ETH-Forscher drängen auf Atomausstieg bis 2050
Von Michel Wenzler. Aktualisiert am 03.09.2011 28 Kommentare
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Es ist die Woche der gegensätzlichen Signale in Sachen Atomstrom. Am Dienstag hat die Energiekommission des Ständerats den vom Bundesrat beschlossenen Atomausstieg abgebremst. Sie will zwar den Bau von Atomkraftwerken «der heutigen Generation» verbieten, lässt aber eine Hintertür offen, mit der sich der Ausstieg umgehen lässt: Neue und sichere Kernkraftwerke sollen zugelassen werden, sofern die Wissenschaft in den nächsten Jahren entsprechende Fortschritte erzielt.
Das sei gar nicht nötig, ertönt es nur drei Tage nach dem Beschluss der Energiekommission von Seiten der Wissenschaft. Forscher der ETH haben am Freitag eine entsprechende Studie vorgestellt. Gemäss dieser ist der Atomausstieg bis 2050 technologisch möglich und wirtschaftlich verkraftbar. Die Forschergruppe am Energy Science Center der ETH Zürich entwickelte drei Szenarien für den künftigen Energiebedarf. Die Stromerzeugung der Schweiz werde in vierzig Jahren 67 bis 92 Terawattstunden (TWh) betragen, realistisch sei ein Wert von 80 TWh.
Wasserkraft soll die Hälfte des Strombedarfs abdecken
Gemäss Konstantinos Boulouchos, Professor für Aerothermochemie und Verbrennungssysteme, müsste die Wasserkraft rund die Hälfte des Strombedarfs abdecken. Dies sei möglich, auch wenn die Wasserkraft nur begrenzt ausbaubar sei. Die verbleibenden 40 TWh sollen mit erneuerbaren Energien, insbesondere mit der Solarenergie, gedeckt werden. Neben der Photovoltaik sollen zudem die dezentrale Nutzung von Biomasse sowie die Geothermie eine Rolle spielen.
Mittelfristig werde die Schweiz aber nicht darum herum kommen, auf CO2 ausstossende Gaskraftwerke zu setzen. Ab 2020 oder 2025 sollte es jedoch technologisch möglich sein, Gaskombikraftwerke zu bauen, bei denen das entstehende CO2 abgetrennt und eingelagert werden könne, glauben die Wissenschaftler. Ohne zusätzliche Massnahmen bei der Energieeffizienz sei die Wende aber nicht zu schaffen, betonen die Forscher. Besonders im Gebäudebereich und bei der Mobilität sehen sie noch Energiesparpotenzial.
Politik soll handeln
Der Atomausstieg werde der Schweiz wirtschaftlich nicht schaden, glauben die Experten zudem. Die volkswirtschaftlichen Kosten seien gering, sagt Lucas Bretschger, Professor für Ressourcenökonomie. Die wirtschaftliche Entwicklung würde zwar etwas verlangsamt, die ETH-Studie rechnet aber weiterhin mit positiven Wachstumsraten zwischen 0.7 Prozent und 1.7 Prozent. Langfristig werde zudem die Cleantech-Industrie profitieren: Besonders in der Elektronindustrie und der Maschinenindustrie seien hohe Investitionen zu erwarten.
Von der Politik verlangen die ETH-Wissenschaftler Massnahmen: «Schliesslich, und damit geben die Forscher den Ball weiter an die Politik, sind Kostenwahrheit und Planungssicherheit wichtige Voraussetzungen, damit die geplante tiefgreifende Umgestaltung des Schweizer Energiesystems gelingen kann», schreiben sie in einer Medienmitteilung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.09.2011, 00:00 Uhr
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28 Kommentare
Ein katastrophaler Entscheid des Ständerates. Statt die dringend nötige Wende in der Energiepolitik sofort voranzutreiben, lässt er ein ungewisses Hintertürchen offen und verzögert bzw. verhindert damit die Einleitung der nötigen Schritte weg von der aussichtslosen Atomkraft. Die Hoffnung auf sichere Kernkraft gibt es nämlich schon seit einem halben Jahrhundert ohne den geringsten Fortschritt. Antworten
Es ist für den Laien unverständlich, warum der Bund die 2 Milliarden welche er offenbar hätte entbehren können, nicht vollumfänglich in Anlagen zur alternativen Energieerzeugung investiert hat. Das wäre ein positives Signal gewesen. Antworten
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


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