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«Die Weltelite ist in tiefster Sorge»

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 27.01.2010 18 Kommentare

Ausländische Medien erwarten eine angespannte Stimmung am Davoser WEF, wie eine Presseschau von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt – zu viele Sorgen drückten die Mächtigen dieses Jahr.

1/5 Ernste Gesichter am WEF: Dennis Nally, Chef von PricewaterhouseCoopers, Arif Naqvi, Chef von Abraaj Capital und Raghuram Rajan, Professor an der Chicago School of Business am Mittwoch in Davos.

   

Glaubt man den Reportern, Korrespondenten, Analysten in aller Welt, so wird Davos dieses Jahr keine spassige Veranstaltung. «Party war gestern», schreibt die «Financial Times Deutschland». Es herrsche eine «angespannte Atmosphäre», berichtet «Spiegel Online»: «Die Weltelite aus Politik und Wirtschaft, die sich dieses Jahr zum 40. Mal in Davos trifft, ist in tiefster Sorge.» Keiner der Topmanager, meint die britische «Times», rechne mit einem «gemütlichen Spaziergang».

Denn was auf die Mächtigen am World Economic Forum wartet, sind laut deutschen, französischen und britischen Medien zwei Dinge: Sie müssen gegen drohende Regulierungen in der Finanzbranche weibeln. Und sie müssen Geschäfte abschliessen.

«Banker auf der Anklagebank»

Nie zuvor, so schreibt die «Times», seien so viele kritische Teilnehmer an das WEF geladen gewesen. «Letztes Jahr wurden die Banker angeprangert, weil sie das Finanzsystem in die Knie gezwungen haben. Dieses Jahr werden sie angeprangert, weil sie das Finanzsystem in die Knie gezwungen und dann hohe Boni mitgenommen haben.» Der französische «Figaro» macht es kurz: «Banker auf der Anklagebank» setzt er heute als Titel über seinen Text.

Es warten die Vorschläge der USA und der EU, die Finanzplätze schärfer zu regulieren, die Banken stärker zu besteuern und die Gehälter zu beschränken – selbst Gründer Klaus Schwab hat inzwischen mehrmals betont, der höchste Lohn in einem Unternehmen dürfe eigentlich nicht mehr als das 20-Fache des niedrigsten betragen. Ein «Davos der Nachdenklichkeit» kündigte Schwab in der «Süddeutschen Zeitung» an. «Neu denken, neu gestalten, neu schaffen», lautet denn auch der Arbeitstitel des diesjährigen Forums.

Nicht einmal Unterhaltung als Lohn

«Le Monde» übrigens vermeldet wie andere französische Medien freudig, dass Präsident Nicolas Sarkozy in Davos sprechen wird. Doch auch er, so kündigt seine Finanzministerin Christine Lagarde an, wird über die Regulierung der Finanzbranche sprechen. «Davos wird hoffentlich eine fruchtbarer Kontext dafür sein», wird sie zitiert.

Also rüsten sich in Davos «die Grossdelegationen der wichtigsten Banken der Welt, um bei den zahlreichen Hintergrundtreffen, Partys und Abendessen subtil Druck auf die Politik auszuüben», so Spiegel Online. Gleichzeitig starten sie – nach Ansicht der «Financial Times Deutschland» eine «devot-selbstkritische Charmeoffensive». Der berühmte Davos Man, die globalisierte Wirtschaftselite, habe sich «allzu gründlich blamiert». Jetzt wolle er «sein Gesicht verändern»: Man gebe sich bescheiden, diskutiere über mögliche Verbesserungen, verzichte auf den Privatflieger. Ein «beinharter Abwehrkampf», der nicht einmal mit Unterhaltung belohnt werde, so die FTD: «Grosse Bankpartys wurden in Davos letztmals 2008 gefeiert - allen voran von den notorischen Bonuskönigen von Goldman Sachs.»

«Die Debatten sind so etwas wie Nebensache»

Es gehe in Davos, angesichts einer nach wie vor flauer Wirtschaftslage, vor allem darum, Geschäfte zu machen, schreibt die «Financial Times». «Die meisten Davos-Besucher wollen vor allem die Beziehung zu Kunden pflegen, Geschäfte abschliessen oder ihr Territorium abstecken – und weniger an intellektuellem Brainstorming teilnehmen», so das Blatt. Es zitiert einen Topbanker: «Die Debatten sind so etwas wie eine Nebensache.»

Darum lohne sich auch die jährliche Mitgliedergebühr von gut 30'000 Euro und die einmalige Teilnahmegebühr von 12'500 Euro , schreibt Spiegel Online: «Für die Manager und Politiker lohnt sich der Aufwand, können sie hier doch in vier Tagen im besten Fall Dutzende von Geschäftskontakten pflegen, für die sie sonst einmal um den Erdball und zurück jetten müssten.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2010, 13:35 Uhr

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18 Kommentare

Stefan Meier

27.01.2010, 13:53 Uhr
Melden

"Die Weltelite ist in tiefster Sorge"... Jaja, deren Sorge ist, ob sie sich einen Bugatti Jahrgang 27 oder eine Zweitjacht kaufen sollen. Vorbei die Zeiten, wo sie beides haben konnten!!!! Antworten


Urs Bilger

27.01.2010, 14:10 Uhr
Melden

Man kann gar nicht soviel essen, wie man (eben) möchte. Das ist alles, was mir zum WEF einfällt... Antworten



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