Schweiz

Die Wegbereiterin aller Bundesrätinnen

Von Ev Manz. Aktualisiert am 24.07.2010

Trudy Späth-Schweizer war die erste Frau in der Schweizer Politik. Die Wahl lief dubios ab, warf aber mediale Wellen bis nach Amerika.

1/3 Die erste Schweizer Politikerin
1958 schrieb Trudy Späth-Schweizer in Riehen Politgeschichte.
Doumentationsstelle Riehen

   

Wenn die Frauen allenfalls bald die Übermacht im Bundesrat haben werden, dann tritt eine Frau wieder ins Rampenlicht: Trudy Späth-Schweizer. Sie war die erste Schweizerin, die ein politisches Amt ausgeübt hatte.

Im Herbst 1958 wurde die damals 50-Jährige in den Riehener Bürgerrat gewählt. Doch dies war nur möglich, weil die politische Gemeinde Riehen (Kanton Basel-Stadt) im Sommer 1958 als erste Schweizer Gemeinde das Frauenstimmrecht angenommen hatte und damit in die Geschichte einging.

Unerwartet Kandidatin

«Doch Trudy Späth-Schweizer war keine, die auf diese politischen Würden aus war», sagt Lukrezia Seiler. Die Riehener Journalistin organisiert in Riehen Rundgänge zum Thema mutige Frauen. Eigentlich sei die damals 50-jährige Späth vor der Abstimmung in der Bürgergemeinde gar nicht als Kandidatin aufgestellt gewesen. Die Wahl einer Sozialdemokratin war so gut wie sicher. Eiligst vor der Wahl gefragt, ob Späth eine allfällige Wahl annehmen würde, übernahm sie die Rolle für die Mittelstands- und Gewerbepartei.


Schliesslich wurde Trudy Späth-Schweizer mit 336 zu 210 Stimmen in das Exekutiv-Amt gewählt. Dass total mehr Stimmen abgegeben worden als Leute im Saal anwesend waren, störte damals niemand. Die Wahl löste ein grosses Medienecho aus. Sie war sogar der amerikanischen «Herald Tribune» eine Meldung wert.

In der Gemeinde war die Mutter von zwei Söhnen aber keine Unbekannte. Als Tochter von Wirtsleuten kannte sie viele Leute im Dorf. Zudem war sie im Turnverein und bei den Samaritern aktiv.

Einen Weg nach ihr benannt

Als Politikerin sei Späth sehr beliebt gewesen, sagt Seiler. Ihr Kerngebiet waren soziale Themen. Von ihren männlichen Kollegen wurde sie auch sehr häufig um Rat gefragt. Und von Frauenrechtlerinnen wurde Späth häufig zu Referaten eingeladen . Doch sie lehnte jedes Mal ab. «Sie hat sich nie als Frauenrechtlerin verstanden», sagt Seiler, «sondern als Riehenerin».

16 Jahre lang übte Trudy Späth-Schweizer ihr Amt unspektatulär, dafür mit umso mehr Würde aus. 1990 starb sie in Riehen. Zu Ehren ihres 100. Geburtstags und 50 Jahre nach ihrer geschichtsträchtigen Wahl benannte Riehen 2008 einen Weg nach ihr.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.07.2010, 17:07 Uhr

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