Ehrgeizige Eltern beeinflussen die Schulnoten massiv

Von Antonio Cortesi. Aktualisiert am 23.10.2009

Eine neue Studie zeigt: Das Engagement der Eltern ist für den Schulerfolg der Kinder entscheidend. Jetzt fordern Politiker Massnahmen für Kinder, denen diese Hilfe fehlt.

Den Rücken stärken: Das Verhalten der Eltern beeinflusst die schulische Leistung der Kinder.

Den Rücken stärken: Das Verhalten der Eltern beeinflusst die schulische Leistung der Kinder.
Bild: Keystone

Bis zu 50 Prozent der schulischen Leistung eines Kinds sind von den Erwartungen und vom Verhalten der Eltern beeinflusst. Das zeigt eine Langzeitstudie, die heute an einer internationalen Tagung der Pädagogischen Hochschule Solothurn vorgestellt wird. Die Art, wie Lehrpersonen unterrichten, erklärt hingegen nur rund 10 Prozent des Schulerfolgs. Kommt hinzu, dass sich die Lehrer bei der Notengebung von den Eltern beeinflussen lassen. Bei objektiv gleicher Leistung geben die Lehrkräfte einem Kind von Eltern mit hohen Bildungserwartungen die besseren Noten.

Damit ist die massgebende Rolle der Eltern in der Schweiz erstmals umfassend wissenschaftlich dokumentiert. Zugleich zeigt die Studie, dass die in der Bundesverfassung verankerte Chancengleichheit bei weitem nicht gegeben ist. Da sich Eltern aus sozial benachteiligten Schichten wenig engagieren, haben deren Kinder erhebliche Nachteile. Das gilt vor allem für Migrantenkinder.

Für Studienleiter Martin Neuenschwander ist klar, dass nicht die Lehrkräfte für die ungleichen Bildungschancen verantwortlich gemacht werden können. «Die Lehrer machen einen guten Job», sagt er im TA-Interview. Die Politik müsse sich aber entscheiden, ob sie primär Elitebildung betreiben oder auch Kinder von bildungsfernen Eltern fördern wolle. Laut Anton Strittmatter vom Dachverband der Schweizer Lehrkräfte muss die Zusammenarbeit mit abseits stehenden Eltern intensiviert werden. Man werde nicht umhinkommen, die Mitwirkungspflicht vermehrt mit Sanktionen durchzusetzen, wie dies bereits in Zürich, St. Gallen oder Basel der Fall ist. Darüber hinaus setzt Strittmatter auf individualisierten Unterricht, Tagesschulen und Frühförderung.

Schulpflicht ab drei Jahren

Eine möglichst frühe Einschulung sei die beste Massnahme, um die Defizite von Migrantenkindern auszugleichen, sagt die Bildungspolitikerin Kathy Riklin. «Chancenungleichheit heisst ja auch, dass intellektuelles Potenzial für die Gesellschaft ungenutzt bleibt.» Die CVP-Nationalrätin kann sich gar eine generelle Schulpflicht ab drei Jahren vorstellen - ein Jahr früher, als dies im umstrittenen Harmos-Projekt der Fall ist.

Harmos-Gegner Ulrich Schlüer hingegen findet: «Den Eltern die Kinder noch früher wegzunehmen, wäre völlig verfehlt.» Als Alternative fordert der SVP-Nationalrat «eine intensive Sprachförderung bei Ausländerkindern vor der Einschulung». Für das mangelnde Engagement von Migranteneltern zeigt Schlüer kein Verständnis: «Das ist eine Frage des Willens und der Einstellung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.10.2009, 10:16 Uhr

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