«Die Steinigung zu rechtfertigen, ist nicht akzeptabel»
Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 07.09.2010
Der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga hält Ramadans Aussage für inakzeptabel. (Bild: Keystone )
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Hani Ramadan, Direktor des Islamischen Zentrums in Genf, löst mit seiner Aussage zur Steinigung Empörung aus. Gegenüber «Le Matin» hatte Ramadan das Steinigungsurteil der Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani verteidigt. «Die Steinigung hat abschreckende Wirkung», sagte er. Und Ashtiani sei ja wegen Ehebruchs und Mordes verurteilt worden. Dass Ashtianis angebliches Geständnis laut ihrem Anwalt unter Folter zustande gekommen sein soll, interessiert Ramadan dabei wenig.
«Es ist unverständlich, dass ein Schweizer Bürger, oder sonst irgendein Bürger die Todesstrafe rechtfertigt», sagt der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga dazu. «Ich bin schockiert über Hani Ramadans Aussage. Ich war ebenso schockiert, dass jemand in der Schweiz die Todesstrafe wieder einführen wollte.» Wenn in einem Land die Todesstrafe ausgeführt werde, müsste sie wenigstens so wenig barbarisch wie möglich sein. «Die Steinigung ist eine der grausamsten Formen der Todesstrafe. Sie zu rechtfertigen, ist nicht akzeptabel.»
«Menschenfeindliche Ansicht»
Ramadans Aussage löste bei den Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leserschaft Empörung aus. Stellvertretend für viele schreibt ein Leser: «Wer so eine menschenfeindliche Ansicht vertritt und diese auch noch an andere Menschen weitergibt, soll des Landes verwiesen werden.» Ein anderer Leser moniert, dass nicht für alle Provokateure dieselben Regeln gelten: «Ramadan darf ‹auswärts›, im christlich-abendländischen Raum, ganz unbehelligt mit der Verbreitung seiner rechtswidrigen, radikal-islamischen ‹Werte› provozieren; Sarrazin wird massiv bedroht, braucht Polizeischutz - und dies notabene ‹zu Hause›».
Ein weiterer Leser schreibt: «Diese islamistischen Ideologen erweisen Ihren Glaubensgenossen keinen guten Dienst. Das scheint ihnen aber egal zu sein, sie spekulieren wohl geradezu darauf, dass Hetze und Unfrieden entstehen und sie davon letztlich profitieren.» Auch Muslime verurteilen Ramadans Aussage: «Es ist unerträglich, wenn ein Muslim, der von seiner Religion Kenntnis hat, Äusserungen eines Herren namens Ramadani in einer renommierten Zeitung wie dieser zu lesen bekommt.»
Wegen Steinigungsaussage entlassen
Hani Ramadan, bekennender Islamist und gebürtiger Schweizer, provoziert gerne mit seinen Aussagen zur Steinigung. Die Konsequenzen sind ihm dabei egal. 2002 bezeichnete er die Steinigung bei Ehebruch in einem Interview mit der französischen Zeitung «Le Monde» als «göttliches Gesetz». Da unterrichtete er noch als Lehrer an einer Genfer Schule Franösisch. Der Kanton Genf entliess ihn darauf, musste ihm aber nach einem langen Rechtsstreit noch eine Entschädigung zahlen.
Weltweit hat das Urteil gegen Sakineh Mohammadi Ashtiani Proteste ausgelöst. Politiker aller Couleur setzten sich für die 43-jährige Iranerin ein. US-Aussenministerin Hillary Clinton forderte Iran auf, das Steinigungsurteil auszusetzen und Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula Da Silva bot Ashtiani sogar Asyl an – was der Iran umgehend zurückwies. In der Schweiz war es bisher in der Angelegenheit sehr ruhig. Ausser Carlo Sommaruga hat sich noch kein Politiker zum aktuellen Fall geäussert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.09.2010, 17:21 Uhr
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