Die Skepsis gegenüber Ausländern nimmt ab
Der Wohnort prägt die Einstellung gegenüber Fremden: Mitarbeiter kosovarischer Herkunft eines aargauischen Werkzeugherstellers. (Bild: Keystone)
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Ist das Boot voll? Fühlen sich die Eidgenossen eingeengt? Und was heisst dies für die Umwelt und die Migrationspolitik? Solche Fragen stellt sich nicht nur der Grüne Bastien Girod. Dies wollte auch das Meinungsforschungsinstitut Isopublic im Auftrag von Ecopop von 1103 Schweizerinnen und Schweizern wissen. Die Resultate liegen dem «Tages-Anzeiger» exklusiv vor.
Bereits 1998 liess die Umweltorganisation Ecopop, die sich für ein gedämpftes Bevölkerungswachstum einsetzt, die Umfrage ein erstes Mal durchführen. Die Veränderungen, die sich seither ergeben haben, sind aufschlussreich. So empfand eine Mehrheit der Befragten den Ausländeranteil vor elf Jahren noch als zu hoch. Damals wohnten hier 1,4 Millionen ohne Schweizer Pass. Und obwohl deren Zahl seither auf 1,8 Millionen zugenommen hat, ist die Ausländerskepsis gesunken. Heute finden noch 46 Prozent, es habe zu viele Ausländer in der Schweiz. 54 Prozent sind dagegen der Meinung, der Ausländeranteil sei nicht zu hoch.
Am stärksten prägt – nebst der parteipolitischen Präferenz – der Wohnort die Einstellung gegenüber den Fremden. So zeigen sich die Westschweizer und die Tessiner weit ausländerfreundlicher als die Deutschschweizer. Auffällig ist auch, dass man in den Agglomerationen, wo besonders viele Fremde wohlen, mit diesen offenbar weniger Mühe hat als auf dem Land.
Alles besser dank Deutschen?
Sinkt also die Ausländerskepsis mit zunehmendem Ausländeranteil? Die grüne St. Galler Nationalrätin Yvonne Gilli glaubt, dass die multikulturelle Gesellschaft für viele eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Kommt hinzu, dass sich die Zusammensetzung der Fremden mit der Personenfreizügigkeit verändert hat.
Seit der Öffnung der Grenzen gegenüber der EU sind viele qualifizierte Ausländer in die Schweiz gezogen – zum Beispiel aus Deutschland. Dies hat das Bild der Fremden verändert gegenüber 1998, als vor allem die Zuwanderung aus dem Balkan die Stimmung prägte. SVP-Nationalrat Hans Fehr glaubt allerdings: «Die nächste Umfrage wird wieder anders aussehen.» Sobald die Türen zu den EU-Oststaaten geöffnet würden, kämen wieder mehr Unqualifizierte ins Land.
Persönlich eingeengt
Bereits heute fühlen sich 41 Prozent der Befragten durch den Ausländeranteil persönlich eingeengt. Noch stärker führen die «zu starke Verbetonierung und Zersiedlung der Umwelt» (67 Prozent) sowie «zu viel Verkehr» (68 Prozent) zu einem Gefühl des Eingeengt-seins. Über die Hälfte der Befragten sind der Ansicht, das Bevölkerungswachstum trage wesentlich zur Umweltbelastung bei.
Allerdings plädiert lediglich eine kleine Minderheit von 10 Prozent dafür, dass die Bevölkerungszahl in der Schweiz abnehmen soll. Gar nur 6 Prozent wünschen sich eine tiefere Geburtenrate, während 30 Prozent diese lieber höher sähen und 63 Prozent mit dem Status quo zufrieden sind.
Schweiz soll Verhüten fördern
Vergleicht man diese Zahlen mit der Umfrage vor elf Jahren, so hat das Bevölkerungswachstum an Unterstützung gewonnen – trotz zunehmendem Gefühl der Enge. Dies dürfte insbesondere mit den Finanzierungsproblemen der AHV zusammenhängen.
Um die Zuwanderung aus der Dritten Welt zu dämpfen, sprechen sich 48 Prozent für eine Erhöhung der Schweizer Entwicklungshilfe aus – 14 Prozent mehr als bei der letzten Umfrage. Mehrheitsfähig sind ein «verstärktes Engagement der Schweiz für friedensfördernde Massnahmen» (64 Prozent) und «mehr finanzielle Unterstützung für die Familienplanung, also für freiwillige Empfängnisverhütung in der Dritten Welt» (66 Prozent).
Letzteres freut nicht nur Ecopop-Geschäftsführer Albert Fritschi und die Grüne Yvonne Gilli, die im Parlament einen entsprechenden Vorstoss eingereicht hat. Auch Hans Fehr von der SVP findet es richtig, wenn die Schweiz die Empfängnisverhütung in der Dritten Welt fördert. Für einmal können sich Grüne und SVPler also für dasselbe Anliegen erwärmen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.11.2009, 11:54 Uhr
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