Drei Jobs, drei Löhne – die Kritik an Post-Chef Ulrich Gygi wächst
Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 28.12.2008 32 Kommentare
Ulrich Gygi, 62.
So sehr die Konjunktur auch lahmt, einem wird die Arbeit in nächster Zeit sicher nicht ausgehen: Ulrich Gygi, langjähriger Chef der Post, hat das Kunststück geschafft, im kommenden Quartal gleich bei drei der grossen Schweizer Service-public-Unternehmen mit Staatsauftrag zu wirken. Den alten Spitzenjob bei der Post wird der 62-jährige Berner noch bis Ende März ausüben, seinen neuen als Verwaltungsratspräsident der SBB nimmt er per 1. Januar mit einem 40-Prozent-Pensum auf, und den Nebenjob als Verwaltungsrat der SRG führt er davon unberührt weiter. Zusammen macht das rund 155 Stellenprozente – Gygis viertes Amt als Verwaltungsrat der Versicherung Axa Winterthur nicht eingeschlossen.
Viel Arbeit also – und auch viel Lohn. Als Post-Chef belief sich Gygis letztes bekanntes Jahressalär 2007 auf 817'000 Franken. 32'000 Franken pro Jahr erhält er für das SRG-Mandat, und für jenes bei den SBB kommen nochmals um die 250'000 Franken dazu. Gygis Vorgänger als Bahnpräsident, Thierry Lalive d`Epinay, bezog 2007 knapp 284'000 Franken, allerdings für eine Anstellung von 60 Prozent. Laut Gygis eigenen Angaben wurde die Entschädigung von den SBB nun gesenkt, und zwar um 10 Prozent. Weil allerdings auch sein Pensum deutlich geringer ausfällt, ist anzunehmen, dass er vergleichsweise mehr verdient als sein Vorgänger. Die SBB selber wollen dies weder bestätigen noch dementieren.
Ärger von links bis rechts
Alles in allem dürfte Gygi so allein in den nächsten drei Monaten bei Post, SBB und SRG insgesamt über eine Viertelmillion Franken verdienen. Diese Ballung von Macht und Lohn kommt in der Politik schlecht an. SVP und FDP haben schon im Juni die Wahl von SP-Mitglied Gygi zum neuen SBB-Präsidenten als Ausdruck von sozialdemokratischem «Filz» in Moritz Leuenbergers Verkehrsdepartement kritisiert.
Nun doppelt selbst die SP nach: «Das ist nicht wünschenswert», sagt SP-Präsident Christian Levrat auf die Frage, ob er Gygis Ämterkumulation gutheissen könne. Und Levrat geht sogar noch weiter, indem er den Berner nun zum Verzicht auffordert. Gygi solle zum einen die Einkünfte aus seinen Nebentätigkeiten freiwillig seinem Hauptarbeitgeber, der Post, zurückzahlen, verlangt der SP-Chef. Zum andern solle er kürzertreten – und eines seiner Mandate, zum Beispiel jenes bei der SRG, abgeben. «Das wäre gut», sagt Levrat. Denn er glaube nicht, dass man die drei Funktionen parallel zur allgemeinen Zufriedenheit ausüben könne.
«Situation ist störend»
Darin ist sich Levrat für einmal sogar mit dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse einig. «Eine solche Situation ist störend und wäre eigentlich zu vermeiden», sagt dessen Geschäftsleitungsmitglied Martin Kaiser. Man dürfe darum die Frage durchaus stellen, ob Gygi bei der SRG aussteigen sollte.
Gygi selber will an solche Szenarien freilich gar nicht erst denken. «Diese Frage stellt sich punkto Belastung nicht, da diese mit der Übergabe der Konzernleitung Post an seinen Nachfolger Michel Kunz klar abnehmen wird», lässt die Medienstelle der Post ausrichten. Zudem sei die Belastung durch die VR-Mandate nicht in jedem Monat gleich hoch. Die simple Addition der für das ganze Geschäftsjahr definierten Stellenprozente ergebe ein verzerrtes Bild. Und auch die Option, dass Gygi auf einen Teil seines Post-Salärs verzichtet, ist vom Tisch. «Ulrich Gygi hat einen Vertrag als Konzernleiter der Post bis Ende März 2009, den er einhalten muss und will. Erfüllt er seine vertraglichen Verpflichtungen, erhält er selbstverständlich auch den vertraglich vereinbarten Lohn», stellt die Post klar.
Umstritten ist freilich die Frage, ob Gygi bei seinem Pensum auch alle Verpflichtungen gewissenhaft und seriös erfüllen kann. Kaum, meint SP-Chef Levrat; ja, findet hingegen der Bundesrat. Dieser wählte Gygi im Bewusstsein um die temporär grosse Belastung zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der SBB. Und dies, obwohl die Kaderlohnverordnung des Bundes festhält, dass gleichzeitig mehrere Jobs von solchem Gewicht eigentlich nicht miteinander zu vereinbaren seien: «Die Leistungsfähigkeit gilt als vermindert, wenn die gesamte zeitliche Beanspruchung durch die Haupt- und Nebenbeschäftigung ein volles Arbeitspensum um 10 Prozent übersteigt», heisst es dort. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.12.2008, 22:57 Uhr
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32 Kommentare
Unglaublich, was sich dieser Mann als Freiheit heraus nimmt. Keinem Post-Angestellten würde er das erlauben. Jüngst musste er vom Bundesgericht zurecht gewiesen werden, weil er einen Briefträger wegen einer kleinen Unterlassung ohne postgefährdende Folge aus dem Dienst entlassen hat. Selbstherrlich nennt man ein solches Benehmen doch? Abstossend! Warum ist dieser Mann in der SP? Antworten
Genau so schätze ich länger denn je die SP ein.Eigentlich sollte sie die Arbeiterklasse vertreten aber man sieht immer mehr wen sie unterstützen.Wenn der Parteipräsident nur "von nicht wünschenswert"spricht muss man ja lachen.Aber eben beide haben ein rotes Büchlein wie ihr Bundesrat,der sowiso abtreten sollte bevor er aus den Kleidern fällt!-Weiter so , wir Steuerzahler bezahlen ja jeden Mist !? Antworten
Was habt ihr denn für ein Problem? Geld scheffeln so viel und so schnell wie möglich. Leistung egal, Lügen und Filz egal, Ellenböglen egal Land und Bevölkerung egal, alles egal Nur das eigene Portemonnaie zählt, Raffgier Raffgier denn bald könnte ja alles vorbei sein... Antworten
Einfach zum Kotzen, all diese Abzocker und Sozialschmarotzer. Wann wehrt sich endlich der Schweizer? Die Caritas beklagt den Sozialabbau und andernorts wird Volkseigentum verjubelt. Vielleicht ist das, was in Griechenland geschieht gar nicht so falsch - oder sollen es etwa Wahlen richten? Antworten
Wenn das so weitergeht, dann haben wir bald Zustände wie in Griechenland. Das heisst, die Jugend und die Arbeiter werden auf die Barikaden gehen um sich gegen den Chlüngel in der Politik zu wehren. Bei einem gewöhnlichen Mitarbeiter würde das niemals toleriert. Antworten
Der nette Gross hat ja auch mehrere Einnahmequellen beim Bund, und kommt bloss auf 300’000.- allerdings plärrt der permanent gegen die SVP- dann ist diese Summe wohl wieder gerecht. Und der Rote Baumann der mit seiner grünen Gemahlin neben den 2 Parlamentariersalären noch Subventionen als armer Bauer abkassierte, oder die mit Beringgeld als stilvoll anständige Fetz die im Stöckli höckt, oder der BDP Grunder der vom VBS Sämu das Armeegrundstück zum Kollegenpreis erhielt—Merke wer nicht der SVP angehört zockt beim Staat anständig stilvoll ab und darf weiter wursteln Antworten
Ein ganz schönes Beispiel von guteidgenössischem 'Filz'. Der Sozialdemokrat Gygi kassiert einen Jahreslohn von einer Million ab. Zuständig dafür ist bei allen drei 'Arbeitgebern' sein Parteikollege Bundesrat Moritz Leuenberger. Wenigstens Parteikollege Christian Levrat scheint kalte Füsse zu bekommen. Er lässt aber seinen unverbindlichen Worten 'Das ist nicht wünschenswert' wohl kaum Taten folgen. Antworten
Herr Gygi überlässt seinem Nachfolger ein solides und gut aufgestelltes Post-Unternehmen, das tausende von Stellen gesichert und hunderte von Millionen Franken dem Bund abgeliefert hat. Ihn mit den vielen Bänkern, die Milliarden vernichtet haben, über den gleichen Leist zu ziehen, ist unfair und kann nur von Neid inspiriert sein. Herrn Levrat mit seiner Kleinkarriertheit, kann ich nur bedauern. Antworten
155 Stellenprozent ! Man stelle sich vor, ein "normaler" Angestellter ersuche beim Vorgesetzten um das ok für mehr als eine halbe Stelle Nebentätigkeit, wenn er schon voll angestellt ist. Man würde ihm das Gesuch um den Schädel schlagen. Die Nebentätigkeiten von Herrn Gygi scheinen demgegenüber mehr auf Präsenz zu beruhen denn auf Arbeit. Sonst ginge es nicht, wenn er konkret anpacken müsste. Antworten
Ich kann Herrn Gygi nur bewundern, wie er das schafft - unglaublich. Ich bin schon nach meinem 100% -Job als Malerin am Abend fix und foxi. Ich bekomme nur Fr. 4000.-- im Monat auch für das Doppelte, also Fr. 8000.-- könnte ich mein Pensum unmöglich auf 200% erhöhen. Spesen, GA und andere Auslagen sind in diesem "Lohn" noch nicht enthalten. Hat er überhaupt noch Zeit zu essen? Antworten
in 3 Monaten 1/4 Million, d.h. jährlivh also 1 Million - ehem Bundesbeamte bei Billag, Post, Bahn, SRG/SF usw beziehen plötzlich höhere Saläre als der Bundesrat selbst. Was bei Gygi noch fehlt: als AXA-W'thur Verwalt'rat: Berichterstattung(Neutralität) ist zusätzl gefährdet, weil mögl Beeinflussung.AXA-W'thur will Gewinn ver-3-fachen. zB zahlt AXA die GeoThermie-Erdbebenschäden in Basel sehr mies! Antworten
Die Viertelmillion bezieht sich nur auf das erste Quartal 2009 wenn ich das richtig verstanden habe. Zudem: ein Pensum weit über 100% sei "kein Problem" (dabei muss man auf dieser Flughöhe ja soooo viel Verantwortung tragen und es ist soooo ein harter Job). Unsereins muss die Vereins-Tätigkeit am Samstag-Abend als Nebentätigkeit anmelden, aber auf Top-Management Ebene ist das alles viel lockerer.. Antworten
Natürlich ist das unschön und man fragt sich schon, ob einer all die Aufgaben auch richtig wahrnehmen kann. Andererseits haben wir ja auch einen BR, der Bücher und Gedichte schreiben kann, obwohl ja die BR dermassen überlastet sein sollen! Man frägt sich halt! Allerdings stört mich auch, dass mit dieser Lohn-Veröffentlichung die Neidkultur einmal mehr durch die Presse gepflegt wird. Antworten
Nach dem der Staat ja mit der UBS sehr grosszügig war, wer kann es den staatlichen Manager verdenken, dass sie weiterhin mit Steuergelder finanziert werden. Der Staat hat auch bei der UBS keine Regelungen getroffen, wieso sollte nun plötzlich der Staat mit Steuergelder neue Regelungen treffen - auch so kann man einen Staat in die Pleite treiben. Das Volk, als Souverän hat ja kein Recht! Antworten
Für einen solchen Lohn arbeitet man mindestens 12 Stunden - in EINER Anstellung. Somit müste Gygi 36 Stunden pro Tag zur Verfügung haben, um die Jobs einigermassen unter einen Hut zu bringen. Selbstverständlich ohne jeglichen Schlaf. Hochmut und Selbstüberschätzung kommt vor dem Fall ! Antworten
Den Lohn von Gygi dürfte man um 50% reduzieren, hätte genügend Leute wo fähig wären und diesen Posten für weniger gerne machen würden, frage mich schon weshalb der Bundersrat zu solchen Löhnen den Segen gibt, man hat halt den Vorgänger schon vergoldet. Antworten
so what. etwas neues unter der sonne? wer (seilschaften) hat, dem wird gegeben. und: seit wann sollen vr-mandate etwas zu tun geben? dafuer wurden sie nicht geschaffen. ware lieber etwas weniger verzweifelt. aber wenn man schaut, wie es tagtaeglich zugeht hier unten bei uns... Antworten
auch wir (4-Personen-Familie) arbeiten 300%. Trotzdem erreichen wir damit nichteinmal die Armutsgrenze. BR Doris Leuthard meinte dazu wörtlich: "Ich darf Ihnen aber versichern: Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht an der Einkommenshöhe aus Erwerbsarbeit." Antworten
Wahrlich erschreckend, dass es nun sogar bei den Linken machtgierige Workaholics gibt, welche meinen, sich über sämtliche (arbeitsrechtlichen) Regeln hinwegsetzen zu können und denen jeglicher gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist. Zeit für ein Burnout - andersrum wird Herr Gygi kaum Zeit finden, den Holzweg zu erkennen... Antworten
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Rolf Bänziger
Die Geschichte wiederholt sich, der Mensch lernt nichts daraus! Früher unterdrückten Feudalherren das Volk, dann kam die Franz. Revolution, später waren die Herren Unternehmer die Unterdrücker, es folgten Arbeiteraufstände. Wieder gehen wir Richtung Volksaufstand, die Gier einzelner ist einfach unerträglich! Was tun? Antworten