EU-Kulturerbe-Label: Schweiz geht leer aus

Aktualisiert am 11.03.2010

Die EU-Kommission will Kulturstätten von besonderer Bedeutung für die Staatengemeinschaft mit einem neuen Label auszeichnen. Höchstwahrscheinlich wird die Schweiz nicht berücksichtigt.

Stätte von besonderer kultureller Bedeutung: Gotthard-Hospiz.

Stätte von besonderer kultureller Bedeutung: Gotthard-Hospiz.
Bild: Keystone

Drei Schweizer Stätten könnten das neue Kulturerbe-Label der Europäischen Union erhalten - die Schweiz dürfte aber kaum an der Initiative beteiligt werden. Denn im Vorschlag der EU-Kommission heisst es ausdrücklich, dass dieses neue EU-Label «zunächst auf die 27 Mitgliedstaaten» beschränkt werden soll. Nicht ausgeschlossen wird, dass es später einmal auf Drittländer ausgeweitet werden könnte, die am Programm «Kultur» teilnehmen. Die Schweiz ist an diesem Programm allerdings nicht beteiligt.

Anders war dies beim Label «Europäisches Kulturerbe», auf dem der neue Vorschlag der Kommission aufbaut. Die zuständige EU-Kultur- und Bildungskommissarin Androulla Vassiliou versicherte zwar bei der Vorstellung des Projekts, dass die bestehenden Stätten ihr bisheriges Label behalten sollten. In Stein gemeisselt scheint aber auch das nicht. Denn im Vorschlag ist die Rede von Übergangsmassnahmen. Diese müssten getroffen werden, um den Status der Stätten zu klären, die bereits das jetzige Europäische Kulturerbe-Label erhalten haben. In der Schweiz trifft dies auf drei Stätten zu.

64 Stätten mit bisherigem Label

Das Label war 2006 von verschiedenen europäischen Staaten, darunter der Schweiz, als zwischenstaatliche Initiative ins Leben gerufen worden. Im Moment tragen insgesamt 64 Stätten in der Schweiz und in 17 EU-Staaten das Label. Sie zeichnen sich als «Denkmal für die Geschichte und Kultur Europas» aus. Die Bestimmung der Objekte erfolgte durch die Länder selbst.

Die Genfer Kathedrale St-Pierre wurde auf Grund ihrer Bedeutung im Zusammenhang mit dem Reformator Jean Calvin ausgezeichnet. Das alte Gotthard-Hospiz ist seit Jahrhunderten Sinnbild für die Verbindung der Kulturen Nord- und Südeuropas. Das Schloss La Sarraz schliesslich war 1928 bis 1959 Schauplatz der richtungsweisenden internationalen Kongresse für moderne Architektur.

Künftig sollen Stätten mit dem Siegel ausgezeichnet werden, die in der Geschichte und beim Aufbau der Europäischen Union eine wesentliche Rolle gespielt haben. Im Unterschied zum UNESCO-Welterbe will die EU-Kommission nicht die Ästhetik oder den Erhalt der Stätten, sondern «ihre europäische Aussagekraft und ihre Symbolwirkung für Europa» in den Mittelpunkt stellen.

Schweiz prüft Vorschläge

Dass die Schweiz als Gründungsmitglied der ursprünglichen europäischen Initiative vom künftigen EU-Label ausgeschlossen werden könnte, löst auf Schweizer Seite noch keinen Sturm des Protests aus. «Wichtig ist, dass die drei Stätten ihren Status behalten können», sagte Daniel Klingele, Sprecher der Schweizer Mission bei der EU in Brüssel auf Anfrage. «Der europäische Kulturraum ist grösser als die EU», gibt Klingele weiter zu bedenken. Die Vorschläge der EU-Kommission werden nun geprüft.

Die Kommission hofft, dass das Siegel 2011 oder 2012 in Kraft treten könnte. Der Vorschlag muss vom EU-Ministerrat und dem EU- Parlament angenommen werden. Dabei zeigt sich, dass die Würfel noch nicht gefallen sind. Wie die Wiener Tageszeitung «Kurier» in seiner Donnerstagsausgabe schreibt, begrüssen Frankreich und einige osteuropäische Staaten die Idee, während Staaten wie Deutschland und Österreich eher skeptisch sind. (vin/sda)

Erstellt: 11.03.2010, 16:45 Uhr

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