Die Zwei-Milliarden-Frau
Von Martin Furrer. Aktualisiert am 31.08.2011 32 Kommentare
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Um 14.30 Uhr geben Volkswirtschaftsminister Johannn Schneider-Ammann und Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf die konkreten Massnahmen des Bundesrates gegen den starken Franken bekannt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live mit Web-TV und Ticker.
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Die Frau, soeben vom Bundesrat zur Staatssekretärin befördert, hat ein warmes Timbre in der Stimme, als sie vor den Medien sagt: «Ich bin mir bewusst: Dies ist ein anspruchsvolles Amt.» Es ist der 2. Februar 2011, Marie-Gabrielle Ineichen (50) absolviert soeben ihren ersten Auftritt als neue Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco).
Ihr zur Seite sitzt FDP-Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Er ist des Lobes voll über seine Chefbeamtin, die elegant gekleidet ist und eloquent spricht, die wach wirkt und vif. «Sie ist», sagt Schneider-Ammann, «eine Frau mit Biss, mit Sozialkompetenz und Fachwissen, sie ist auch eine Frau, welche die Führungsverantwortung sucht.» Ineichen lächelt, als der Bundesrat zu dieser Hymne ansetzt. Es ist kein verlegenes Lächeln, es ist ein wissendes – ein Lächeln der Selbstsicherheit. Zu Schneider-Ammann gewandt, sagt sie: «Ich versichere Ihnen: Ich werde Sie nicht enttäuschen.»
«Ohne jedes politische Gespür»
Sechs Monate sind seit dem Anlass verstrichen, fünf Monate sind es her, dass Ineichen, Vorgesetzte von 640 Mitarbeitenden, ihren Job angetreten hat. Seither blieb es still um die Frau. Vom Bundesrat wurde sie beauftragt, ein Unterstützungsprogramm für die Wirtschaft auszuarbeiten, die unter der Franken-Stärke leidet. Zwei Milliarden Franken darf Ineichen dazu in die Hand nehmen: Sie leitet eine Taskforce, die der Regierung Vorschläge für «temporäre Kostenreduktionen», für eine «Stärkung der Innovationskraft» und für «Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen» vorlegen muss. Heute Mittwoch wird der Bundesrat darüber befinden.
Bereits sind einige Ideen im Ansatz publik geworden – etwa der Vorschlag, Arbeitgebern Rabatte auf AHV-Zahlungen oder ausgewählten Branchen Subventionen zu gewähren. Dies seien «dilettantische Vorschläge ohne jedes politische Gespür», mäkelte kürzlich der ehemalige SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm. Die Kritik zielt auch auf die Seco-Chefin. Ineichen sei «zwar eine Top-Handelsdiplomatin», so Strahm zur BaZ, «aber von der Binnenwirtschaft, die jetzt besonders gestützt werden sollte, versteht sie nun wirklich gar nichts». Strahm packt grosses Lob und grossen Tadel in einen einzigen Satz, sodass man sich fragt: Wer ist Marie-Gabrielle Ineichen wirklich?
Männer im Rampenlicht
Ihre Vorgänger waren prominent: Jean-Daniel Gerber, Seco-Chef 2004 bis 2011, suchte das Licht der Öffentlichkeit ebenso wie David Syz, der das Amt 1999 bis 2004 führte. Franz Blankart, 1986 bis 1998 Direktor des Bundesamtes für Aussenwirtschaft (Bawi), das 1999 im neuen Seco aufging, war fast so prominent wie ein Bundesrat. Wenn das Seco heute zum Volk spricht, stehen im Rampenlicht Männer wie Aymo Brunetti, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik, oder Serge Gaillard, Leiter der Sektion für Arbeit. Ineichen wirkt im Dunkeln. Dabei hat sie eine strahlende Karriere vorzuweisen.
Sie hat in Bern Rechtswissenschaften studiert und in der Wirtschafts-Kaderschmiede Fontainebleau bei Paris einen höheren Verwaltungsabschluss erworben. 1999 trat sie in die Dienste des Bundes ein, zuerst im Bawi, dann als Leiterin des Bereichs Welthandel im Seco. Sechs Fremdsprachen spricht sie, darunter Chinesisch und Russisch, etliche Viertausender in Europa und Asien hat sie in der Freizeit schon erklettert.
«Die geborene Diplomatin»
Als Chefunterhändlerin hat Ineichen für die Eidgenossenschaft diverse Freihandelsverträge ausgehandelt. «Mit Leidenschaft», wie sie einst erklärte: «Auch wenn es um geschnittene Tomaten oder ungeröstete Erdnüsse ging, die Materie war alles andere als trocken.»
Strahms Kritik mag niemand teilen. SVP-Nationalrat Hans Kaufmann urteilt: «Sie ist fachlich sehr gut.» CVP-Wirtschaftsexperte Pirmin Bischof sagt: «Sie ist hochintelligent, sehr charmant, sie kann gut zuhören und hart verhandeln, sie bewegt sich auch in fremden Kulturen äusserst gewandt. Sie ist die geborene Diplomatin.» Man wird also noch hören von dieser Frau, die – glaubt man Bischof – im Seco «die richtige Person» ist «am richtigen Platz». (Basler Zeitung)
Erstellt: 31.08.2011, 11:28 Uhr
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32 Kommentare
Nun Frau Ineichen-Fleisch, es haben schon prominentere Leute mit einem Flop begonnen. Was Sie da im Auftrage des BR "ausgearbeitet" haben reißt nun wahrlich niemanden vom Hocker und entspricht exakt dem "WischiWaschi und der Konzeptlosigkeit" Ihrer Vorgesetzten. Also ab in die Berge, vielleicht kommen Ihnen bei frischer Schweizer-Bergluft, konstruktivere Ideen in den Sinn, sonst wird das nichts!! Antworten


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