Ecopop mobilisierte die Gegner

Die Ecopop-Initiative scheiterte so klar, weil sich SVP-Wähler weniger stark an der Abstimmung beteiligten als die Gegner der Vorlage.

Erfolgreiche Mobilisierung: Die Gegner der Ecopop-Initiative konnten verschiedenste Bevölkerungsgruppen für sich gewinnen.

Erfolgreiche Mobilisierung: Die Gegner der Ecopop-Initiative konnten verschiedenste Bevölkerungsgruppen für sich gewinnen.

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Das Statistische Amt des Kantons Zürich hat Anhaltspunkte geliefert, warum die Ecopop-Initiative so deutlich abgelehnt wurde. Im Kanton Zürich erreichte Ecopop nur 24,2 Prozent Ja-Anteil, gesamtschweizerisch 25,9 Prozent. Demgegenüber hatte die ebenfalls gegen die Zuwanderung gerichtete SVP-Initiative im Februar im Kanton Zürich 23 Prozentpunkte besser abgeschnitten. Was ist der Grund für diesen Unterschied?

Eine zentrale Rolle für das überraschend schlechte Ecopop-Resultat spielte die Mobilisierung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Aufgrund der Zürcher Gemeinderesultate kommt das Amt zum Schluss, dass «potenzielle Befürworter aus dem nationalkonservativen Lager der Urne fernblieben». Hingegen wurden Gegner in «statushohen liberalen Gebieten am Zürichsee, aber auch in der progressiven Stadt Zürich mobilisiert», heisst es in der Analyse.

Erneut überdurchschnitt­liche Stimmbeteiligung

Wie die Masseneinwanderungsinitiative (MEI) der SVP am 9. Februar führte auch die Ecopop-Initiative am 30. November zu einer überdurchschnitt­lichen Stimmbeteiligung, wenn auch nicht im gleichen Ausmass. Die statistische Analyse zu Ecopop zeigt: Je grösser die Stimmbeteiligung in einer Gemeinde im Vergleich zum Normalfall war, desto stärker wurde Ecopop abgelehnt. Die Beteiligung war vor allem in den Zürcher Seegemeinden und in der Stadt Zürich deutlich höher als im zürcherischen Schnitt bei eidgenössischen Abstimmungen. Hingegen war die Stimmbeteiligung im Weinland oder in Gemeinden im Oberland nur wenig über dem Schnitt. Das heisst: Wo die SVP stark ist, mobilisierte Ecopop viel weniger als in den «liberalen und marktnahen» Gemeinden und in der «progressiven» Stadt Zürich.

Gerade umgekehrt verhielt es sich bei der SVP-Initiative am 9. Februar: Je mehr Stimmberechtigte in einer Gemeinde im Vergleich zum Normalfall an die Urne gingen, desto besser schnitt die SVP-Initiative ab. Deshalb ist davon auszugehen, dass die MEI vor allem das nationalkonservative Lager mobilisierte. Diese Analyse aus den Statistikdaten des Kantons Zürich vom Februar wurde später durch die Vox-Analyse bestätigt.

Mit der Demobilisierung der SVP-Wähler bei Ecopop erklärte auch Politikwissenschafter Claude Longchamp diese Woche die grosse Differenz zwischen dem Ja-Anteil in seiner letzten Umfrage (39%) und dem effektiven Resultat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2014, 21:53 Uhr

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