«Die Umfrage macht mir grosse Sorgen»

Kurz vor der Abstimmung legt Ecopop noch einmal zu. Die Anhänger freuen sich, die Gegner sind besorgt.


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Es sind gute Nachrichten für Andreas Thommen, den Geschäftsführer von Ecopop. Im Vergleich zur SRG-Umfrage von Ende Oktober legt seine Initiative noch einmal zu. Neu sagen 39 Prozent der Befragten Ja zu Ecopop (plus 4 Prozentpunkte). Gleichzeitig ist das Lager der Gegner um zwei Prozentpunkte kleiner geworden: 56 Prozent wollen ein Nein einlegen.

«Das ist ein wunderbares Resultat», sagt Thommen. Er sei optimistisch, dass die Sache knapp zu ihren Gunsten ausgehen werde. «Viele Leute werden Ja stimmen, weil sie den Druck auf den Bundesrat hochhalten möchten. Denn es ist klar: Wenn wir im grossen Stil bachab gehen, dann wird die Masseneinwanderungsinitiative nie umgesetzt.»

Auf der Seite der Gegner von Ecopop sind die Reaktionen entsprechend weniger euphorisch. «Die Umfrage macht mir grosse Sorgen», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. Vor allem weil es um ein Migrationsthema gehe – und die Leute bei Umfragen nicht unbedingt ihre wahren Stimmabsichten offenlegen würden. Man müsse mit aller Kraft gegen das Unbehagen in der Bevölkerung kämpfen, sagt Darbellay.

Bürgerliche sind beunruhigt

Auch FDP-Präsident Philipp Müller ist beunruhigt. «Der Trend bewegt sich in eine falsche Richtung.» Allerdings freut ihn die deutliche Ablehnung durch die eigene Basis. 77 Prozent der FDP-Wähler sind laut Umfrage bestimmt oder eher gegen Ecopop. Das ist eine deutliche Veränderung gegenüber der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative, als 40 Prozent der FDP-Wähler für die Initiative der SVP stimmten – ein entscheidender Faktor für die knappe Annahme. «Unsere Arbeit mit der Basis hat sich gelohnt», sagt Müller.

Die Ablehnung von Ecopop ist quer durch die Parteien etwa gleich hoch. Einzige Ausnahme ist die SVP – deren Basis sagt mit 63 Prozent Ja. «Dass unsere Basis zum Teil anderer Meinung ist, ist mit dem täglich wachsenden Unmut in der Bevölkerung über den bundesrätlichen Eiertanz bei der Umsetzung von angenommenen Volksinitiativen zu erklären», sagt Fraktionschef Adrian Amstutz. Die Parteileitung habe sich hingegen bei jeder Gelegenheit und in aller Klarheit gegen Ecopop geäussert.

Ob das für ein Nein genügt? Politologe Claude Longchamp von GFS Bern, der die Umfragen im Auftrag der SRG erstellt, denkt Ja. Bei der ersten Umfrage ging er von einer Steigerung des Ja-Anteils auf 40 Prozent aus. Nun schätzt er das Potenzial der Ja-Stimmen auf 45 Prozent. Ganz überraschend sei die Zunahme des Ja-Anteils nicht, da es sich um eine Initiative im Migrationsbereich handle, schreibt Longchamp in seinem Blog.

Nein zu den weiteren Vorlagen

Deutlicher ist das Bild bei den zwei weiteren Vorlagen. Bei der ersten Umfrage der SRG von Ende Oktober sagten noch 48 Prozent Ja zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Diese Zustimmung ist – wie bei Volksinitiativen üblich – kleiner geworden. Noch 42 Prozent der Befragten sind für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung, gleichzeitig haben die Gegner der Initiative um zehn Prozentpunkte auf 46 Prozent Nein zugelegt. Damit dürfte es für die Linke und die Gewerkschaften am 30. November schwierig werden: Eine Niederlage zeichnet sich ab.

Auf der rechten Seite sieht es nicht besser aus: Auch bei der Gold-Initiative ist die Ablehnung in den vergangenen Wochen stärker geworden. 38 Prozent der Befragten sagen Ja, 47 Prozent lehnen die Initiative ab. Ende Oktober waren die Kräfteverhältnisse noch umgekehrt gewesen.

Kuriose Informationssperre

Kurios am Umfrageergebnis zur Initiative war die strikte Informationssperre. Normalerweise sind interessierte Kreise schon gegen Mittag im Besitz der Umfrageergebnisse. Nach der ersten Umfrage zur Initiative interessierten sich allerdings Goldhändler und -spekulanten in höchstem Masse für weitere Prognosen. Seit Veröffentlichung der ersten Umfrage läutete das Telefon von Franziska Ingold, bei der SRG zuständig für Abstimmungsumfragen, deutlich häufiger, wie die Nachrichtenagentur sda vermeldete. Aus diesem Grund streute die SRG das Ergebnis nicht wie sonst üblich in den Redaktionen. Damit sollte verhindert werden, dass jemand die noch unveröffentlichten Informationen für Geschäfte am Goldmarkt nutzen konnte.

Tatsächlich reagierte der Markt prompt auf die Umfrageergebnisse: Der Preis für eine Feinunze Gold gab kurz nach Bekanntgabe deutlich nach. Die Hoffnungen von Goldhändlern und -spekulanten auf schnelle Gewinne wurden offenbar gedämpft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.11.2014, 21:35 Uhr

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