Die Sexualität der Schweizer Jugendlichen
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 16.10.2009
Prozentsatz der 17-Jährigen, die schon Geschlechtsverkehr hatten
Alter beim ersten Sex
Bemerkung: Die Daten beruhen auf Eigenangaben der Jugendlichen. Sie können deshalb leicht abweichen und müssen nicht 100 Prozent ergeben.
Das 16. und das 17. Lebensjahr scheinen für Jugendliche wichtige Jahre zu sein: Viele von ihnen erleben in dieser Zeit ihren ersten Geschlechtsverkehr. Das ergibt eine von der Universität Basel im Auftrag der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen durchgeführte Online-Umfrage unter 1449 Jugendlichen zwischen 12 und 20 Jahren.
Gemäss den Daten erleben 14 Prozent der Jugendlichen ihren ersten Sex im 13. Lebensjahr – diese werden in dem Bericht der Kommission als «Risikogruppe sexuell aktiver Jugendlicher» bezeichnet, die früh in die Pubertät kommen und oft einen «problematischen Erfahrungshintergrund» haben. Zwischen dem 13. und dem 15. Geburtstag kommen nur weitere 5 Prozent dazu. Eine grosse Mehrheit aber hat mit 15 (21 Prozent), 16 (18 Prozent) oder 17 Jahren (15 Prozent) zum ersten Mal Sex – und eine dritte Gruppe (22 Prozent) offenbar erst wieder jenseits des 20. Geburtstags.
Nicht aktiver als vor 20 Jahren
Entsprechend hat erst mit 17 Jahren die Mehrheit der Jugendlichen bereits Geschlechtsverkehr erlebt – bei den Jungen 66 Prozent und bei den Mädchen 56 Prozent. Jugendliche sind also heute sexuell nicht erfahrener als vor 20 Jahren, wie die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen festhält (vergleiche Grafik).
Einzelereignisse wie etwa Fälle von sexueller Nötigung oder von Jugendschwangerschaften würden heute gerne «in reisserischer Manier thematisiert» und vermittelten deshalb ein mediales Bild von sexuell frühreifen Jugendlichen, die einen problematischen Umgang mit Sexualität pflegten, sagte Nancy Bodmer, Leiterin der Arbeitsgruppe «Sexualität» der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen.
Viele offene Fragen
Der «angesichts der allgegenwärtigen Präsenz sexualisierter Inhalte in den Medien» oft entstehende Eindruck, der Jugend von heute könne man zum Thema Sexualität nichts mehr beibringen, sei falsch. «Verschiedene Studien in den vergangenen Jahren zeigen, dass noch heute viele Jugendliche ungenügend oder falsch über Sexualität informiert sind», schreibt die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen, «Mythen und Halbwahrheiten halten sich hartnäckig. Sie fordert darum in ihrem heute vorgestellten Bericht, Sexualerziehung solle Pflichtstoff an allen Schulen werden.
Konkret empfiehlt sie, dass alle Schüler am Sexualkundeunterricht teilnehmen müssen. Der Sexualkundeunterricht soll obligatorisch werden, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion der Schüler. Nötig sei Sexualerziehung und nicht einfach «Aufklärung». In den Lehrplänen der Schulen und in der Gesetzgebung sollten fixe didaktische Blöcke vom Kindergarten bis zum letzten Schuljahr festgeschrieben werden, fordert die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen.
Mehr Kontrolle in der Werbung
Weitere Aspekte, die aus Sicht der Experten ebenfalls zu beachten sind, betreffen den Umgang mit den modernen Medien. Heute sei gerade via Internet selbst härteste Pornographie für Kinder und Jugendliche frei verfügbar, und die geltenden Altersschutz-Bestimmungen griffen hier häufig nicht, sagte Luca Cirigliano, Richter am Bezirksgericht Lenzburg und Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen. Eine erhöhte Medienkompetenz sowohl von Eltern wie Jugendlichen sei daher nötig, damit sich die sexuelle Entwicklung von jungen Menschen nicht zunehmend im virtuellen Raum abspiele und dementsprechend geprägt werde.
Zudem plädiert die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen auch dafür, im Bereich der Werbung neue Schranken einzubauen und zum Beispiel festzulegen, wo Angebote mit erotisch geprägten Botschaften gezeigt werden dürfen und wo nicht - so wie dies heute bereits beim Alkohol geschehe, sagte Cirigliano. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.10.2009, 12:34 Uhr
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