Die seltsame Informationspolitik von Frau Widmer-Schlumpf
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 20.03.2009 7 Kommentare
Die Bundeskriminalpolizei baute seit Jahren hinter dem Rücken des Parlamentes die Spezialtruppe Tigris auf. Die Departamentschefin Eveline Widmer-Schlumpf hat das Organigramm abgesegnet. Dies enthüllte gestern die «Weltwoche». Das Eidgenössische Polizeidepartement (Fedpol) bestätigte, schob aber gleichzeitig ein ellenlanges Communiqué ohne jeglichen Informationsgehalt.
Telefon abnehmen ist im Fedpol tabu
Wer aber hat den Auftrag zum Aufbau von Tigris erteilt? Wieso hat man der Geschäftsprüfungskommission bei ihrem Besuch am 25. November 2008 die Existenz dieser Truppe verschwiegen? Und wieviel kostet die Truppe überhaupt? Erste Anlaufstelle für Journalisten ist die Pressestelle bei der Fedpol.
Im Eidgenössischen Staatskalender sind zwei Nummern aufgeführt – die eine gehört Sprecher Guido Balmer, die andere der Leiterin des Mediendienstes, Eva Zwahlen. Auf beiden Nummern nimmt den ganzen Vormittag niemand ab. Wir versuchen es bei der Amtsdirektion. Dort nimmt wenigstens jemand das Telefon ab.
Amtsdirektor Jean-Luc Vez sei aber nicht erreichbar, wird uns beschieden. Man werde dafür sorgen, dass jemand zurück ruft. Doch von der Amtsdirektion ruft niemand zurück. Stattdessen kommt um 12.34 Uhr eine E-Mail von der Leiterin des Mediendienstes Fedpol. Tagesanzeiger.ch/Newsnetz habe versucht sie telephonisch zu erreichen, schreibt Frau Zwahlen – Stunden nach dem Telephonanruf. Und sie bittet, das Anliegen, bzw. «Ihre Fragen per Mail zu schicken.»
Informationschefin klagt über zuviel Arbeit
Wir insistieren, ob sie nicht doch noch anrufen könne. 12.15 Uhr kommt die Antwort. Frau Zwahlen schreibt lieber E-Mails: «Ich darf Sie schon ein wenig um Verständnis bitten, dass ich aktuell nicht ausschliesslich hinter dem Telefon sitze und zudem alleine für die externe Kommunikation des Bundesamtes für Polizei zuständig bin.» Und was das seit gestern bedeute, habe man heute den Medien entnehmen können. «Bitte schicken Sie mir Ihre Fragen rasch, ich werde mich anschliessend darum kümmern.»
Die Fragen gehen um 13 Uhr via E-Mail ans Fedpol. Eine Stunde und 20 Minuten schreibt uns Frau Zwahlen zurück - aber leider wieder ohne Antworten: «Danke», erklärt die Sprecherin, «wir werden Ihnen so rasch als möglich antworten!» Dabei hatten wir schon hoffnungsvoll mit den Antworten gerechnet.
Langsam ungeduldig
Ob «rasch» bedeute, dass es noch einmal so lange gehe wie bisher. Ob wir davon ausgehen müssten, dass die Antworten bis 17.50 Uhr kämen, geben wir nun ein wenig ungeduldig zurück. Und nun kommt die Antwort prompt: «Ich gehe nicht davon aus, dass Ihr Umgangston förderlich ist für unsere Zusammenarbeit. Sie hören wieder von mir. Diesmal wünscht Frau Zwahlen nicht «Beste Grüsse» sondern «schöner Nachmittag, und einen Gruss.»
Um 16.13 Uhr kommen die «Antworten.» Potzdonner. Wer hat also den Auftrag erteilt? Zwahlens Antwort: «Siehe Medieninformation von gestern Donnerstag.» Wieviel kostet die Truppe? Antwort: «Siehe Medieninformation von gestern.» Doch in jener Mitteilung stand zwar viel, aber wenig Konkretes. In der Zwischenzeit sind fast sieben Stunden seit dem ersten Telephonanruf vergangen. Eine unglaubliches Zeugnis von Effizienz im Departement Widmer-Schlumpf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.03.2009, 17:41 Uhr
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Früher haben Journalisten noch recherchiert, um einen Beitrag zu schreiben. Heute thematisieren sie das Auflaufen bei einer Medienstelle, reichen den Schwarzen Peter für die eigene Unfähigkeit an eine überlastete Pressestelle weiter und schrammen so haarscharf an der Nötigung vorbei. So ändern die Zeiten die Sitten ist man als alter Berner Medienprofi zu sagen versucht... Antworten






