Drogen, Viagra, Sprengstoff – das Auslandpaket als Wundertüte
Mit einem eleganten Satz springt Rex auf das Förderband und schnüffelt sich von Paket zu Paket. Plötzlich legt er sich vor einem der Pakete nieder und signalisiert damit, dass er fündig geworden ist. Als Belohnung gibts für ihn sein Spielzeug, eine Baumwollrolle, die der Hundeführer heimlich hingelegt hat.
Für den Drogenspürhund sei das Aufspüren von Betäubungsmitteln reines Spiel, erklärte Attila Lardori, Einsatzleiter der Grenzwachtregion Aargau/Zürich, am Donnerstag auf einem Rundgang durch das Briefzentrum. Um den Hund bei Laune zu halten, werde deshalb jeweils ein fingiertes Drogenpaket unter die Postsendungen gemischt. Die Hunde bräuchten regelmässige Erfolge, sonst verleide ihnen die Arbeit.
130 Drogensendungen
Allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden im BZI Mülligen 130 Sendungen mit Betäubungsmitteln sichergestellt. Mit immer raffinierteren Methoden versuchten Absender den Zoll hinters Licht zu führen, sagte Hansruedi Vogel, stellvertretender Grenzwachtkommandant der Region Aargau/Zürich.
Weil sich für die Drogendealer eine gewisse Anonymität biete, habe sich der Postversand in Drogenkreisen seit längerem etabliert. Per Post verschoben würden vor allem Betäubungsmittel in kleinen Portionen oder Partydrogen in Tablettenform. Die Chance, dass solch illegale Drogensendungen den Adressaten erreichten, sei jedoch äusserst gering.
Dafür sorgen rund 100 Spezialisten der Post, die im Briefzentrum Mülligen mit wachsamem Auge die Post vom und ins Ausland unter die Lupe nehmen und verdächtige Pakete oder Briefe öffnen. Unterstützt werden sie von 5 Mitarbeitern des Zollinspektorates Zürich sowie Fachspezialisten der Grenzwachtregion Aargau/Zürich.
Risikoländer in Asien und Südamerika
Zwei bis drei Mal jährlich führt das BZI mehrtägige Schwerpunktkontrollen durch. Dabei wird sämtliche Post aus so genannten Risikoländern einer genauen Kontrolle unterzogen. Seit Dienstag richteten die Fachspezialisten ihr Augenmerk auf Sendungen aus dem Nahen und Fernen Osten, aus Asien und aus Südamerika.
Neben Drogen- und Sprengstoffspürhunden werden auch moderne technische Hilfsmittel eingesetzt. So können etwa mit einem Ionen-Mobilitäts-Spektrometer geringste Spuren von Betäubungsmitteln oder Sprengstoffen nachgewiesen werden.
Wo die manuelle Suche nicht oder nur schwer möglich ist, durchlaufen Verpackungen ein Röntgengerät. Bei der Kontrolle am Donnerstag blieb den Röntgenstrahlen eine Ampulle mit Doping nicht verborgen, die zusammen mit einem Buch versandt wurde.
In einem Paket aus Hongkong förderte das Gerät eine gefälschte Markenuhr zutage, die in einem alten Lautsprecher versteckt war. In einer Kaffeedose aus Brasilien kamen statt Kaffeebohnen Medikamente zum Vorschein.
Viele gefälschte Ausweise
Im Zeitalter des Internets würden sehr viele Sendungen aus dem Ausland bezogen, die nicht in jedem Fall den gesetzlichen Bestimmungen genügten, sagte Hansjörg Brönnimann, Abteilungsleiter des Zollinspektorates Zürich. Sehr häufig würden leistungs- und potenzsteigernde Substanzen oder Heilmittel entdeckt.
Im ersten Halbjahr 2008 fanden Mitarbeiter der Grenzwachregion Aargau/Zürich zudem über 60 gefälschte Ausweise und Dokumente. Laut Hansruedi Vogel handelte es sich in vielen Fällen um gefälschte Fahrausweise, die von Asylbewerben für ein paar Franken in ihrem Heimatland bestellt wurden.
Per Post den Weg in die Schweiz finden aber auch immer wieder Waffen, Munition oder Feuerwerkskörper. Gefunden wurden aber auch schon lebende Vogelspinnen in Briefumschlägen.
35'000 Auslandssendungen pro Tag
Im BZI Mülligen werden seit zwei Jahren neben der Briefpost aus der Ostschweiz sämtliche Auslandssendungen bis zu einem Gewicht von zwei Kilogramm logistisch verarbeitet und verzollt. Laut Patrick Maier von der Post International, passieren täglich rund 35'000 Briefe und Pakete vom und ins Ausland das Sortierzentrum.
Das Auslandsgeschäft sei für die Post mit rund einer Milliarde Franken Umsatz ein lukratives Geschäft, stellte Maier fest. Von den täglich 35'000 Warensendungen seien durchschnittlich 1700 zollpflichtig.
Mit dem Ende 2008 in Kraft getretenen neuen Zollgesetz hat die Post die volle Verantwortung für die Verzollung und die Erhebung der Mehrwertsteuer übernommen. Laut Maier verzollt die Post wie ein Spediteur jede Sendung. Früher seien noch Zöllner an den Fliessbändern gestanden. (oku/sda)
Erstellt: 23.07.2009, 16:42 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






