«Die Stimmung ist bedrückt»
Aktualisiert am 16.01.2012 47 Kommentare
Bildstrecke
Dossiers
Artikel zum Thema
- Kontroverse um Hildebrand-Nachfolge
- Ex-Sarasin-Mitarbeiter hat Lei angezeigt
- Raggenbass will nichts von Rücktritt wissen
- Blocher ist nach Jahrzehnten nicht mehr Ehrengast am Sechseläuten
- SVP-Kantonsrat tritt nach Hildebrand-Affäre aus Justizkommission zurück
- Wo sich Hildebrand und Kielholz kreuzen
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die Stimmung im Bankrat der Nationalbank ist laut dem Bankratsmitglied Fritz Studer «bedrückt». Die Zusammenarbeit sei aber gut, und das Vertrauen in Bankratspräsident Hansueli Raggenbass unangetastet. Zur Unabhängigkeit der Nationalbank von der Politik müsse man «in höchstem Masse» Sorge tragen.
Dies erklärte Studer der «Zentralschweiz am Sonntag». Das Bankratsmitglied bestätigte im Interview, dass der Bankrat Nationalpräsident Philipp Hildebrand am 7. Januar - zwei Tage vor dessen Rücktritt - das Vertrauen entzogen hatte, nachdem neue, belastende E-Mails und Notizen des Sarasin-Kundenberaters aufgetaucht waren.
«Mangelndes Fingerspitzengefühl»
Zuvor hatte Hildebrand noch das «volle Vertrauen» des Bankrates genossen, obwohl das Gremium laut Studer «bestürzt oder zumindest erstaunt» auf das «mangelnde Fingerspitzengefühl» Hildebrands reagierte. Der Bankrat habe bedauert, dass Hildebrand seine Vermögenswerte nicht fremd habe verwalten lassen.
Studer sieht denn auch in der Fremdverwaltung die Lösung für die Verwaltung der Vermögen der Direktoriumsmitglieder - «mit jährlicher Überprüfung der erteilten Anlagestrategie.» Ausnahmen müssten wie bisher vom Bankratspräsidenten abgesegnet werden, sagte Studer.
Einem grundsätzlichen Verbot von Eigengeschäften steht Studer ablehnend gegenüber. «Sollen wir eine ordentliche Verwaltung des Vermögens verbieten und damit die zukünftige Wahl an hochkarätigen Kandidaten einschränken?» Die Nationalbank (SNB) baue grundsätzlich auf einen Geist des Vertrauens auf. «Dies hat sich über Jahrzehnte bewährt.»
Sicher würden jetzt die Reglemente verschärft. «Andererseits müssen wir aber aufpassen, dass nicht eine Kontroll- und Angstkultur Einzug hält.» Das habe die SNB-Mannschaft aufgrund eines «einzelnen umstrittenen Vorfalles» nicht verdient. Denn auch mit den schärfsten Reglementen, seien Verstösse nicht zu verhindern.
KPMG-Untersuchungen dauern bis sechs Wochen
Studer kündigte zudem an, dass der Vertrag mit der Revisionsgesellschaft KPMG anfangs Woche unterzeichnet werde und «mehrere hunderttausend Franken» koste. KPMG hat den Auftrag, die Geschäfte des erweiterten Direktoriums für die Jahre 2009 bis 2011 zu untersuchen. Dies werde vier bis sechs Wochen dauern.
Mit dieser nachträglichen Untersuchung «stossen wir in einen Grenzbereich vor, der unter dem Gesichtspunkt der Misstrauensfrage sehr belastend ist für die involvierten Personen», sagte der frühere Verwaltungsratspräsident und Chef der Luzerner Kantonalbank. Er gehört seit 2004 dem Bankrat an.
Sofortmassnahme limitiert Devisenkäufe
Wie Bankratspräsident Hansueli Raggenbass dem «Sonntag» erklärte, wurde als Sofortmassnahme erlassen, dass sämtliche Mitarbeiter der Nationalbank nur noch Devisen bis maximal 20'000 Franken kaufen können. Bei grösseren Beträgen benötigen sie eine Bewilligung vom Compliance-Chef.
Diese Bewilligung müsse wiederum dem Prüfungsausschuss des Bankrats vorgelegt werden müsse. Raggenbass wies erneut darauf hin, «dass das heutige Reglement nicht so schlecht ist, wie jetzt behauptet wird.» Es entspreche dem Verhaltenskodex der Europäischen Zentralbank.
(kle/sda)
Erstellt: 15.01.2012, 21:58 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:



Bitte warten




