Schweiz
Echte Grösse? Oder Wahn?
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 11.05.2009 37 Kommentare
Loslassen, wo es geht
Nachdem seine erneute Kandidatur als Bundesrat gescheitert ist, hat sich Blocher aus der Politik zurückgezogen. «Es läuft alles wie geplant», sagt er dem «Sonntag». «Was ich loslassen kann, lasse ich los. Und wo es mich braucht, helfe ich mit.» Nach eigenen Angaben ist Blocher jedoch im Gespräch, um «eine grössere Firma» zu retten. Dabei will er nicht nur mit Kapital aushelfen: «Meine Stärke ist die Führung.»
Christoph Blocher ist ein Tausendsassa, ein Multitalent und Poly-Karrierist. Er hat erreicht, was andere nicht mal in mehreren Leben erreichen würden: Er ist Doktor für Rechtswissenschaft, Oberst, Unternehmer, Alt-Bundesrat, Milliardär und Familienvater.
Doch seit seiner Abwahl aus dem Bundesrat ist es ruhig geworden um den erfolgsverwöhnten 68-Jährigen. Zu ruhig. Weil ihm nicht mehr die Aufmerksamkeit zuteil wird wie einst, bringt sich Blocher selbst wieder ins Gespräch – und bewirbt sich als Troubleshooter für mehrere prestigeträchtige Stellen.
Fast-Verteidigungsminister, Fast-UBS-Chef
So empfahl sich Blocher für das Amt als Verteidigungsminister: Immerhin wisse er als Oberst über die Armee Bescheid.
Und auch als es um einen Wechsel an der UBS-Spitze ging, brachte sich auf einmal Christoph Blocher ins Spiel. Als ehemaliger Chef der Ems-Chemie wisse er, wie man ein Unternehmen wieder auf Kurs bringe, hiess es.
Professor für einen «unnötigen Lehrstuhl»
Nun will der selbst ernannte Fachmann für fast alles auch noch Experte für Wirtschaftsethik sein: Wie Blocher sowohl dem «Sonntag» als auch dem «SonntagsBlick» erklärte, hat er vor, sich für den frei werdenden Lehrstuhl für Wirtschaftsethik in St. Gallen zu bewerben.
Dort wolle er zum Beispiel lehren, wie man ethisch führt. «Oder was die ethische Bedeutung der Gewinnerziehung ist und des Shareholder-Value.» Fragt sich, ob Blochers Vorstellung von Wirtschaftsethik mehr als eine Vorlesungsstunde füllen würde. Zumal er findet: «Moralisieren bringt nichts.» Und: «Für mich ist klar, dass der Mensch eine Moral haben muss. Aber eine Wissenschaft ist es nicht.»
Eine Trotzreaktion?
Die Bewerbung ist ergo eine reine Trotzreaktion: Blocher hält den Lehrstuhl für unnötig. Und stellt das «Zeug», das in «einer solchen Fakultät gelehrt wird» in Frage. Er will vielmehr im Ethik-Unterricht lehren, dass es keine Ethik-Lehre braucht.
Vieles spricht also dafür, dass es Blocher mit seiner Bewerbung nicht ganz ernst meint. Aber wenn wir schon dabei sind: Warum bewirbt sich der ausgewiesene Motivator nicht als neuer Trainer der Eishockey-Nationalmannschaft? Oder hilft als Talent-Scout der Schweiz aus der Jugendarbeitslosigkeit? Immerhin hat er auch seine Kinder zu erfolgreichen Unternehmern erzogen. Oder vielleicht blüht Blocher ja auch eine Karriere als Kunstkritiker – die grösste private Sammlung von Albert Ankers Werken besitzt der Kunstliebhaber ja schon mal. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.05.2009, 15:31 Uhr
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37 Kommentare
Er könnte eine Privatuniversität gründen und dort Professoren und Lehrinhalte selber bestimmen. Das wäre die Lösung für dieses Problem. An dieser Privatuni könnte man auch noch geschützte Arbeitsplätze schaffen für Herrn Mörgeli, Herrn Brunner und Herrn Fehr. Antworten
Einmal mehr braucht es offenbar BLOCHER, um die Scheinheiligkeit der Gesellschaft und damit auch der Universität St.Gallen zu OFFENBAREN. Mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsethik wollte die Uni zeigen, dass sie weiss, dass es auch eine Ethik gibt. Dass die Leute, die die Uni verlassen haben aber keinen Deut davon mit in die Praxis mitgenommen haben, ist spätestens seit Ausbruch der Krise klar. Antworten
Wenn ich die primitiven Kommentare über Christoph Blocher lese bin ich überzeugt, dass sie von sogenannten Neidern und Taugenichtsen stammen. Um glaubwürdig zu sein, sollten diese Herrschaften uns erzählen, was sie im Leben schon Grossartiges geleistet haben. Antworten
Vielleicht wird diesmal mein Kommentar veroeffentlicht. Blocher leidet wirklich an Groessenwahn und von Ethik weiss es schon gar nichts. Ethik ist die Wissenschaft vom sittlichen Handeln der Menschen und hat einen existentiellen Charakter. Ethik ist aber auch Sittenlehre. Fairness und Offenheit gegenueber anderen pflegten weder Christoph noch Gerhard Blocher. Er hat sich selbst Schaden zugefuegt. Antworten
@Markus Mueller: Sie verwechseln etwas: Der finnische Aussenminister ist eine Schande für Europa bzw. Europa an sich ist eine Schande für den Rest der Welt. Berlusconi muss sich von niemanden betreffend seinem Leistungsausweis etwas vormachen lassen. Weder in Italien noch im Rest der Welt. Hätte nur die Hälfte der Länder ein Staatsoberhaupt vom Format eines Berlusconi-es gäbe keine Krise nirgendwo Antworten
Pascal E. Storrer, immerhin haben sie implizit zugegeben, dass der faux-pas in der Türkei ein Ausrutscher war. Ebenfalls sollte aber erwähnt werden, dass Blocher Jahrelang im VR der UBS sass und die Geschäftspolitik die zum Desaster geführt hat biligte. Also offensichtlich wird nicht ganz alles zu Gold was CB in die Hände nimmt... Antworten
Bei der Wahl in den Bundesrat hat sich Blocher selbst seine politische Zukunft verbaut. Er war sicher ein guter Politiker, aber als Bundesrat war er schlicht ungeeignet. Glaube nicht dass Herr Blocher unter Grössenwahn leidet. Es ist ein ganz "normaler" Wahn und er leidet nicht allein, sein Bruder leidet scheinbar mehr als er darunter. Antworten
Ethik mit Blocher zu verbinden, ganz grosses Fragezeichen. Im übrigen würde ich es vorziehen, er würde jetzt in den wohlverdienten Ruhestand, auf dass wir nur noch vielleicht bei der Geburt eines Grosskindes der Blocherschen Familie etwas hören würden, ansonsten aber habe ich genug gehört für die nächsten 100 Jahre. Herr Blocher bitte nehmen Sie den Hut und machen Sie Platz – JETZT - Antworten
ich teile die beurteilung von hans rudolf pfaff - "... er wird sich köstlich amüsieren ..." - that's the point das posting darunter von frau hasler ist die bestätigung... aber natürlich ist der mann "peinlich"... aber DER macht das bewusst und geplant... und lacht ob des gezeters, das ob jedem seiner "projekte" entfacht wird Antworten
Frau Elisabeth Hasler, dies mit der Roschacher-Affäre ist frei erfunden, das sollten Sie wissen. Man versuchte ihm das anzuhängen um ihn aus dem Amt treiben zu können. Doch wie sich herausstellte war die Geschichte nicht wahr. Sie haben einen Ausrutscher in der Türkei erwähnt - wieviele Ausrutscher hatte schon Couchepin oder Calmy-Rey? Erfolg erzeugt Neid, bei manchen mehr, bei andern weniger... Antworten
Ja, das fehlte noch. Blocher hat ja immer wieder wunderbar bewiesen, was er unter Ethik und Moral versteht. Man vergesse z.B. auch nicht, wie er mit den Geschäften der EMS-Chemie das Menschen verachtende Apartheidsystem in Südafrika unterstützte und die UN-Sanktionen ignorierte. Macht und Geld treiben ihn an. Ein rücksichtsloser Geltungsdrang, der gefährlich war, heute aber nur noch tragisch ist. Antworten
C. Blocher zeigt und zeigte immer wahre Grösse und ist es ohne Zweifel. Alles was er anpackt gelingt ihm auch. Ich wünsche ihm viel Glück, Gesundheit und vertraue darauf, das er niemals aufgibt, auch heute nicht. Jeder der wirklich gut ist hier, hat mehr Feinde als Freunde, das müssen wir akzeptieren und jeden Tag aufs Neue dafür kämpfen. Freiheit und Wohlstand ist selten geworden auf dieser Welt. Antworten
Ich bleibe dabei: Dieser Mann hatte nie und nimmer das staatsmännische Format für einen Bundesratsposten. Neben den Fehlern, die er sich im Amt leistete (Auftritt in der Türkei, Rorschacher-Affäre u.a.) beweist er dies vor allem auch seit seiner Abwahl. Hat ein Ex-Bundesrat es nötig, sich überall, wirklich überall, selbst anzudienen, um im Gespräch zu bleiben? Einfach nur noch peinlich das Ganze. Antworten
CB hat offensichtlich wirkliche Allmachtsvorstellungen wie er dies zumindest implizit schon öfters zur Show gestellt hat. Herr Keller, es handelt sich bei dieser Stelle um einen Institutsleiter und Ordinarius, dazu braucht es eine Habilitation, das ist noch heute so. Antworten
Die Kommentatoren auf dieser Seite nehmen aber auch alles bierernst. BB weiss doch genau, dass er zu alt für den Lehrstuhl ist. Nun mal ernsthaft: Glaubt ihr alles, was im Sobli steht? Nebenbei noch etwas zu Fr. Ruf. Es ist heute beileibe nicht mehr notwendig, eine Habilitation vorweisen zu können. Die haben mehr als die Hälfte unserer Hochschullehrer nicht. Antworten
Am besten gründet Bocher eine private Wirtschaftshochschule, wo er als Rektor und sein Bruder als Ethiker fungieren, und mit Ebner, Ospel, Tettamanti, Jäger und Köppel als Dozente, inkl. Schildknecht als Ausgleich nach links. Hutter würde das Sekretariat und Brunner die Mensa leiten. Vielleicht machen sie Studienplätze an der HSG frei. Antworten
Blocher ist und bleibt einer der besten Politiker die wir je hatten hier im Lande. Gefeiert, bei den Gegnern gehasst, erst recht nach seinen grossen Erfolgen mit der SVP! Er hätte jetzt dem Bundesrat sicher gut getan. Aber eben, die kuschen lieber und versuchen die Probleme zu verdecken. Aber aus dem Bundesrat abgewählt heisst zum Glück nicht weg von der politischen Bildfläche. Antworten
Ch.B. und Ethik? Dann fragt doch mal seine Angestellten. Speziell die, die von ihm oder seiner Verwandschaft auf die Strasse gestellt wurde weil sie entweder eine eigene Meinung wagten oder nicht so billig arbeiteten wie die in den Ems'schen Fabriken im Osten. Dass seine Firma Rüstungsgüter herstellt hat mit Ethik nichts zu tun. Komische Ethik. Bewahre uns Gott und Jesus Christus vor dieser Ethik. Antworten
Herr Blocher ist schon mit G. Duttweiler verglichen worden. Falls an diesem Vergleich etwas dran ist, könnte der Politiker und Unternehmer nach dem Motto - "wenn ich keinen Zutritt zum Himmel habe, eröffne ich einen eigenen Himmel" - z.B. eine Akademie für die Diskussion ethischer Grundfragen gründen. Selber Professor zu sein wäre dabei so wenig sinnvoll wie das Traineramt für Sion-Constantin.. Antworten
Es gibt Personen, die einfach immer im Gespräch sein müssen, sonst ihr Ego angeschlagen und Herr Blocher ist einer von denen. Es wäre interessant zu wissen, was er als Ethik-Professor über den Umgang mit Andersdenkenden, Minderheiten und Ausländern vertritt. Aber was solls, solche Leute vertreten ja die Ethik, die ihnen passt und nützt. Antworten
Blocher kocht sein Süppchen wo ein Feuer ist. Die Farbe des Feuers spielt ihm keine Rolle. Das macht oft den Erfolg aus! Sturheit gibt er nur vor. Man konnte ihn seit Kaiseraugst beobachten und analysieren. Die meisten zogen das Meckern und Polemisieren vor, er gewann meistens. Feuerchen hat es mehr als genug. Aber die meisten warten auf das grosse Feuer. Und dort stehen dann zu viele! Antworten
Mich stört dieser Satz: "Er hat erreicht, was andere nicht mal in mehreren Leben erreichen würden..." Warum müssen wir ums verrecken immer mehr und noch mehr erreichen wollen? Sind wir denn Spermien? Kann sich keiner vorstellen, mit dem was er hat, neidlos zufrieden zu sein? Antworten
Herr Alt-Bundesrat Blocher ist nur noch peinlich. Zudem, wie soll einer, von dem man weiss, wie er sich die Ems Chemie unter den Nagel gerissen hat, einer, der wiederholt Stellen abgebaut hat um gleichzeitig die Dividenden der Aktionäre zu erhöhen, glaubwürdig über Ethik reden? Geniessen Sie doch Ihr Rentendasein und verschonen uns bitte mit solchen Kalbereien. Antworten
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Caesar Schmid
Ich glaube es sind genügend Wissenschafter vorhanden, die den Lehrstuhl an der Uni St. Gallen übernehmen können. Ueber das Vorhaben von alt Bundesrat Christoph Blocher schweigt man am Besten, denn seine Pläne sind absolut lächerlich! Antworten