Diese Argumente ziehen im Kampf um den Gotthard

Die Onlineumfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt: Sowohl Gegner als auch Befürworter der zweiten Röhre haben ein schlagendes Argument bereit. Viele andere stossen nicht auf Anklang.

Die Gegner warnen vor doppelt so vielen Lastwagen: Transparent am Teufelsstein in Göschenen. (8. Januar 2016)

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Die Meinungen über Sinn und Notwendigkeit einer zweiten Röhre durch den Gotthard gehen auseinander. Im Dezember befürworteten 50 Prozent der Befragten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Link den Milliardenbau, 35 Prozent sprachen sich dagegen aus, der Rest ist noch unentschlossen.

Damit ist offen, wer die Abstimmung vom 28. Februar für sich entscheiden kann. Befürworter und Gegner versuchen, die verbleibenden Unentschlossenen noch auf ihre Seite zu ziehen, und führen dazu je eine ganze Reihe von Argumenten ins Feld. Um herauszufinden, welche Argumente auf Anklang stossen, haben wir auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet eine Onlineumfrage durchgeführt. Die Umfrage basiert weder auf einer Zufallsauswahl noch auf einer Gewichtung und kann somit nicht als repräsentativ bezeichnet werden. Eingegangen sind 4068 Antworten.

Der Ferientunnel

Von den Befragten gaben 52 Prozent an, bis zu einmal pro Jahr durch den Gotthard zu fahren. Nur wenige (7 Prozent) fahren mehrmals monatlich oder täglich durch den längsten Strassentunnel der Alpen. 13 Prozent fahren nie durch den Tunnel. Von denjenigen, die durch den Tunnel fahren, gab eine Mehrheit an, dies für Ferien oder Ausflüge zu tun.

Anders als bei der Link-Umfrage zeigten sich nur wenige Befragte (3 Prozent) unentschlossen. Mit 49 gegenüber 48 Prozent nahmen leicht mehr Befürworter der zweiten Röhre an der Umfrage teil.

Ein Blick auf die Zustimmung der Befürworter und Gegner zu den von den Pro- und Kontra-Komitees vorgebrachten Argumenten zeigt, welche von diesen verfangen – und welche nicht ankommen.

Bei den Befragten, die den Bau einer zweiten Röhre befürworteten, ist die höhere Sicherheit, die die zweite Röhre mit sich bringen soll, das schlagende Argument (87 Prozent stimmen zu). Ebenfalls vielen Befragten leuchtet ein, dass die zweite Röhre eine Investition in die Zukunft sei (72 Prozent), und zahlreiche finden, dass die Fahrt durch die künftig mit Pannenstreifen ausgestatteten zwei Röhren angenehmer ausfallen würde als diejenige durch den bisherigen Tunnel (65 Prozent).

Auf wenig Anklang stösst das von den Befürwortern teilweise vorgebrachte, dem Bundesrat aber widersprechende Argument, dass eine Verladelösung gar teurer als der Bau einer zweiten Röhre käme (17 Prozent). Der Landverbrauch für die Verladestationen ist ebenso für wenige ein Argument (21 Prozent). Immerhin 30 Prozent der Befürworter geben an, dass sie auf eine Öffnung von vier Spuren hofften, wenn die zweite Röhre dann einmal da sei.

Die Angst vor vier Spuren

Bei jenen Befragten, die die Öffnung der zweiten Röhre ablehnen, ist die Angst vor einer Öffnung von vier Spuren und dem damit verbundenen Mehrverkehr, der dem Alpenschutzartikel widersprechen würde, ausgesprochen gross. 87 Prozent stimmen diesem Argument zu. An zweiter Stelle folgt das verwandte Argument, dass eine zweite Röhre das falsche Signal für die Verlagerungspolitik darstellen würde (65 Prozent). Die Kosten spielen bei den Gegnern hingegen eine weit weniger grosse Rolle. Nur 52 Prozent geben an, die zweite Röhre abzulehnen, weil sie zu teuer sei.

Eine weitere Frage betrifft den möglichen Mehrverkehr, den der Bau einer zweiten Röhre auslösen würde – auch wenn die beiden Röhren nur je einspurig befahrbar wären. Die Umfrage lässt tatsächlich vermuten, dass ein gewisser Mehrverkehr plausibel wäre. So gaben 22 Prozent der Befragten an, sie würden nach dem Bau der zweiten Röhre öfters durch den Gotthard fahren.

Die Frage des Mehrverkehrs ist besonders wichtig im Hinblick auf das Sicherheitsargument der Befürworter. Eine Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) besagt, dass bereits 3 Prozent Mehrverkehr am Gotthard den Sicherheitsgewinn durch den richtungsgetrennten Verkehr wieder zunichtemachen würden.

Dass die Sicherheit ein zentrales Argument für die Befürworter einer zweiten Röhre ist und etliche Autofahrer den Gotthardtunnel öfters nutzen würden, wenn kein Gegenverkehr mehr herrschen würde, lässt sich dadurch erklären, dass sich viele Leute bei der Fahrt durch den Gotthardtunnel unsicher fühlen. Verglichen mit einer normalen Fahrt auf der Autobahn, fühlt sich ein viel grösserer Anteil der Befragten unwohl.

(mw)

(Erstellt: 11.01.2016, 15:09 Uhr)

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