich keine gültigen Aufenthaltspapiere besassen. Der unberechenbare Herrscher rächte sich mit dieser und anderen Strafaktionen gegen Schweizer Wirtschaftsinteressen im ölreichen Staat offensichtlich dafür, dass die Genfer Polizei Mitte Juli 2008 seinen Sohn Hannibal und die hoch schwangere Schwiegertochter Aline in einem Luxushotel verhaftet und zwei Tage in Untersuchungshaft genommen hatte. Grund war die Strafanzeige von zwei Hausangestellten des Paares wegen Misshandlung und Bedrohung. Die Genfer Justiz stellte das Strafverfahren später ein, nachdem die Hausangestellten von libyscher Seite eine Entschädigung erhalten und ihre Klage zurückgezogen hatten.

Die Schweizer Geschäftsleute wurden zwar nach einigen Tagen aus der Haft entlassen, aber seither dürfen sie Libyen nicht verlassen. Alle diplomatischen Bemühungen Berns, die beiden freizubekommen, fruchteten bisher nichts. Ende Mai reiste Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, die Ehefrauen der beiden und ein Arzt im Bundesratsflugzeug in die libysche Hauptstadt Tripolis. Aber trotz der «bedeutsamen Fortschritte» in den Verhandlungen, von denen Calmy-Rey nach ihrer Rückkehr in die Schweiz sprach, blieb das Ausreiseverbot bis heute bestehen. Die beiden Geschäftsleute sind laut dem Departement für auswärtigen Angelegenheiten (EDA), «einem psychischen Druck ausgesetzt».

«Inakzeptable Äusserungen»

Die Hoffnungen auf eine Beilegung des Konflikts ruhen derzeit auf Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, zumal der libysche Herrscher nur mit anderen Staatschefs zu verkehren pflegt. «Der Bundespräsident ist bereit, nach Libyen zu reisen, falls Tripoli signalisiert, dass ein solcher Besuch Erfolg verspricht», sagt Departementssprecher Roland Meier. Merz stehe auch im Kontakt mit einer Persönlichkeit aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die sich als Vermittler anbot. Aber über diesen Kanal ist das erhoffte Signal bisher nicht in Bern eingetroffen.

Am jüngsten G-8-Gipfel in L'Aquila gab der Revolutionsführer ein völlig anderes Signal. Gemäss der staatlichen libyschen Agentur Jana bezichtigte Qadhafi die Schweiz der Finanzierung des internationalen Terrorismus (TA vom Mittwoch). «Diese Äusserungen sind inakzeptabel», erklärte gestern das EDA. Auf die Frage, ob Verhandlungen mit Oberst Qadhafi da noch möglich seien, hatte die Departementschefin zuvor «Le Matin» geantwortet: «Man sollte dem, was nicht wichtig ist, keine Bedeutung beimessen. Wir setzen unsere Kontakte fort.»

Handel mit Libyen eingebrochen

Die schwer gestörten Beziehungen zwischen Libyen und der Schweiz hinterlassen tiefe Spuren in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Den rund 60 Schweizer Firmen im Wüstenstaat sind die Hände gebunden. Libyen zog Guthaben und Treuhandanlagen im Umfang von 5,6 Milliarden Franken aus der Schweiz ab; das entspricht allerdings nur 0,3 Prozent aller Vermögenswerte aus dem Ausland, welche die Schweizer Bankenstatistik erfasst. Das Handelsvolumen, das überwiegend aus dem Import libyschen Rohöls in die Schweiz bestand, sackte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 90 Prozent ab. Die Tamoil-Raffinerie im Unterwallis, die in libyschem Besitz ist, beziehe inzwischen ihr Rohöl aus Algerien, heisst es im EDA.

Als «bizarr» bezeichnet der ABB-Konzern die Situation, wonach die Aktivitäten der Schweizer Tochter in Libyen lahmgelegt sind, während andere Ländergesellschaften des Konzerns ihren Geschäften wie bisher nachgehen können. Mit einem Anteil von weniger als 1 Prozent am Konzernumsatz sei das Libyen-Geschäft für ABB «nicht signifikant», sagt Sprecher Wolfram Eberhardt.

Zu Max Göldi und seinen Angehörigen pflegt die Firma laut Eberhardt einen intensiven Kontakt. «Er ist immer noch unser Mann und wird dies hoffentlich auch bleiben – aber sicher in einem anderen Land.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.07.2009, 06:26 Uhr

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14 Kommentare

Peter Zgraggen

16.07.2009, 10:25 Uhr
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alle die sich mit einem Verbrecher schlimmster Art abgeben sind irgendwie auch nicht sauber. Nach dem Motto -zeige mir deine Freunde und ich sage dir wer du bist!! Qadhafi ist ein Terrorist und Mörder es gibt keinen Grund dieses Land zu besuchen noch dort zu arbeiten und schon gar nicht sich mit diesem Gesindel zu treffen! Hoffentlich tut dies der Bund und seine Vertreter nicht. Antworten


Hans-Joachim HaJo

16.07.2009, 17:07 Uhr
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Ich tanke schon lange nicht mehr bei Herrn Qadhafi's TAMOIL. Und Sie? Antworten



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